Die Kunden tragen ihr Scherflein bei

Wer Banken den Kopf wäscht, macht auch die Kunden nass: Bei der Regulierung sollte man alle Folgen bedenken, schreibt Sindy Schmiegel von der Bankiervereinigung.

Sindy_Schmiegel_13Sindy Schmiegel ist Leiterin Kommunikation UK bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

Banken verkaufen Produkte und Dienstleistungen an Kunden. Dieses Prinzip funktioniert beim Lohnkonto für den Lehrer genauso wie bei der Auflage einer Obligation für ein multinationales Unternehmen. Banken sind marktwirtschaftlich handelnde Organisationen, deren Ziel es ist, einen Gewinn zu realisieren, um damit weiter zu wirtschaften.

Regulierungstätigkeit schmälert unter Umständen den Gewinn. Das führt zu unerwünschten Nebenwirkung, dass Kosten steigen, die Produktevielfalt sinkt und Handlungsmöglichkeiten geringer werden.

Mir ist unverständlich, warum das öffentliche Bewusstsein ausblendet, dass Regulierungsvorstösse jeglicher Art auch für den Adressaten einer Wertschöpfungskette Folgen haben können. Ein paar willkürlich ausgewählte Beispiele aus der Bankenwelt:

  • FATCA: Für einige Banken wird die administrative Last im Umgang mit US-Kunden schlicht untragbar; diese Kundengruppe wird gebeten, die Bankbeziehung aufzugeben. US-Kunden haben also nur noch einen eingeschränkten Zugang zu Banken, und das nicht nur in der Schweiz.
  • Der antizyklische Kapitalpuffer: Eigenkapitalvorschriften setzen Banken selten nach Produktegruppen – etwa nach Hypotheken und Unternehmenskredite getrennt – um. Eine mögliche Entwicklung nach der Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers ist, dass sehr risikoarme grundpfandgesicherte Kredite weiter vergeben werden, die Bank sich aber bei riskanteren Unternehmenskrediten einschränkt. Über diese Zweitrundeneffekte erfahren somit diejenigen Einschränkungen, die mit dem ursprünglich zu beseitigenden Problem gar nichts zu tun haben, zum Beispiel KMU.
  • MiFID 2: Schränkt die EU den Marktzugang für Firmen aus Drittländern wirklich wie geplant drastisch ein, haben EU-Kunden viel weniger Diversifikationsmöglichkeiten als bisher. EU-Bürger, die dann vom sicheren Hafen Schweiz profitieren möchten, haben es künftig schwer, Dienstleistungen von hiesigen Banken in Anspruch zu nehmen. Was auf global agierende Firmenkunden dann zukommt, möchte ich mir gar nicht ausmalen.
  • Extensive Dokumentations- und Informationspflichten bei der Kundenberatung: Studien zeigen, dass Kunden keinesfalls so unbedarft sind, dass sie die grundlegendsten Regeln beim Kapitalanlegen nicht kennen. Banken zu zwingen, sie als unmündig und entscheidungsunfähig zu behandeln, kann dazu führen, dass Retailkunden nur noch renditeschwache Produkte angeboten werden, bei denen dann aber auch wirklich gar kein Risiko mehr besteht – weder für die Bank, noch für den Kunden. Gewinn macht dann aber auch keiner mehr.

Ich bin mir sicher, dass auch Lebensmittelhersteller, Pharma-Unternehmen oder Versicherer ähnliche unerwünschte Effekte der Regulierungstätigkeit zu beklagen haben. Letztlich sind ein stabiles Finanzsystem, gegen alle Risiken abgesicherte Produkte oder ein optimal gegen fremde Unternehmen geschützter Markt nicht ohne Kosten und Nebenwirkungen zu haben.

Einen Teil davon federn die Banken ab, indem sie ihre Geschäftsmodelle modifizieren, Produkte anpassen und über Veränderungen im Finance- und Accounting-Bereich reagieren. Doch Marktwirtschaft heisst auch, dass die Kunden am Schluss ihr Scherflein ebenso dazu beitragen. Nach noch mehr Regulierung zu rufen heisst auch, noch mehr Nachteile auch für Kunden zu schaffen.

 

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