Der Bankenplatz Lugano blutet am schwersten

Die Rentabilität der Privatbanken ist in den letzten fünf Jahren massiv gesunken. Gemäss Studie von KPMG und Uni St.Gallen leben viele Insitute seit Jahren von der Substanz.

Der Markt verzeiht keine Ineffizienz mehr. Die Autoren der Studie «Performance der Schweizer Privatbanken 2012», einer Co-Produktion der Beratungsfirma KPMG mit der Universität St.Gallen, zitieren Warren Buffett: «You never know who is swimming naked until the tide is going out». 

Sie beziehen den Ausspruch des berühmten Investores auf die Situation der Privatbanken in der Schweiz: «Erst im heutigen Marktumfeld wird sich zeigen, welche Privatbanken über ein hinreichend kompetitives Geschäftsmodell und effiziente Strukturen verfügen, um im härteren Wettbewerbsumfeld in einer grundsätzlich weiterhin attraktiven Branche erfolgreich bestehen zu können.»

Erfolg hat nur, wer...

Die Umfrage umfasst 100 Schweizer Finanzhäuser, die primär im Private Banking tätig sind. 65 Prozent der berücksichtigten Banken verfügen über verwaltete Vermögen (Assets under Management) von weniger als 5 Milliarden Franken, zählen also zu den kleinen Privatbanken.

Bei der Auswertung zeigte sich, dass Grösseneffekte zwar existieren, jedoch auch kleine Banken zu den erfolgreichsten Privatbanken gehören. Daraus leitet die Studie folgende Erfolgskriterien ab:

  • Entscheidend scheint eine klare Nischenstrategie und ein klarer Kundenfokus zu sein. 
  • Erfolg ist die beste Werbung. Das heisst: Die Underperformer stecken in einem Teufelskreis. Die Banken mit der schlechtesten Performance verloren in der Periode 2008 bis 2011 15 Prozent ihrer Kundenvermögen. Die erfolgreichere Konkurrenz gewann in der gleichen Zeit 11 Prozent verwaltete Vermögen hinzu.
  • Zwischen Performern und Underperformern existieren keine substanziellen Margen- und Personalkostenunterschiede.

Lugano, Genf, Zürich: Welcher Bankenstandort hat die besten Chancen?

Das hat Folgen: Auf allen Schweizer Bankenplätze ging die Eigenkapitalrendite seit 2007 massiv zurück. Die Finanzinstitute in Lugano waren aber am härtesten betroffen.

So verzeichnete der Bankenplatz Lugano seit der Finanzkrise einen anhaltenden Geldabfluss, getrieben unter anderem auch durch die italienische Steueramnestie 2009.

Weitere Unterschiede zwischen Bankenplätze:

  • Lugano verlangt nach wie vor die höchsten Kommissionsmargen im Bankenmarkt (82 Basispunkte versus 57 Basispunkte in Zürich und 58 Basispunkte in Genf). Trotzdem weist die Industrie in Lugano die tiefste Rentabilität auf.
  • Obwohl die Zahl der Stellen in Privatbanken in Lugano schon länger und anteilsmässig stärker sinkt als auf den Bankenplätzen Genf und Zürich, war die Kennzahl «verwaltete Vermögen pro Vollzeitmitarbeiter» in Lugano 2011 am niedrigsten.
  • In Zürich war der Medianwert der verwalteten Vermögen pro Mitarbeiter 2011 mit 44 Millionen immer noch am höchsten, obwohl auch er abgenommen hat (2006: 59 Millionen Franken). Die Nettoerträge pro Mitarbeiter gingen im gleichen Zeitraum von 640'000 Franken auf 424'000 zurück.

Einbruch der Eigenkapitalrendite

Das Hauptkriterium, an dem die Studie den Erfolg einer Privatbank bemisst, ist die Eigenkapitalrendite. Diese sei in den letzten Jahren regelrecht eingebrochen, so der Schluss der Studie: Sie betrug 2001 nur noch 3,8 Prozent, nach 13,9 Prozent im  Jahr 2006. Und weiter: 

  • Die Spannbreite der gemessenen Eigenkapitalrenditen reichte 2011 von -63.5 Prozent bis 26,7 Prozent. Dabei habe nur eine von 20 Privatbanken eine Eigenkapitalrendite von über 12 Prozent erzielt.
  • Ohne ausserordentliche Erträge verzeichneten seit 2008 jedes Jahr rund 25 Prozent der Schweizer Privatbanken Verluste.
  • Nur 60 Prozent der Banken erreichte 2011 ein Kosten-Ertrags-Verhältnis von weniger als 84 Prozent (2006: 95 Prozent)
  • Vor allem die kleinen Banken tun sich seit der Krise schwer: Ihre Eigenkapitalrenditen betragen seither durchschnittlich nur noch 2,3 Prozent (vorher: 5,3 Prozent). Sie haben auch ein höheres Kosten-Ertrags-Verhältnis: 82,8 Prozent gegenüber 76,9 Prozent bei den grösseren Banken
  • Zwischen 2006 und 2011 verzeichneten 78 Prozent der Privatbanken Ertragsrückgänge von mehr als 10 Prozent. Demgegenüber stehen 55 Prozent der Banken, die in derselben Zeitperiode steigende Kosten auswiesen.
  • Das Niveau der Saläre und der Anzahl Mitarbeiter befinden sich nur geringfügig unter dem Niveau von 2006.

Kosteneinsparungen zunichte gemacht

Als fatal erweist sich, dass die angekündigten Kostensenkungs-Massnahmen vielen Banken keine Linderung brachten. Denn die Einsparungen werden durch neue Kosten, vor allem wegen höherer Investitionen in die IT und zur Erfüllung neuen Regulatorien zunichte gemacht.

Die Studienautoren, Christian Hintermann und Ivan Kühne von KPMG einerseits sowie Professor Tomi Laamanan, Markus Schimmer und Emmanuelle Reuter andererseits, stehen mit ihren düsteren Prognosen nicht alleine da. PWC ging kürzlich sogar davon aus, dass rund die Hälfte der 220 Privatbanken in der Schweiz verschwinden dürften.

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NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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