Credit Suisse: Blindflug im Handel mit Festverzinslichen?

Für den Handel mit Festverzinslichen hatte die Credit Suisse mit einem Hochfrequenz-Händler eine Tochtergesellschaft gegründet. Nun ist der Chef bereits weg – bei der Konkurrenz. Das wirft neue Fragen bezüglich der CS-Strategie auf.

Die Tochtergesellschaft Wake hatte die Credit Suisse (CS) im vergangenen Frühling gegründet. Mit an Bord war dabei auch die im Hochfrequenzhandel tätige Firma Tower Research Capital gewesen, wie finews.ch berichtete. Im Bild oben sieht man den Sitz der Schweizer Grossbank an der New Yorker Madison Avenue, wo auch Wake sein Quartier hat.

Der Zweck von Wake war gemäss Dokumenten der Finanzaufsicht Finra: Der elektronische Handel mit Fixed-Income-Produkten, namentlich auch US-Treasuries. Wie zahlreiche andere Investmentbanken ist auch die Credit Suisse auf Grund verschärfter Vorschriften gezwungen, neue Wege im Handel mit Obligationen und anderen Zinsprodukten zu gehen.

Hilfe von den «Flash Boys»

Mit Wake sollte dies im Hochfrequenzhandel gelingen: Denn heute lasse sich nur noch mit der Technologie der «Flash Boys» im dünnmargigen Fixed-Income-Geschäft etwas verdienen, heisst es nicht selten in der Branche.

Ryan Sheftel 160Entstanden war Wake unter der Leitung von Ryan Sheftel (Bild links), die Koryphäe bei der Credit Suisse für elektronischen Handel. Sheftel hatte früher beim Hochfrequenzhändler Citadel gearbeitet und sich auf das Market-Making spezialisiert. Im Jahr 2009 war er als globaler Chef für das elektronische Market-Making bei Zinsprodukten zur CS gestossen. Im vergangenen Jahr war er dann zum globalen Chef für den elektronischen Handel im Fixed Income ernannt worden.

Andere Stelle, gleiche Aufgabe

Er und Co-Chef Frederic Dassori sollten die Credit Suisse mit Wake im Geschäft mit festverzinslichen Produkten halten, nachdem Konkurrenten wie die UBS diesen Bereich massiv heruntergefahren hatten. Denn so könnte die Bank ihren Kunden weiterhin den vollen Service einer Investmentbank bieten – und gleichzeitig mit einem starken Wealth Management dastehen, das seine Bilanz nicht für die hochvolumigen Handelsgeschäfte riskiert.

Nun ist Sheftel nach nur acht Monaten bereits wieder weg: Er hat diesen Monat bei Global Trading Systems angeheuert. Dabei handelt es sich um einen anderen Hochfrequenzhändler. Sheftels Aufgabe: Er soll als Hauptverantwortlicher den Handel mit Fixed-Income-Produkten erweitern und ausbauen – dieselbe Aufgabe, die er bei der Credit Suisse hatte.

Auf Investorensuche

Weder Sheftel noch seine frühere Arbeitgeberin kommentierten seinen Abgang oder wollen Gründe dafür angeben. Doch diese scheinen bei der Credit Suisse zu liegen. Denn ihre Strategie mit Wake hat den Haken, dass die konsolidierte Tochtergesellschaft eben auch Kapitalanforderungen an ihre Mutterbank stellt.

Darum hatte die Credit Suisse die Absicht gehabt, für Wake weitere Investoren zu finden. Entweder sollten die neuen Investoren das für den Handel notwendige Kapital zur Verfügung stellen, oder die Credit Suisse würde ihren Anteil auf unter 50 Prozent senken, so dass Wake nicht mehr konsolidiert würde.

Umsetzung der Pläne stockt

Wie aus Dokumenten der Finanzaufsicht Finra hervorgeht, hat sich an den Beteiligungsverhältnissen von Wake in den vergangenen Monaten aber nichts geändert: Als Hauptkaktionärin ist die CS angegeben. Minderheitsanteile halten Tower Research Capital sowie einige Wake-Manager.

Ihren Plan, Investoren für den Hochfrequenzhandel im Fixed-Income-Bereich zu gewinnen, konnte die Credit Suisse demnach nicht umsetzen. Es ist unklar, ob Sheftel nun deswegen die Schweizer Bank verlassen hat. Auf alle Fälle hatte der 40-jähriger Handelsspezialist mit Wake einige Ambitionen gehabt, zumal er sich, wie auch andere Manager, an der Gesellschaft beteiligt hatte.

Ein Hemmschuh im weiteren Ausbau

Inzwischen dürften die gegenwärtigen Wake-Besitzverhältnisse ein Hemmschuh im weiteren Ausbau sein, muss doch nach wie vor die CS das Kapital bereitstellen. Das wiederum könnte den Aufsichtsbehörden ein Dorn im Auge sein. Denn bekanntlich ist die Credit Suisse in Sachen Eigenkapital nicht auf Rosen gebettet, zumal sie unlängst auch noch eine Busse von 2,5 Milliarden Franken wegen der Steuervergehen in den USA bezahlen musste.

Dessen ungeachtet hält die Credit Suisse an ihrer Strategie und an ihrem Anspruch fest, eine der führenden Investmentbanken zu sein und im kapitalintensiven Fixed-Income-Geschäft an vorderster Front mitzumischen. Nach Sheftels Abgang ist es aber eher wieder etwas unwahrscheinlicher, dass diese Strategie mit Wake und ihm Hochfrequenzhandel umgesetzt werden kann.

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