Robo-Advisors: Spreu trennt sich vom Weizen

Bild: Shutterstock

Als True Wealth als erster unabhängiger Online-Vermögensberater der Schweiz Ende 2014 an den Start ging, waren die Erwartungen hoch.

Dank konkurrenzlos günstiger Vermögensverwaltung erhoffte man sich eine rasante Zunahme der verwalteten Vermögen. Zusätzlich befeuert wurden die Erwartungen durch die Aussage von True-Wealth-Gründer und CEO Felix Niederer, bis Ende 2017 eine Milliarde Franken einzusammeln.

Zielmarke meilenweit entfernt

Doch True Wealth ist auf den harten Boden der Tatsachen gefallen. Rund 41 Millionen Franken an Kundengeldern verteilt auf 880 Kunden verwaltet der Robo-Advisor, wie Niederer gegenüber finews.ch bestätigt. Im Schnitt sind True-Wealth-Kunden mit 50'000 Franken investiert. Dies ist in der Robo-Branche ein relativ hoher Wert. Laut Niederer befänden sich darunter keine «Klumpenkunden».

Damit hat True Wealth die Assets im laufenden Jahr zwar deutlich steigern können, Anfang 2016 waren es noch 24 Millionen Franken gewesen. Dennoch ist das Unternehmen noch meilenweit von der anvisierten Ein-Milliarden-Marke entfernt und damit auch von der Gewinnschwelle.

200'000 Franken Umsatz

Weitere Zahlen gibt True Wealth nicht bekannt, aber nimmt man die Einheits-Gebühr von 0,5 Prozent als Grundlage, erwirtschaftet das Unternehmen derzeit rund 200'000 Franken Umsatz.

Damit lässt sich kein gewinnbringendes Geschäft führen. Faktisch ist True Wealth als unabhängiges Fintech-Unternehmen gescheitert. Vermögensbasis und vor allem auch das Wachstum sind nach zwei Jahren noch viel zu gering, als dass sich die gesteckten Ziele noch verwirklichen liessen.

Rettung durch Schulterschluss

Gerettet hat True Wealth die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB), die als zusätzliche Investorin neben Mitgründer Oliver Herren nun an Bord ist.

Wie viel Geld die BLKB einschiesst, unterliegt der Geheimhaltungspflicht. Die Vermutung liegt aber nahe, dass True Wealth ohne die BLKB wohl mittelfristig von der Bildschwäche verschwunden wäre.

Kunden bleiben skeptisch

Wie schwer es ist, Kunden für die vollautomatisierte Vermögensberatung zu gewinnen, zeigen auch weit grössere und regelrecht gehypte digitale Vermögensverwalter, wie zum Beispiel Nutmeg.

In Grossbritannien als mediale Sensation und dank des charismatischen Chefs Nick Hungerford als die Zukunft der Vermögensverwaltung gefeiert, hat Nutmeg es stets vermieden, Angaben zur Höhe der verwalteten Vermögen zu machen.

Immense Summen verbrannt

Offenbar mit gutem Grund: Wie die Finanznachrichtenplattform «Wealth Manager» kürzlich bekannt machte, hat es Nutmeg seit seiner 2011 erfolgten Gründung auf rund 400 Millionen Pfund gebracht. Gemäss Schätzungen in der Branche hat das Unternehmen, das inzwischen 80 Mitarbeiter beschäftigt, rund 50 Millionen Pfund seiner Investorengelder verbrannt. Hungerford nahm im Mai als CEO den Hut.

Für die Geldgeber, unter anderen gehören der Schweizer Daniel Aegerter wie das britische Fondshaus Schroders dazu, ist das eine äusserst ernüchternde Bilanz. Realistisch gesehen ist auch Nutmeg gescheitert, bräuchte der Online-Vermögensverwalter doch mindestens 5 Milliarden Pfund Kundengelder um ein tragfähiges Geschäft zu haben.

Nutmeg als Übernahmekandidat?

Angesichts der nackten Zahlen dürften Nutmeg-Investoren unruhig werden und wie lange sie dem Robo-Advisor noch die Stange halten deshalb fraglich. Wahrscheinlicher ist, dass Nutmeg über kurz oder lang von einem Finanzinstitut übernommen wird, das in den Robo-Advisor Markt einsteigen will.

Dieses Schicksal ereilte bereits zahlreiche Robo-Advisor. So schnallte sich der weltweit grösste Asset Manager Blackrock FutureAdvisor an. Die US-Investmentbank Goldman Sachs kaufte HonestDollar und das Fondshaus Invesco übernahm kürzlich den US-Robo-Advisor Jemstep.

Wealthfront und Betterment haben es geschafft

Wer im Robo-Advisor-Geschäft selbständig überleben will, muss innert nützlicher Frist eine kritische Grösse erreichen. Investoren wollen meistens nach fünf Jahren Erfolge sehen. Intakt sind die Überlebenschancen somit bei den grössten Anbietern der Welt: Wealthfront und Betterment – beides US-Unternehmen.

Wealthfront betreut derzeit 83'000 Kunden mit einem Gesamtvermögen von 3,5 Milliarden Dollar, bei Betterment sind es 5,1 Milliarden Dollar bei 176'500 Kunden, wie das «Wall Street Journal» (Artikel bezahlpflichtig) kürzlich berichtete. 

 

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