Serkan Mirza: «Manche verpasste Chance beschäftigt einen länger als ein Fehler»


In der Rubrik Backstage geben interessante Persönlichkeiten aus der Finanzwirtschaft und darüber hinaus jeden Mittwoch Einblicke in ihre ganz persönlichen Vorlieben.


Was tun Sie morgens als Erstes?

Wenn ich nicht auf Geschäftsreise bin, bereite ich das Frühstück für meine Frau und Tochter vor. Die gemeinsame Zeit mit meiner Familie ist mir sehr wichtig. 

Was ist das Beste an Ihrem Beruf?

Die Credit Exchange ist ein schnellwachsendes Gemeinschaftswerk führender Schweizer Banken und Versicherern. Das bringt grössere strategische und operative Herausforderung mit sich. Die Firma zu führen, navigieren, und eine grössere Vision umzusetzen, erfüllt mich jeden Tag.

Ein Moment, der Ihr Leben veränderte?

Klar die Heirat mit meiner Frau und die Geburt unserer Tochter. Beide Male haben sich die Prioritäten geschärft, die gemeinsame Verantwortung uns nähergebracht und unser Leben bereichert. 

Welche Autos besitzen Sie? Welches ist Ihr Liebstes?

Im Arbeitsalltag bin ich meist mit dem öffentlichen Verkehr oder über Urban Connect mit E-Bikes unterwegs. Besonders gelungen finde ich den neuen IR-Dosto von Stadler Rail. Die Reise auf diesem Zugtyp fühlt sich jeweils sehr angenehm an. Für die Familie nutzen wir unseren kleinen Jeep – praktisch, komfortabel und für alles geeignet, was wir brauchen.

Welchen Rat würden Sie Ihrem 20-jährigen Selbst geben?

Zwischen meinem 18. und 26. Lebensjahr erlebte ich kurz nacheinander das Platzen der Dotcom-Blase, 9/11 und die Finanzkrise. Das hat mich vorsichtiger gemacht. Ich würde meinem jüngeren Ich deshalb sagen: Geh kalkulierte Risiken früher ein – bei Anlagen, im Beruf und im Leben. Nicht jede Chance zahlt sich aus. Aber manche verpasste Chance beschäftigt einen länger als ein Fehler, aus dem man lernen konnte.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Meine Familie ist privat mein ganzer Stolz. Beruflich und unternehmerisch ist es all das, was ich bis heute erreicht habe. Besonders hervor sticht für mich das enorme Wachstum der CredEx: Innerhalb von vier Jahren haben wir das Volumen auf der Plattform von 1 auf fast 6 Milliarden gesteigert. Die Zahlen sind jedoch ein Sekundäreffekt des Mehrwerts, den wir als ganze Firma für unsere Kunden schaffen.

Was tun Sie, wenn Sie Zweifel haben?

Da versuche ich strukturiert vorzugehen. Zunächst zerlege ich die Fragestellung in ihre Einzelteile und betrachte sie aus verschiedenen Perspektiven. Ich überlege mir dazu mögliche Szenarien sowie Argumente dafür und dagegen. Manchmal hilft es aber auch, bewusst abzuschalten. Eine Runde Sport oder ein Spaziergang an der frischen Luft verschafft mir die nötige Distanz. Und wenn es um Entscheidungen von grosser Tragweite geht, hole ich mir gezielt Rat bei Menschen mit Erfahrung und Urteilsvermögen, deren Perspektiven meine eigene Analyse ergänzen. Am Ende führt diese Kombination aus rationaler Analyse, Abstand und externem Input zur Klärung der Situation.

Was ist Ihr Lieblingswein?

Ich trinke inzwischen nur noch selten Alkohol. Wenn Sie mich nach meinem Lieblingstee fragen, lautet die Antwort: Darjeeling oder White Tea. Am besten schmecken sie mir, wenn sie aus losen, ganzen Teeblättern bei der richtigen Temperatur aufgebrüht werden.

An welchen Projekten arbeiten Sie momentan?

Bei der Credit Exchange, einer B2B Börse für Hypotheken, arbeiten wir momentan unteranderem an der Integration zusätzlicher AI-Lösungen, die Erweiterung der Plattform um grosse Pensionskassen und Versicherungen sowie die Konsolidierung unseres Marktsegmentes. Wir sehen uns langfristig als die zentrale Infrastruktur für Schweizer Hypotheken.

Was bewundern Sie an anderen Menschen?

Lebenserfahrung, Entscheidungsfreudigkeit, Kompetenz, Charakterstärke und Grosszügigkeit.

Was wäre die grösste Überraschung für jemanden, der Ihren Job einen Tag lang übernehmen müsste?

Wie oft man die Flughöhe wechseln muss. Am Morgen diskutiert man mit einer Pensionskasse über ihre Anlagestrategie, kurz darauf mit dem Team über einen einzelnen Prozessschritt auf der Plattform, über Mittag die beruflichen Herausforderungen von Mitarbeitern und am Nachmittag mit den Aktionären über die nächste Entwicklungsphase. Bei CredEx treffen Hypotheken, Technologie, Vertrieb, Investments und Menschen aufeinander. Das grosse Ganze funktioniert deshalb nur, wenn man auch die entscheidenden Details versteht.

Welches ist Ihr persönlicher Antrieb?

Unternehmerischer Erfolg und persönliches Wachstum. Ich scheue mich nicht, neues zu lernen, auszutesten und dann aber auch konsequent umzusetzen.

Wovor fürchten Sie sich?

Stillstand ist ein Gefühl, welches ich versuche, aktiv zu adressieren. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich mich zu neuen Herausforderungen und ständiger Weiterentwicklung hingezogen fühle. Bewegung, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne, ist für mich das Gegenmittel. 

Ihre Lieblingsuhrenmarke?

Ich habe seitdem ich 2008 das erste iPhone gekauft habe, nur noch wenige Tage eine Uhr getragen. Müsste ich mich entscheiden, wäre es eine Omega oder Rolex.

Gibt es einen unerfüllten Traum, den Sie noch verwirklichen möchten?

Ein Formel 1 Auto fahren! Ich bin schon seit Kindheit fasziniert vom Rennsport. Das ursprüngliche Format der Paris-Dakar Rally, welches ich schon als junger Erwachsener gerne gefahren hätte, bleibt jedoch vorerst unerfüllbar. 

Ihr bestes Investment?

Schweizer Immobilien. Die Kombination aus Wertsteigerung, Mieterträge und günstiger Finanzierung hat mir über die Jahre die höchsten Eigenkapitalrenditen gebracht.


Serkan Mirza ist CEO der Credit Exchange AG. Der studierte ETH-Biologe, Neurowissenschaftler und MBA-Absolvent der London Business School bewegt sich seit 20 Jahren an der Schnittstelle von Banken, Krediten, Anlagen und Beratung. Seine beruflichen Stationen umfassen die UBS, der VC Earlybird sowie Oliver Wyman, EY und Accenture. Bei CredEx treibt er die Digitalisierung des Schweizer Hypothekarmarkts und die Vernetzung von Hypothekarvertrieb, Abwicklung und Anlage voran.