Tidjane Thiam: Überraschendes Plädoyer für die Investmentbank

Tidjane Thiam, CEO CS: Bild Keystone

Tidjane Thiam, CEO CS: Bild Keystone

Am Donnerstag verwandelte sich die Jahreskonferenz der Credit Suisse (CS) in eine Märchenstunde. Wo sonst nur Kennzahlen und Strategie verhandelt werden, wechselte Chef Tidjane Thiam unversehens zu einer Fabel des römischen Dichters Aesop.

Glieder und Magen hätten sich im Streit befunden, erzählte Thiam. Denn: die Glieder waren es satt, den faulen Magen zu füttern. Also beschlossen sie, ihn auszuhungern. Mit verheerenden Folgen, fuhr der CS-Chef fort. Der ganze Körper, Magen und Glieder, gingen zugrunde.

Märchen mit Moral

Die Fabel von Thiam hat eine Moral. Nämlich die, dass die Investmentbank weiterhin ein fester Bestandteil der Schweizer Grossbank sein muss. Ganz gleich, wenn Investoren und die Medienvertreter im Saal das anders sähen, betonte der CS-CEO.

Das flammende Plädoyer für das Investmentbanking muss überraschen. Wie finews.ch berichtete, war die CS in diesem Geschäft 2015 reichlich schwach unterwegs. Sowohl in der Sparte Investment Bank und Capital Markets wie auch in der Division Global Markets fielen die Erträge gegenüber dem Vorjahr im zweistelligen Bereich.

Von der Machtbasis zum Sorgenkind

Vor allem stammt aus dem Investmentbanking jener Goodwill-Abschreiber, der die CS aufs ganze Jahr hinaus tief ins Minus drückte. Die Wertberichtigung, die in Zusammenhang mit dem Kauf der US-Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette im Jahr 2000 steht, verursachte 2015 einen Reinverlust von 2,95 Milliarden Franken.

Keine Frage, das unter Thiam-Vorgänger Brady Dougan übermächtige CS-Investmentbanking ist zum Sorgenkind der Grossbank geworden. Und der neue CEO hat den klaren Auftrag, dieses zugunsten des weniger volatilen Private Banking zurückzubinden. Dazu griff Thiam schon rabiat durch: In London etwa, wo die CS-Investmentbank ihr Hauptquartier hat, sollen bis zu 1'800 Stellen wegfallen.

«Das ist kein Schönheitswettbewerb»

Doch an der Pressekonferenz sagte Thiam nun, die Fehler lägen in der Vergangenheit. «Das sind Altlasten. Wir sind sehr unzufrieden damit, aber wir werden das Kind nicht mit dem Bad ausschütten», so der Top-Banker. Für seine Investmentbanker nimmt Thiam gar in Kauf, als «Böllimann» der Märkte dazustehen. «Das ist kein Schönheitswettbewerb. Was zählt, ist langfristig zu gewinnen.»

Insbesondere im Aktien-Handel und im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) sieht Thiam künftig Chancen.

Die CS als Beauty-Queen, Aesops Fabeln: Thiam ist ohne Frage ein gewandter Geschichtenerzähler. Der Ex-McKinsey-Berater ist allerdings auch ein ausgezeichneter Rechner.

Warmes Wasser nachgefüllt

Als solcher weiss er: Ohne die Investmentbank bleibt von der CS nicht viel übrig. Selbst im miserablen vierten Quartal 2015 erzielten die Investmentbank-Divisionen noch Erträge von 1,52 Milliarden Franken, gemessen an 4,2 Milliarden Franken Konzern-Ertrag. Wird die Schweiz-Einheit Swiss Universal Bank abgezogen, die 2017 an die Börse gebracht werden soll, dann bleiben davon noch 2,7 Milliarden Franken übrig. Und der Löwenanteil stammt aus der Investmentbank.

Klar, dass dieses Kind nicht mit dem Bad ausgeschüttet wird. Wie sich zeigt, wird gar noch warmes Wasser nachgefüllt: Auch unter Thiam stiegen die Gehälter in beiden Investmentbank-Einheiten.

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Compagnie Financière Tradition

Das Lausanner Brokerhaus hat im ersten Semester 2016 einen stabilen Ertrag von 425 Millionen Franken erzielt. Zu konstanten Wechselkursen entspricht dies allerdings einem Rückgang um 1,6 Prozent.

Urner Kantonalbank

Das Finanzinstitut hat im ersten Halbjahr 2016 trotz besserem Geschäftsgang weniger Gewinn gemacht. Dieser sank um 7,5 Prozent auf 8,5 Millionen Franken. In der Vorjahresperiode hatte die Bank ausserordentlich vom Verkauf ihrer Swisscanto-Beteiligung profitiert. Im Zinsengeschäft gab es ein Plus von 13,8 Prozent auf knapp 17 Millionen Franken. Per Ende Jahr erwartet das Management ein Ergebnis über Vorjahr.

UBS

Die Grossbank UBS ist noch vor dem IT-Riesen Google der beliebteste Arbeitgeber für Schweizer Hochschul-Absolventen, wie das Beratungsunternehmen Trendence berichtete. Die Banken bleiben die beliebteste Branche der Wirtschafts-Wissenschaftler: Neben der UBS befinden sich die Credit Suisse, die Schweizerische Nationalbank und Julius Bär unter den Top 20 der gesuchtesten Arbeitsadressen.

Schwyzer Kantonalbank

Im ersten Halbjahr sank der Gewinn des Innerschweizer Finanzinstituts um 3,4 Prozent auf knapp 33 Millionen Franken. Unter anderem belasteten höhere Wert-Berichtigungen auf Beteiligungen das erste Halbjahr. Dank einer substanziellen Volumenzunahme kam das Zinsengeschäft mit einem Brutto-Erfolg von gut 91 Millionen Franken in etwas auf Vorjahres-Niveau zu liegen. Für das 2016 rechnet die Bank mit einem Jahresergebnis leicht unter Vorjahr.

Bank Coop

Die Bank Coop hat im ersten Halbjahr 2016 einen leichten Gewinnrückgang auf 22,7 Millionen Franken erlitten. Die Bank erklärt dies mit höheren Investitionen für verschiedene digitale Projekte, Umbauten sowie einer höheren Zuweisung an die Reserven für Bankrisiken. Im Zinsengeschäft konnte Bank Coop leicht zulegen, warnt jedoch vor dem anhaltenden Margendruck.

Fonds

Die «Brexit»-Turbulenzen haben auch bei den in der Schweiz gehandelten Fonds Spuren hinterlassen. Laut dem Schweizerischen Fondsverband Sfama verminderten sich die verwalteten Vermögen um 17 Milliarden Franken. Die Netto-Mittelabflüsse betrugen knapp 2,3 Milliarden Franken.

Freiburger KB

Das Staatsinstitut hat im ersten Halbjahr 2016 einen Gewinn-Rückgang um 5,3 Prozent auf 68,5 Millionen Franken verzeichnet. Die Bank leidet unter dem Negativzins-Umfeld. Im Hauptgeschäft der Bank, dem Zinsengeschäft, resultierte denn auch ein um 2,6 Prozent gesunkener Nettoerfolg auf gut 107 Millionen Franken. Für das Gesamtjahr bleibt die Kantonalbank dennoch zuversichtlich.

Pimco

Der weltgrösste Anleihenmanager hat Emmanuel «Manny» Roman per Ende August zum neuen CEO ernannt. Roman ist derzeit CEO beim britischen Hedgefonds Man Group. Er tritt an die Stelle von Douglas Hodge, der als Managing Director und Senior Adviser bei Pimco bleibt. Bei Man Group kommt neu Luke Ellis an die Spitze.

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