Wie ein Genfer die BSI zu Fall brachte

Xavier Justo auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung (Bild: Keystone)

Xavier Justo auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung (Bild: Keystone)

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich Hollywood auf die Geschichte von Xavier Justo stürzt. Denn die Story enthält alle Zutaten, die ein packender Thriller braucht.

Ein einzelner Mann, getrieben von Geldgier, war der Auslöser für eine Regierungskrise in Malaysia und die Schliessung der seit 1873 bestehenden Tessiner Traditionsbank Banca Svizzera Italiana (BSI). Doch der Reihe nach.

Datenklau im grossen Stil

Angefangen hatte alles mit der Entlassung des Genfers Xavier Justo, Sohn spanischer Einwanderer. Er war im März 2010 als Direktor in die Informatikabteilung der in Genf ansässigen Ölförderfirma Petrosaudi gestossen. Nur gut ein Jahr später wurde er entlassen und bekam einen goldenen Fallschirm umgeschnallt.

Er erhielt eine Abgangsentschädigung von 4 Millionen Franken, wie die Westschweizer Zeitung «Le Temps» letzten September berichtete. Eine stolze Summe angesichts der relativ kurzen Dienstzeit.

Schweigegeld gefordert

Doch Justo wollte mehr, viel mehr. Kurz vor seinem Abgang klaute er riesige Mengen an Daten, welche die Verwicklungen zwischen Petrosaudi und dem malaysischen Staatsfonds 1MDB dokumentierten. Sie legten unter anderem offen, dass im Jahr 2013 rund 700 Millionen Dollar aus dem Joint-Venture zwischen 1MDB und Petrosaudi in die Taschen von Malaysias Premier Najib Razak nach Singapur geflossen waren.

Zusätzliche 3,5 Millionen Dollar verlangte Justo von Petrosaudi für sein Schweigen. Doch liess sich der Ölmulti auf den Deal nicht ein, worauf Justo Anfang 2015 die Informationen der in London ansässigen Online-Redaktion «Sarawak Report» und der malaysischen Wirtschaftszeitung «The Edge» zuspielte – gegen eine Zahlung von 2 Millionen Dollar.

Gefängnis statt Geld

Geld hat er bislang keines bekommen, dafür drei Jahre Gefängnis. Die malaysische Staatsanwaltschaft verurteilte ihn letzten August wegen versuchter Erpressung gegen Petrosaudi. Er wurde in seinem Haus auf der thailändischen Insel Ko Samui festgenommen und sitzt seither im Gefängnis von Klong Prem bei Bangkok.

Justo, der selber zugibt, aus reiner Geldgier gehandelt zu haben, bereut mittlerweile seine Tat. «Hätte ich gewusst, dass die Informationen solche grossen politischen Tumulte auslösten, hätte ich nichts der Presse zukommen lassen, sagte er gegenüber «Le Temps».

In Malaysia haben letzten Sommer Zehntausende Menschen den Rücktritt von Regierungschef Najib Razak gefordert. Doch Razak ist nach wie vor an der Macht, derweil Justo im Gefängnis sitzt.

BSI am Pranger

Die veröffentlichten Daten brachten denn auch den Stein in Sachen BSI ins Rollen. Seit Juli 2015 ermitteln die Justizbehörden in Singapur gegen sechs BSI-Banker, die teils noch bei der Tessiner Privatbank angestellt sind.

Unter ihnen der frühere Singapur-Chef Hanspeter Brunner und der ehemalige «Starbanker» bei der BSI, Yak Yew Chee, der Dutzende von Bankkonten von Personen verwaltete, die unmittelbar mit dem 1MDB-Skandal in Verbindung gebracht werden, wie auch finews.ch berichtete.
Die Geschäfte bescherten der BSI beträchtliche Gewinne und Yak Yew Chee einen hohen Bons.

Dabei hätte die BSI wissen müssen, dass ihr Vabanquespiel auf Dauer verloren geht. Warnschüsse vor den Bug gab es bereits vor rund drei Jahren durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma. Letzte Woche zogen die Finma und die Singapurer Finanzaufsicht MAS gemeinsam die Reissleine und erzwangen die Schliessung der BSI – der Rest ist Geschichte.

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