Alfonso Papa: «Viele Anlagestrategien müssen überdacht werden»

«Rekordtiefe Zinssätze, die hohe Verschuldung westlicher Staaten und die Verschiebungen der globalen Wirtschaftsmächte verändern das Anlageuniversum drastisch», sagt Alfonso Papa, CEO von ING Investment Management (Schweiz).


Alfonso_Papa_2

Herr Papa, die «Jagd nach Rendite» ist das zentrale Thema bei ING Investment Management. Auf welchen Überlegungen beruht dieser Grundsatz?

Anleger und Asset Manager in entwickelten Volkswirtschaften haben über Jahrzehnte in einer Welt sinkender Zinssätze gelebt. Im aktuellen Umfeld äusserst niedriger Zinsen und gleichzeitig bescheidener Kursentwicklungen an den Aktien- und Anleihenmärkten, muss sich der Investor fragen, wo und wie genügend Rendite erwirtschaftet werden kann. Um zukünftige Verpflichtungen erfüllen zu können, müssen viele Anlagestrategien überdacht werden.

Wen betrifft das hauptsächlich?

Wir denken da nicht nur, aber besonders an Pensionskassen und andere institutionelle Anleger. Der Druck auf das Vorsorgesystem nimmt zu. Auf der einen Seite drückt der demographische Wandel in reifen Volkswirtschaften nicht unwesentlich auf das Wirtschaftswachstum. Zudem verändert die alternde Bevölkerung das Spar-, Konsum- und Investitionsverhalten nachhaltig. Auf der anderen Seite muss man sich vor Augen halten, dass die Staaten der industrialisierten Welt hoch verschuldet sind und sich über kurz oder lang auf einem rigorosen Sparkurs begeben müssen.

Was bedeutet das alles für den privaten Anleger?

Tritt der private Anleger in die «Ent-Sparphase» seines Lebenszyklus, ist er vermehrt auf einen stabilen Kapitalertrag angewiesen. Der demographische Wandel bedeutet für unsere Gesellschaft vor allem ein Fortschreiten des Alterungsprozesses. Dies führt üblicherweise zu einer Verschiebung der Gelder hin zu festverzinslichen Anlagen.

Gerade hier haben sich die Umstände aber massgeblich verändert.

Ja, das ist so: Die rekordtiefen Zinssätze, die hohe Verschuldung westlicher Staaten und die Verschiebungen der globalen Wirtschaftsmächte stellen die Investoren vor ein ungewohntes und unbekanntes Anlageuniversum.

Das müssen Sie etwas genauer erklären.

Ungewohnt deshalb, weil die Verhältnisse zwischen den beiden Welten «reife» und «aufstrebende» Regionen sich drastisch verändert haben: Anteile am globalen nominalen Bruttoinlandprodukt verschieben sich zu Gunsten der Schwellenländer und die Wachstumsdiskrepanz ist weiterhin auf historisch höchsten Niveaus. Zudem nimmt die Bonität der Emerging Markets absolut und relativ zur westlichen Welt weiter zu, sei es im öffentlichen wie privaten Bereich.

Was schliessen Sie daraus?

Viele Anleger sind mit Unternehmensanleihen und allenfalls High-Yield-Anleihen aus industrialisierten Regionen vertraut. Schwellenländer-Anleihen, also Emerging Markets Debt, sind dagegen ein ungewohntes und für viele Investoren unbekanntes Gebiet.

Wie kann der Anleger solche Anleihen in sein Portefeuille holen?

Will man sich seriös in diesem Bereich engagieren, bleibt für die meisten Investoren nur der Weg über einen spezialisierten und erfahrenen Asset Manager. Aktiv verwaltete Anlagefonds drängen sich hier auf. Die Gründe für ein Engagement in Emerging Markets Debt sind kurz zusammengefasst: attraktive relative Renditen, Diversifikation, Wachstumsaussichten der Kapitalmärkte, verbesserte Bonität sowie die Untergewichtung in den Portfolios der meisten westlichen Anleger.

Wie sehen Sie die generelle Entwicklung an den Aktienmärkten?

Auch hier gilt es, zwischen wachstums- und ertragsträchtigen Märkten zu unterscheiden. Während die Aktienmärkte der Schwellenländer nach wie vor ein hohes Potenzial an Kapitalwachstum aufweisen, zeichnen sich entwickelte Märkte durch dividendenstarke Unternehmen aus. Das Dividendenwachstum hat aber bisher nicht mit der Erholung der Märkte nach dem Krisenjahr 2008 mithalten können.

Tatsächlich?

In den vergangenen vierzig Jahren war die Lücke zwischen Dividenden- und Gewinnwachstum noch nie so gross. Die hohen Barreserven– nach Schätzungen von Moody's Investors Service für US-amerikanische Unternehmen rund 1'000 Milliarden Dollar und für europäische Unternehmen 600 bis 700 Milliarden Euro – und die Nachfrage nach stabilem Einkommen sprechen für Dividendenstrategien.

Sollen sich Privatinvestoren danach orientieren?

Die Dividendenrendite ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Indikator. Es geht nicht darum, Dividendenrenditen im Portfolio zu maximieren. Vielmehr sollte der Anleger nach Unternehmen suchen, die stabile Dividenden aus eigener Kraft bezahlen können. Wir sprechen also von Unternehmen, die stabile und ertragskräftige Geschäftsmodelle aufweisen. Allerdings: Kurzfristig orientierte Anleger könnten von Dividendenstrategien enttäuscht werden. Als Kernanlage bieten sie indes eine hervorragende Stabilität und Ertragskraft.


Alfonso_Papa_qAlfonso Papa (Bild) ist CEO Switzerland von ING Investment Management.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Erfindungen, die Leben retten
  • So sehen die Innovations-Labs der Banken aus
  • Die geschrumpften Banken auf einen Klick
  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
mehr

SELECTION

Warum ein CFA mehr bringt als ein MBA

Warum ein CFA mehr bringt als ein MBA

Ehrgeizige Banker haben die Qual der Wahl bei der Weiterbildung.

Selection

Selection

So werden Sie ein guter Chef

Ausgezeichnete Fachkenntnisse reichen nicht. Diese sieben Punkte sind genauso wichtig.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

weitere News