Fall Kerviel: Für die Société Générale stehen plötzlich Milliarden auf dem Spiel

Die Affäre rund um Fehlspekulationen bei der französischen Bank galt eigentlich schon lange als abgeschlossen. Doch nun tauchen plötzlich neue Zeugen auf. Und das Finanzministerium schaltet sich ein.

Seit fünf Jahren gilt der Fall des Jérôme Kerviel als erledigt. 2010 wurde der Trader für schuldig befunden, mit seinen Fehlspekulationen bei der französischen Grossbank Société Générale (SocGen) einen Schaden von 4,9 Milliarden Euro angerichtet zu haben.

Ein Pariser Gericht verurteilte den Banker damals wegen Betrug und Veruntreuung zu fünf Jahren Gefängnis.

Die Krux mit dem Rabatt

Dessen Ex-Arbeitgeberin SocGen kam seinerzeit mit einer Rüge wegen Sicherheitsmängeln davon – und hatte schon zuvor vom französischen Finanzministerium ein gewaltiges Geschenk erhalten: Eine auf fünf Jahre hin ausgelegter Steuerrabatt von 1,7 Milliarden Euro. Damit sollte der Milliardenverlust im Handel abgefedert werden.

Doch nun könnte Frankreichs Finanzministerium auf diesen Rabatt zurückkommen. Gegenüber dem französischen Online-Magazin «Mediapart» (Artikel bezahlpflichtig) stellte die Behörde nämlich fest, das sie die «steuerliche Behandlung» der SocGen «überdenken» könnte.

Dem Ministerium zufolge wäre dies der Fall, wenn ein Gericht zur Ansicht gelange, dass das Management der Grossbank in der Affäre exzessive Risiken eingegangen sei.

Affäre bald wieder vor Gericht?

Tatsächlich droht der  SocGen eine Neubeurteilung des Falls Kerviel: Wie auch finews.ch berichtete, sagte eine Ex-Polizistin kürzlich aus, dass sie bei ihren Ermittlungen im Milliarden-Betrug von der Bank gegängelt und gar «benutzt» worden sei.

Das könnte laut dem Online-Magazin nun dazu führen, dass die Affäre Kerviel bald wieder die Gerichte beschäftigt.

Derweil habe die französische Grossbank das 1,7 Milliarden Euro schwere Steuergeschenk längst «ausgegeben», wie «Mediapart» weiter berichtet. Im Jahr 2008, auf der Höhe der Finanzkrise, schüttete das Institut nämlich seinen Aktionären eine Dividende von 420 Millionen Euro aus und kaufte für 1,2 Milliarden Euro eigene Aktien zurück.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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