Justiz versteigert vier Lamborghinis mit «Vergangenheit»

Die Auktion ist so aussergewöhnlich, dass Justizminister Moritz Oppelt (CDU) gemeinsam mit dem Obergerichtsvollzieher des Stuttgarter Amtsgerichts, mit der Generalstaatsanwaltschaft und dem Auktionshaus Eppli zur gemeinsamen Pressekonferenz eingeladen haben.

Hinter ihnen eine Shelby Cobra Replika, die Kamera dreht sich zu dramatischer Musik um den roten Sportwagen. Mit der speziellen Pressekonferenz wirbt die Behörde für eine eigene Luxus-Show. Sie lässt am Samstag, 24. Oktober, insgesamt 22 beschlagnahmte Objekte versteigern. Das Auktionshaus Eppli führt die Versteigerung im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart  und natürlich auch online durch. Die Show startet um 14 Uhr. 

Der mögliche Gesamterlös liegt nach Angaben des baden-württembergischen Justizministers Moritz Oppelt bei mehr als 2 Millionen Euro. Die Schätzwerte der einzelnen Fahrzeuge und Uhren bewegen sich insgesamt zwischen rund 800'000 und 1,8 Millionen Euro.

Die Objekte stammen aus verschiedenen Strafverfahren. Bei einem Teil der früheren Besitzer gibt es bereits Verurteilungen wegen Drogenhandels. In anderen Fällen laufen Ermittlungen wegen Geldwäsche, Steuerdelikten und Betrugs.

Lamborghini mit 71 Kilometern

Das Prunkstück ist ein dunkelgrüner Lamborghini Aventador Ultimae LP 780-4 Roadster aus dem Jahr 2022. Sein V12-Motor leistet 780 PS – und auf dem Tacho stehen gerade einmal 98 Kilometer.

Der Startpreis beträgt 380'000 Euro, der Schätzwert reicht bis zu 780'000 Euro. Von der offenen Ultimae-Version wurden weltweit lediglich 250 Exemplare gebaut.

Ein weisser Huracán STO aus dem Jahr 2024 weist lediglich 71 Kilometer auf. Für den 640-PS-Sportwagen liegt der Startpreis bei 130'000 Euro.

Los 20 ist vermutlich das speziellste Fahrzeug der ganzen Auktion: ein Huracán Super Trofeo EVO2 von 2023 mit 620 PS. Anders als STO und Aventador handelt es sich um einen für den Rennsport konzipierten Huracán. Hier beginnt die Auktion mit dem Aufrufpreis von 90'000 Euro. 

Hinzu kommen Porsche-Modelle, weitere hochwertige Fahrzeuge sowie Motorräder von Harley-Davidson und KTM. Zum Verkauf stehen auch drei Modelle von Rolex. Die «GMT-Master II Root Beer» geht mit einem Startpreis von 7000 Euro in die Versteigerung, die beiden anderen kommen auf je 5000 Euro «Aufrufpreis». 

Die vierte Uhr im Angebot ist zugleich das deutlich günstigste der beschlagnahmten Objekte. Los 13 mit der «Tag Heuer Formula 1» startet bei 400 Euro. Ebenfalls preiswert sind zudem ein alter «Audi A4 Avant TDI» ab 1'500 Euro und ein «VW Polo Allstar» (Baujahr 2017) ab 2'000 Euro zu ersteigern.

Was bei einem Freispruch passiert

Die Versteigerung ist nicht nur wegen des Warenwerts ungewöhnlich. Teilweise werden Vermögenswerte verkauft, obwohl die entsprechenden Strafverfahren noch nicht abgeschlossen sind.

Der Grund: Bei hochwertigen Fahrzeugen drohen während langer Verfahren erhebliche Wertverluste. Hinzu kommen Kosten für Lagerung, Pflege und Erhaltung. Eine sogenannte Notveräusserung kann deshalb wirtschaftlich sinnvoller sein.

Das bedeutet allerdings nicht, dass der Staat das Geld sofort erhält. Bei noch laufenden Verfahren wird der Auktionserlös zunächst eingefroren.

Werden die früheren Eigentümer freigesprochen, erhalten sie anstelle des inzwischen verkauften Fahrzeugs oder der Uhr den Erlös. Kommt es dagegen zu einer Verurteilung, kann das Geld unter anderem zur Begleichung von Steuerschulden verwendet werden.

Hinter den Beschlagnahmungen stehen unter anderem Ermittlungen der 2025 gegründeten Taskforce Finanzkriminalität des Landes Baden-Württemberg. In einem Fall geht es laut deutschen Medien um ein mutmasslich unterschlagenes Krypto-Erbe. Bei Durchsuchungen waren demnach Kryptowährungen im Wert von rund 64 Millionen Euro sowie Luxusfahrzeuge, Motorräder, Uhren und Bargeld sichergestellt worden.

Interesse reicht bis in die Schweiz

Für zusätzliche Spannung dürfte der internationale Bieterkreis sorgen. Geschäftsführer Ferdinand Eppli rechnet mit Interessenten aus verschiedenen Ländern – ausdrücklich auch aus der Schweiz. Daneben gebe es Anfragen unter anderem aus Frankreich, Singapur und Saudi-Arabien.