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2012
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Mit dem Wegfall des Bankgeheimnisses sei im Swiss Banking ein neuer Beratertyp nötig, sagt Personalexperte Gisbert Straden.

Gisbert_StradenGisbert Straden ist geschäftsführender Partner der Firma IM Training in Steckborn. In Deutschland arbeitet er mit der Firma Investors Marketing zusammen, einer der renommiertesten Unternehmensberatungen im Bereich Finanzinstitute.

Im Gespräch brachte es ein Private Banker der Credit Suisse kürzlich auf den Punkt: «Unsere wirkliche Konkurrenz ist in Zukunft nicht die UBS oder Julius Bär, sondern die Sparkasse Castrop-Rauxel.»

Denn mit dem zumindest in Deutschland gefühlten Fall des Bankgeheimnisses überlegen die vermögenden Anleger in Castrop-Rauxel, Hamburg oder München nicht mehr, bei welcher Bank in der Schweiz ihr Geld am besten aufgehoben ist, sondern ob sie überhaupt noch in die Schweiz gehen sollen.

Banale Dinge zählen

Und mit dem Wegfall des Zugpferdes Bankgeheimnis zählen plötzlich so banale Dinge wie Service, Beratungsqualität, Kontinuität und Kosten. Und längst haben die Banken am Finanzplatz Deutschland erkannt, dass sie mit diesen Argumenten viele Kunden wieder und oder neu gewinnen können.

Der Grund dafür ist, dass die Schweizer Privatbanker – seien wir ehrlich – in aller Regel zumindest nicht das Serviceniveau ihrer deutschen Kollegen hinsichtlich Gesprächsführung, Beratungsqualität, Ganzheitlicher Beratungsansatz und Erreichbarkeit erreichen.

Mangelndes Ausbildungsniveau in der Schweiz

Der deutsche Kunde ist hinsichtlich dieser genannten Punkte auf Grund der sehr gut qualifizierten und durch den harten Wettbewerb trainierten Berater in Deutschland verwöhnt.

Das hier mangelnde Ausbildungsniveau in der Schweiz nahmen die Kunden in der Vergangenheit auf Grund des klassischen Offshore-Bankings mit seinen Vorteilen der Steuerneutralität hin. Fällt dieser Vorteil nun weg, fragt sich ein Kunde, weshalb er eine schlechtere Beratungsqualität hinsichtlich der Anwendung eines Beratungsprozesses und einer ganzheitlichen Gesprächsführung dennoch in Kauf nehmen soll.

Nur auf dem Papier

Wohlgemerkt: Es gibt meines Erachtens keine Schweizer Bank, die nicht über einen mehr oder weniger guten, sei es nun vier- oder fünfstufigen Beratungsprozess, verfügt. Leider wird dieser dem Kunden nur auf dem Papier präsentiert und nicht im Gespräch und der laufenden Betreuung erlebbar und wahrnehmbar gemacht.

Um auf Dauer Kunden mit offiziellen Geldern in der Schweiz zu halten und zu gewinnen, muss die vielgerühmte und immer noch aktuelle Swissness (um diesen Neologismus für Fairness, Präzision und Zuverlässigkeit zu bemühen) um eine entsprechend erlebbare Beratungs- und Gesprächsqualität ergänzt werden.

Falsche Ziele

Zwar fehlt es auch in der Schweiz nicht an Schulungsmassnahmen. Doch viel zu selten stehen hier im Fokus Dinge wie «Emotional Banking» – also wie kann ich die Ziele, Wünsche und Träume des Kunden strukturiert, systematisch und ganzheitlich im Beratungsgespräch für den Kunden wahrnehmbar machen.

Ein weiterer wichtiger Punkt besteht darin, bereits im Vorfeld zu prüfen, inwieweit eine Bank überhaupt über die richtigen Berater verfügt. Die meisten Berater – neudeutsch Relationship Manager – würden sich eher als beziehungsorientierte und fachlich exzellente Vermögensverwalter beschreiben. Genau diese benötigen wir jedoch nicht.

Leistungsorientierter Menschenfreund gefragt

In der ersten Reihe benötigen die Privatbanken der Schweiz den in der Psychologie als «leistungsorientierten Menschenfreund» bezeichneten Beratertyp. Er unterscheidet sich vom leistungsorientierten Vermögensverwalter dadurch, dass er nicht bestehende Asset-Management-Konzepte vorstellt, sondern mit Empathie das für den Kunden passende findet, ihn sozusagen «abholt».

Um hier ein Beispiel zu nennen: Im Durchschnitt dauert es (beratergetrieben) maximal vier Minuten, bis entweder ein Produkt oder aber der Depotauszug auf dem Tisch liegt – Zeit für ein freies Gespräch bleibt da nicht.

Scheitern häufig

Dieser leistungsorientierte Menschenfreund bringt eine weitere Tugend mit, die bei den Schweizer Privatbanken lange nicht hoch im Kurs stand: die systematische und strukturierte Netzwerkarbeit.

Eine solche Fähigkeit wurde bisher nie gefordert und benötigt. Zwar wissen mittlerweile alle RMs, dass sie in Netzwerken aktiv sein sollten, um Kontakt zu potenziellen Kunden aufzubauen. Also machen sich viele auf in die bekannten Lions-Gesellschaften und Golfclubs - und scheitern in der Mehrzahl der Fälle.

Souverän und selbstverständlich

Denn die Bank und ihre Berater übersehen, dass Netzwerkarbeit nur dann erfolgreich ist, wenn diese in Netzwerken erfolgt, welche die innere Motivstruktur des Beraters und dessen Interessen berücksichtigt, und die der Berater nicht rational aus einer Notwendigkeit heraus wählt, sondern aus Begeisterung.

Lernen die Relationship Managers nicht, sich in ihren Kundennetzwerken souverän und selbstverständlich zu bewegen, können sie keinen Erfolg haben.

Noch vieles nicht erkannt

Letztendlich könnten auch die unvermeidlichen Beratungsprotokolle – auch wenn diese in der Schweiz zurzeit noch fakultativ sind – durchaus als Verkaufsunterstützung verstanden und eingesetzt und nicht als lästige bürokratische Übung abgetan werden.

Viele Berater haben noch nicht erkannt, dass sich hinter diesen Protokollen eine Beratungsunterstützung verbirgt, sofern diese richtig eingesetzt werden. Schliesslich können sie dem Kunden Sicherheit und Transparenz für das Beratungsgespräch vermitteln.

Konkurrenz aus Castrop-Rauxel

Hier genügt es nicht, einfach Kollegen von deutschen Banken abzuwerben, das Thema muss inhouse verstanden werden, um es richtig umzusetzen. Es ist zu anzunehmen, dass man das in der Sparkasse Castrop-Rauxel schon erkannt hat.

Kommentare 

 
#17 rocco 2012-02-14 14:51
Was Herr Straden aussagt ist doch gar nicht so falsch, jedoch provokativ, da die deutschen Banker keineswegs besser sind. Darum punkten die CH Banker, da sie mehr auf die Karte Emotion setzen bei gleicher Beratungsqualität resp Know How. Der typische deutsche Kunde ist auch kein "homo oeconomicus".......
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#16 Super Consultant 2012-02-14 00:43
Ein wunderbarer Bericht, es scheint mir nur, dass der selbsternannte "Experte" noch nie mit einem deutschen Kunden am selben Tisch sass. Unisono höre ich von deutschen Kunden, dass der Service und die Beratung bei CH-Banken im Durchschnitt massiv besser ist und das betrifft Weissgeldkunden, nicht die alte Welt... Auch wenn wir noch so viele administrative Hürden wie Mifid, Beratungsprotokolle etc. einbauen, die die Kunden gar nicht wollen und nur Zeit kosten die anderweitig besser genutzt werden könnte, wird die Beratung nicht besser, Private Banking lebt vom Vertrauen und der Langfristigkeit, alles andere ist eine Technokratenillusion...
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#15 Renate Boetschi 2012-02-13 17:36
Super, Herr Straden! - Wenn dieser Artikel hätte dazu beitragen sollen, dass sich Ihr irrelevantes, von einem "Adabei" verfasste "Sach-Buch" besser verkauft und sich Ihre Kürslein besser verkaufen, dann ging der Schuss hier wohl nach hinten los (wie bei noch so vielen Deutschen Besser(nichts)wissern in der Schweiz).
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#14 Hans-Guenter 2012-02-13 17:09
Soviel Blödsinn auf einen Haufen habe ich selten über die Bankberater in Deutschland und der Schweiz gelesen. Frage mich, wieso bei dieser Qualität denn 28% der Bankberater lt. STudie der EBS (nachlesbar im heutigen Handelsblatt) keine ausreichende Ahnung von dem besitzen, was Sie so täglich verkaufen. Ob das Schweizer Berater auch von sich behaupten, kann ich nicht beantworten, aber die Deutschen Berater in den Himmel zu loben, ist lachhaft.
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#13 R. Bürer 2012-02-13 16:10
Die Swiss Life hat bereits im Jahre 2008 mit der Übernahme von AWD Deutsche "Beratungsqualität" aquiriert. Ist der AWD-Geiz-Ist-Geil-Discount-und-Abschluss Beratungsansatz das empathische "emotional banking" das Herr Straden propagiert? Falls schon, rate ich den Schweizer Bankern nicht zu stark über das schwäbische Meer zu gucken und "on Swiss shores" zu bleiben. Zweifellos werden Kosteneffizienz und Produktivität künftig eine wichtigere Rolle spielen. Mit unseren steuerlichen und arbeitsmarktlichen Rahmenbedingungen sollten wir diesbezüglich mit jeder Deutschen Bank mithalten können. Der Rest ist Swiss banking - und ich mache mir keine Sorgen, dass die Industrie auch hier bald den richtigen Ton treffen wird.
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#12 Maximus 2012-02-13 15:56
'Personalexperte' Gisbert Straden nimmt übrigens gerne noch Beratungsmandate entgegen.
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#11 Steinbrück 2012-02-13 15:31
Selbstverständlich ist das Ausbildungsniveau in Deutschland viel besser als in der Schweiz. Trotzdem wäre eine Studie der Universität St. Gallen oder IMD wohl repräsentativer, als diejenige der EBS. Herr Straden würde sich lieber dort aufhalten, wo er seinen Kunden (Schülern) noch etwas vormachen kann - und nicht in der Schweiz.

Antipathie und Überheblichkeit anstelle von Empathie. Ersteres gilt leider für viele Deutsche, auch dank solcher Artikel. Bravo, Herr Straden. Sie haben ihr Land einmal mehr gut verkauft!
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#10 Dr. Peter Schmid 2012-02-13 14:50
Herr Straden (aus D, wohnhaft in Salenstein TG) ist wohl die Witzfigur des Tages! Er handelt übrigens auch mit Olivenprodukten (siehe Zefix, das Face kam mir bekannt vor) und ist keineswegs irgendwo ein Experte in Sachen Private Banking. - Er untermauert, was die Deutschen oft darstellen. - Grosse ..... und keine Substanz dahinter, ein Bluffer.
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#9 François Wyss 2012-02-13 14:29
Dieser Kommentar trifft es wie die Faust auf Auge. Vielen Dank Herr Dr.Marcel Würmli
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#8 Marcel Würmli 2012-02-13 14:11
Als ein auf Financial Services und Legal spezialisierter Personalberater, Head-Hunter muss ich Ihnen widersprechen, Herr Straden! Mir scheint in der Tat, dass Sie den Markt in der Schweiz verkennen, resp. jenen in Deutschland überschätzen. Die beiden Länder sind im Privatbanking durchaus auf vergleichbarem Niveau.In der Schweiz funktioniert Networking etwas anders als in Deutschland und ich frage mich, woher Sie die Beraterungsdauer von 4 Minuten nehmen? Parawissenschaftliche Untersuchungen? Sie schreiben, dass wir in der Schweiz ein mangelndes Ausbildungsniveau haben und meinen wohl Aus- und Weiterbildungsniveau. Warum drängen so viele Deutsche in unsere Bildungsstätten? Ihr Artikel als verkappte Werbung für ein Training bei Ihnen zu positionieren zeugt nicht gerade vom "leistungsorientierten Menschenfreund", wie Sie sich ihn wünschen!
Dr. Marcel Würmli
Hermes Personalberatung & Executive Search, Basel & Zürich
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