«Es kommt noch eine grosse Bankenkrise»

Walter Wittmann erwartet eine Kaskade von Staatsbankrotten – mit fatalen Folgen für die Banken. Im Interview mit finews.ch nennt der Ökonom die Gründe.

WittmannCoverWalter Wittmann ist emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Freiburg. Bekannt wurde er durch diverse wirtschaftspolitische Sachbücher. Unter anderem veröffentlichte er im Frühjahr 2007 «Der nächste Crash kommt bestimmt», in dem er die nachfolgenden Ereignisse vorweg nahm. Nun erscheint sein nicht weniger prophetisches Buch «Staatsbankrott».

Herr Wittmann, Sie warnen in Ihrem neuen Buch vor einem weltweiten Desaster mit einer Kaskade von Staatsbankrotten. Was passiert in diesem ultimativen Desaster?

Viele Staaten werden ihre Finanzen nicht sanieren, da der politische Widerstand zu gross ist. Bei den laufenden Ausgaben zu kürzen ist politisch schwierig: Beamtengehälter, Subventionen, Sozialleistungen. Steuererhöhungen kommen nicht in Frage, oderwenn, dann ist damit nicht mehr viel herauszuholen. Man versucht vielleicht, die Staatsausgaben zu senken, indem man Investitionen verschiebt, aber das ist auch keine Lösung. Kurz: Viele Staaten können sich nicht sanieren. So dass es in absehbarer Zeit weitere Länder zahlungsunfähig werden.


«Das 750-Milliarden-Euro-Paket gibt es gar nicht»

Griechenland war nur der Anfang, und die Flut wird immer grösser: Richtig?

Ja, ein Land folgt dem andern. Und dies bedeutet, dass Banken und Versicherungen in gewaltigem Ausmass Kredite abschreiben müssen.

Das heisst doch, dass bald schon wieder eine grosse Bankenkrise folgt.

Ja. Und eine Versicherungskrise. Die ganze Finanzindustrie ist bedroht, sie hat ja die Kredite vergeben.

WalterWittmann.quadratDann müsste der Staat wieder die Finanzinstitute retten: Droht da ein fataler Teufelskreis?

In der Tat. Denn damit steigen die Schulden jener Staaten, die überhaupt noch eingreifen können, weiter an. Wir haben es jetzt gesehen: Das 750-Milliarden-Paket, das zur Rettung des Euro geschnürt wurde, gibt es gar nicht; die Staaten müssen sich weiter verschulden für dieses Paket. Und obendrein muss die EZB faule Anleihen kaufen.


«Jetzt kaufe ich keine Bankaktien»

Gibt es auch Banken, deren Aktien Sie kaufen würden?

Nein, unter keinen Umständen. Grundsätzlich nicht. In der jetzigen Lage kaufe ich keine Bankaktien, und auch keine Versicherungstitel.

Wohin also mit dem Geld?

Sicher nicht in Anleihen maroder Staaten. Und im Moment auch nicht in Anleihen von halbseriösen oder seriösen Staaten. Die Zinsen sind derzeit sehr tief, und wenn es nur eine kleine Aufwärtsbewegung gibt, hat man gravierende Kursverluste.


«Erst muss der Markt einen Boden bilden»

Sind also Aktien bessere Anlagen als Staatsanleihen?

Auch bei den Aktien sollte man abwarten, bis sich ein Boden gebildet hat. Aus dem Stand heraus wird es jetzt keine Hausse geben, erst muss der Markt einen Boden bilden. Dies könnte bis in den Juni hinein dauern, wenn die Unternehmensergebnisse übers 2. Quartal neue Hoffnungen wecken. Saisonal ist es ohnehin nicht günstig, jetzt in Aktien einzusteigen.

Welche Unternehmen haben die besten Chancen, das von Ihnen geschilderte Staatsbankrott-Krisenszenario zu meistern?

Beispielsweise die besten Erdölwerte, denn Öl wird weiterhin benötigt; Erdgas ebenfalls. Zudem gute Nahrungsmittelhersteller wie Nestlé. Sowie die besten Hightech-Firmen. Denn es ist ja nicht so, dass die Welt untergeht. Gut qualifizierte Unternehmen werden sich hier immer durchsetzen, und im Hightech sind es vor allem US-Firmen.

Womit man aber wieder im Dollar landet, und dem Dollar prophezeihen Sie ja eine klare langfristige Stossrichtung – abwärts.

Ja, aber wenn man keine Alternativen hat? In der Schweiz finden Sie kaum Hightech-Firmen, bei denen Sie einsteigen können. Ansonsten können Sie natürlich im Schweizer Franken bleiben und das Geld auf der Bank lassen. Aber selbst dann sollten Sie sich die Frage stellen, ob diese Bank untergehen könnte.


«Unter gar keinen Umständen würde ich jetzt Immobilien anrühren»


Sollte man jetzt nicht ohnehin im Schweizer Franken bleiben?

Doch, als Schweizer würde ich alles in Franken halten. Die einzige Ausnahme: Gold. Hier ist es möglich, dass der Unzenpreis auf 1'350, maximal 1'400 Dollar steigt.

Und was ist mit Immobilien in der Schweiz?

Unter gar keinen Umständen würde ich jetzt Immobilien anrühren. Wenn die Zeitungen voll sind von Berichten, dass man Immobilien kaufen sollte, dann ist klar, dass die Lage ernst ist. Da wurde durch die langjährigen tiefen Zinsen eine Blase gebildet, die Immobilien sind in der Schweiz jetzt überteuert. Sobald die Hypothekarzinsen auf den historischen Durchschnittswert von 4 bis 5 Prozent steigen, haben wir eine Immobilienkrise, die schlimmer ist als jene der Neunzigerjahre.

Dennoch: Wenn alle Dämme brechen, hat man hier immerhin reale Werte.

Die Menschen flüchten in unsicheren Zeiten oft in Immobilien. Aber wer eine grosse Krise fürchtet, sollte beispielsweise auch daran denken, dass er dann vielleicht Mieter hat, die nicht mehr bezahlen können; und der Mieterschutz wird dafür sorgen, dass man sie nicht einfach rauswerfen kann. Und zugleich kauft niemand mehr diese Immobilie, während die Banken die Hypotheken ganz oder teilweise kündigen. Am Ende verliert man die Liegenschaft also auch.


«Eine Immobilienkrise ist sehr wahrscheinlich»

Das ist doch ein sehr schwarzes Szenario. In der Schweiz sind die wichtigsten Parameter ja immer noch recht solide.

Eine Immobilienkrise ist trotzdem sehr wahrscheinlich.

Doch verbunden mit einer allgemeinen Krise, in der gleich zahlreiche Mieter ausfallen?

Das kann passieren. Viele Schweizer Konsumenten sind schon völlig überfordert, 40 Prozent können ja nicht mal mehr ihre Krankenkassenprämien bezahlen: Sie benötigen Subventionen. Viele Menschen bewegen sich am Limit. Und bei gewerblichen Immobilien ist die Lage ohnehin düsterer. Wer Geld verlieren will, soll da investieren.

Das heisst alles doch auch: Man sollte grosse Cash-Positionen halten.

Ja, das sollte man. Damit man handlungsfähig ist, wenn es drauf an kommt.


Walter Wittmann
«Staatsbankrott» 
Orell Füssli Verlag
192 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
39.90 Franken — ISBN 978-3-280-05374-4

 

Das Buch ist online bestellbar unter diesem Link.

 

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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