Vontobel: Was bringt die Commerzbank?

Nach dem Kauf der hiesigen Dresdner-Bank-Tochter durch LGT folgt der zweite Streich: Vontobel übernimmt die Commerzbank (Schweiz). Das schafft Grösse – und sonst?

Die Schweizer Vontobel-Gruppe erwirbt die Commerzbank (Schweiz) AG mit Sitz in Zürich, einer Niederlassung in Genf sowie einer Tochtergesellschaft in Wien zu 100 Prozent. Die Commerzbank (Schweiz) beschäftigte Ende 2008 genau 127 Mitarbeitende.

Nach Einschätzungen in der Branche zählt die Commerzbank (Schweiz) nicht zu den attraktivsten Adressen im hiesigen Private Banking. Viele Kundenvermögen sind heikel, zumal vor dem Hintergrund, dass Deutschland die Jagd nach undeklarierten Geldern erheblich verschärft hat.

Wer wollte denn die Commerzbank?

Die Commerzbank in Deutschland erhielt enorme Staatsgelder und konnte vor diesem Hintergrund die geschwächte Dresdner Bank übernehmen, die innerhalb des Allianz-Konzerns keinen Platz mehr hatte. Dorthin war sie auch nur geraten, nachdem eine Fusion mit der Deutschen Bank vor einigen Jahren gescheitert war.

Vor diesem Hintergrund ist die Commerzbank ein amorphes Gebilde. Es erstaunt daher auch nicht, dass die Schweizer Filiale zu den ersten Opfern der Konsoliderung gehört. Allerdings fragt sich, ob die Bank Vontobel, jahrelang ein Aushängeschild der Schweizer Vermögensverwaltung, mit diesem Kauf einen guten Zug gemacht hat.

Zugegebenermassen kann das Schweizer Institut nun seine Assets under Management deutlich steigern. Allerdings fragt sich: Zu welchem Preis? Mit welcher Qualität? Wenn Vontobel-CEO Herbert J. Scheidt sagt, dass man den Kauf aus der Portokasse finanziert habe, lässt das auf den ersten Blick auf ein Schnäppchen schliessen. In Tat und Wahrheit dürfte die Commerzbank-Tochter günstig gewesen sein, weil sie niemand wirklich wollte.

Scheidt: «Klassische Win-Win-Situation»

Die betreuten Vermögenswerte belaufen sich auf rund 4,5 Miliarden Franken. Mit dem Erwerb der Commerzbank (Schweiz) verstärkt die Vontobel-Gruppe ihre Marktpräsenz im Inland und verbreitert gleichzeitig ihre internationale Kundenbasis, teilte die Zürcher Bank am Donnerstagabend mit.

«Ein wichtiger Teil unserer Wachstumsstrategie sieht vor, dass Vontobel eine aktive Rolle in der laufenden Branchenkonsolidierung spielt», kommentiert Herbert J. Scheidt den Kauf.

Und weiter: «Die Akquisition der Commerzbank (Schweiz) AG stellt eine klassische Win-Win-Situation dar. Einerseits dynamisieren wir plangemäss unsere Aktivitäten im Private Banking und entwickeln sie konsequent weiter. Andererseits profitieren auch unsere neuen Kunden von einem auf Solidität und Sicherheit ausgerichteten Geschäftsmodell, dem wir uns als traditionelle Schweizer Privatbank verpflichtet fühlen», fügt er weiter an.

Integration bis im 1. Quartal 2010

Die betreuten Kundenvermögen im Private Banking der Vontobel-Gruppe steigen nach Abschluss der Transaktion um 20 Prozent auf rund 28 Milliarden Franken (Zahlen Stand Ende 2008). Die Schweizer Einheit der deutschen Commerzbank ist seit 1985 im Besitz einer Vollbanklizenz und betätigt sich ausschliesslich im Privatkundengeschäft. Damit für die Kunden der Commerzbank (Schweiz) AG rasch Klarheit geschaffen wird, ist die vollständige organisatorische Verschmelzung der beiden Privatkundeneinheiten im ersten Quartal 2010 vorgesehen.

Vontobel & Commerzbank: 28 Milliarden AuM; LGT & Dresdner: 87 Milliarden

Damit nimmt die Konsolidierung im Private Banking weiter Form an. Am Montag wurde bekannt, dass LGT die Dresdner Bank (Schweiz) übernimmt (also die andere Tochter aus demselben Haus). Die Dresdner-Bank-Filiale verwaltete Ende 2008 Kundenvermögen von 9,4 Milliarden Franken. Die kombinierte Schweizer Tochter der LGT wird über Kundenvermögen von fast 20 Milliarden Franken verfügen.

Die gesamte LGT Group wird durch die Akquisition ihre verwalteten Vermögen auf über 87 Milliarden Franken und ihre Mitarbeiterzahl auf rund 2‘000 erhöhen. Sie ist an 29 Standorten in Europa, Asien und dem Mittleren Osten präsent.

Nach Vollzug der Akquisition wird die 1972 gegründete Dresdner Bank (Schweiz) vollumfänglich in die Schweizer Tochtergesellschaft der LGT Group, die LGT Bank (Schweiz) AG, integriert. Die Unternehmen sind etwa gleich gross, verfügen über eine geografisch teilweise komplementäre Geschäftsausrichtung und sind gleichermassen auf die Anlageberatung und Vermögensverwaltung vorwiegend für vermögende Privatkunden spezialisiert.

Die Dresdner Bank verfügt über Standorte in Zürich, Genf und Lugano, während die LGT in Basel, Bern, Luzern, Zürich, Genf, Lausanne und Lugano präsent ist und Repräsentanzen in Chur und Davos unterhält.

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Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

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Geldwäscherei

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Swiss Life

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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