Mai
17
2012
Today
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Der Börsenexperte und Finanzkolumnist Thomas J. Caduff über die Befindlichkeit der Anleger, die Marktentwicklung und sein neues Research-Tool.

Herr Caduff, mit IndexPerformer.com lancieren Sie ein neues Research-Tool. Gibt es denn nicht schon genügend Material von den Banken?

Keine Bank kann ihren Privatkunden ein zeitnahes und globales Research anbieten. Das würde ihre Grenzen eindeutig sprengen. Die Produktion von Research ist nämlich gigantisch teuer.

Sehr vermögende Privatkunden sowie grössere Institutionelle kommen aber durchaus in den Genuss erstklassiger Dienstleistungen.

Sicher, aber ich stelle auch fest, dass die Banken mittlerweile nach knallharten Selektionskriterien ihr Research der Kundschaft verteilen. Sie erwarten einen Gegenwert in Form von Kommissionen. Das Research ist ja mehr oder weniger das Einzige, was eine Bank von der anderen noch unterscheidet. Der Rest ist austauschbar.


«Ich erwarte in Sachen Research eine Industrie-Revolution»


Natürlich kann man übers Internet allerhand Research runterladen. Aber welcher berufstätige Mensch hat noch Zeit, deswegen Stunden vor dem Computer zu sitzen?

Es scheint, dass Sie dem Research der Banken ziemlich skeptisch gegenüber stehen. Was sind Ihre wichtigsten Kritikpunkte?

Ich erwarte in Sachen Research eine Industrie-Revolution. Banken, die das nicht kapieren, werden es noch schwerer haben als heute. Die Kunden akzeptieren immer weniger, dass 90 Prozent oder mehr der Analysen Kaufempfehlungen sind. Die Verkaufsempfehlungen kann man an einer einzigen Hand abzählen. Hinzu kommt, dass die allermeisten Kaufempfehlungen viel zu spät kommen, also lange nachdem ein Index oder eine Aktie schon stark gestiegen sind.

Mit anderen Worten, die Fundamental-Analyse ist zu langsam?

Das heutige Research beruht schwergewichtig auf der «guten alten» Fundamental-Analyse. Doch in stürmischen Börsenzeiten – wie wir sie seit der Lehman-Pleite erleben – zeigt sich schonungslos, dass sie viel zu träge ist.


«Ein Grossteil des Banken-Research landet direkt im Papierkorb»


Was interessiert es uns, inmitten dieses Schulden-Schlamassels, ob eine Aktie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8 oder 9 hat? Sie stürzt an einem Tag einfach mal so 10 Prozent ab – egal, was Analysten nach tagelanger Recherche dazu schreiben. Ich erhalte laufend Research, das schon bei der Drucklegung Makulatur war. Ich schätze, dass darum auch ein Grossteil des Banken-Research bei den Empfängern direkt im Papierkorb landet.

Worin unterscheidet sich denn IndexPerformer.com?

Ich setze mit meinem Team zu 100 Prozent auf die Technische Analyse, da die klassische Fundamental-Analyse – wie gesagt – meist hinterher hinkt. Und nichts ist tödlicher an der Börse als überholte Informationen. Wir haben dies vollauf erkannt und einen revolutionären Analyse-Denkansatz für Anlagen in ETFs, ETCs und Aktien ins Leben gerufen. Er ist in dieser Form und in diesem Umfang weltweit einmalig.

Jetzt tragen Sie aber dick auf.

Das klassische Banken-Research arbeitet mit Abstufungen wie «Kaufen», «Akkumulieren», «Halten» und «Verkaufen». Wir hingegen haben uns  für eine kompromisslose Vorgehensweise entschieden. Sie ist beim Investieren in ETFs, ETCs und Aktien einfach umsetzbar, denn wir begnügen uns mit zwei, sozusagen messerscharfen Chart-Signalen.


«Ich kenne keine Bank, die einen solchen Service liefert»


Die da wären?

«IN» steht für einen Aufwärtstrend. Ein klares Kaufsignal, und eine Versicherung, dass die Abonnenten nur in die aussichtsreichsten Aktien-, Rohstoff-, Zins- und Währungs-Indizes sowie in Blue-Chip-Aktien investieren.

«OUT» steht für einen Seitwärts- oder für einen Abwärtstrend. Diese Werte sollte der Abonnent konsequenterweise aus seinem Depot entfernen. So werden Performance-Killer eindeutig zu einem Fremdwort.

Zusätzlich liefern wir drei «IN»-Ratings für das optimale Timing. 1 = Stark kaufen (Ausbruch), 2 = Kaufen (Anstieg) und 3 = Abbauen (Ermüdung).

Last but not least liefern wir alle Chart-Signale in Original-Währung, Euro und Schweizer Franken. Die Performance-Unterschiede des gleichen Indexes oder der gleichen Aktie in den verschiedenen Währungen sind nämlich enorm. Ich kenne keine einzige Bank, die einen solchen Service liefert.

Mit welchen Daten erstellen Sie IndexPerformer.com?

Unser Team studiert bis ins kleinste Detail die kurz- und langfristigen Charts von jedem Index und jeder Aktie. In Original-Währung, Euro und Schweizer Franken. Die Datenquelle ist Bloomberg.

Auf welche Kundschaft zielt IndexPerformer.com ab?

Im Fokus stehen Privatanleger und institutionelle Investoren im deutschsprachigen Raum. Ausserdem nutzen Vermögensverwalter und Banken unsere Analysen gerne auch als Zweitmeinung.

Konkret. Worin liegt der Mehrwert von IndexPerformer.com?

Sechs Punkte dazu: Die hervorragende Trefferquote (Sie liegt – bezogen auf unsere Kriterien – zwischen 80 bis 90 Prozent), der messerscharf formulierte Börsenbrief, die globale Abdeckung mit 181 Indizes (für Investments in ETFs und ETCs an den Börsen in Zürich und Frankfurt) und 154 Blue-Chip-Aktien aus Europa und den USA, die wertvollen Sentiment-Indikatoren und natürlich die sensationell günstigen Abo-Preise.


«Für die Banken ist es fast unmöglich, objektiv zu sein»


Und ganz wichtig: Um in der Analyse-Arbeit absolut unabhängig und neutral zu sein, bieten wir weder Beratungs- noch Vermögensverwaltungs-Dienstleistungen an. Für die Banken und auch manche Vermögensverwalter ist es fast unmöglich, absolut objektiv in den Aussagen zu sein. Das ist natürlich ein riesiger Vorteil für uns.

Was kostet ein Abonnement?

Unser meistverkauftes Abo ist das IP Analyse-Paket im Jahres-Abo für 79 Euro pro Monat. Es umfasst den 10- bis 12-seitigen IP Radar-Börsenbrief und eine 39-seitige «Bibel der Indizes und Aktien», wo wir für 181 Aktien-, Rohstoff-, Zins- und Währungs-Indizes sowie 154 europäische und amerikanische Blue-Chip-Aktien Chart-Signale geben – in Originalwährung, Euro und Schweizer Franken.


«Als Geschenk ein signiertes Exemplar von Marc Fabers Bestseller»


Die Analyse erscheint in Form von Excel-Tabellen, damit der Abonnent die Dateien nach Belieben ordnen und erweitern kann. Wer jetzt ein Jahres-Abo bestellt, bekommt als Geschenk ein vom Schweizer Börsenguru Marc Faber signiertes Exemplar seines Bestsellers «Tomorrow's Gold – Asia's Age of Discovery».

Für Privatanleger mit kleineren bis mittleren Depots bieten wir den Service IP Chart-Signale «light» an. Hier kostet das Jahres-Abo 14.90 Euro pro Monat, und die Analyse umfasst 46 Aktien- und 29 Rohstoff-Indizes. Der Börsenbrief und die Analysen erscheinen jeden Montagvormittag.

Die Anleger verharren seit geraumer Zeit an der Seitenlinie. Kommt Ihr Research-Instrument nicht zum falschen Zeitpunkt?

Stimmt, die Anleger sind momentan orientierungslos und angesichts ihrer Verluste in Schockstarre. Die Finanzindustrie wirft derweil laufend neue Produkte auf den Markt. Klar, Kommissionen müssen her.


«Fürs Sanieren ist es zu spät»


Was die Anleger aber jetzt wirklich brauchen, sind objektive und konkrete Ratschläge, wie sie ihre Depots reparieren können. Fürs Sanieren ist es zu spät. Die Investoren wollen klare Anhaltspunkte, welche Indizes und Aktien eine Chance auf einen baldigen Turnaround haben, und welche im Keller bleiben.

Im Nachhinein sind wir alle gescheiter.

Wir können schwarz auf weiss beweisen, dass wir schon vor dem Crash unseren Abonnenten eindringlich empfohlen haben, an den Aktien- und Rohstoff-Märkten Cash-Quoten von 95 bis 100 Prozent zu fahren. Diese Kompromisslosigkeit ist einmalig. Selbst Hedge Funds gingen und gehen nicht so radikal vor wie wir. Von Banken und Vermögensverwaltern ganz zu schweigen.

Wie ist Ihre persönliche Börsenstimmung derzeit?

Unsere Abonnenten sitzen derzeit auf riesigen Cash-Bergen und horten Gold. Natürlich fragen sie mich nun ständig, wann sie wieder in die Aktien- und Rohstoffmärkte einsteigen sollen. Im Moment heisst meine Devise «Sicherheit».


«Schnäppchenkurse sehe ich im Moment keine»


Ich habe jüngst in einer ruhigen Stunde rauf und runter gerechnet und bin zum Ergebnis gekommen, dass Griechenland gar nicht in der Lage ist, seine Schulden mit Zinses-Zinsen jemals vollständig zurückzuzahlen. Wer etwas anderes behauptet, ist ein Utopist. Solange es für dieses Schlamassel keine Lösung gibt, werden die Börsen nicht stark steigen können.

Anleger, die nach fallenden Messern greifen, leben also gefährlich.

Schnäppchenkurse sehe ich im Moment keine am Horizont. Die Mehrzahl der Charts befindet sich im so genannten Niemandsland. Die Märkte werden aus Sicht der Charttechnik also noch weiter fallen und dann über mehrere Tage einen Boden bilden.

Was halten Sie von Bankaktien – kurz-, mittel- und langfristig?

Seit dem Start von IndexPerformer.com im Frühjahr 2011 waren wir bis zum heutigen Tag mit allen Bankaktien in Europa und in den USA auf «OUT»– in Original-Währung, Euro und Schweizer Franken. Also auch hier ein 100-prozentiger Volltreffer.


«Mittelfristig liegen zweistellige Kursgewinne drin»


Die Finanzindustrie steht weltweit vor enormen Herausforderungen. Sie ist einerseits mit immer höheren Kosten und andererseits mit immer tieferen Einnahmen konfrontiert. Nach den schweren Kursverlusten liegen bei Bankaktien aber mittelfristig durchaus zweistellige Gewinne drin. Für mich ist jedoch in Granit gemeisselt, dass unsere Generation es nicht mehr erleben wird, dass Bankaktien neue Höchstkurse erreichen werden.


Caduff_quer_150Thomas J. Caduff hat die Leitung des Teams von IndexPerformer.com inne. Er gründete 1989 die ICN Trust Finance AG und ist derer CEO. Davor arbeitete Caduff beim Börsenkommissariat des Kantons Zürich, bei der Bank Vontobel, der Credit Suisse und der UBS.

Er ist überdies Chefredaktor diverser in Europa führender Online-Publikationen. Ferner schreibt er als wöchentlicher Kolumnist für mehrere deutsche Finanzportale wie boerse-go.de, godmode-trader.de, finanzen.net, finanztreff.de und wallstreet-online.de.

Thomas J. Caduff ist Mitglied der Swiss Association of Market Technicians und bekleidet in der Schweizer Armee den Rang eines Majors. Er ist verheiratet und wohnt in Zürich.

Kommentare 

 
#6 Heinrich Wendel 2011-08-30 17:27
Herr Caduff, Ihr Interview hier hat mich neugierig gemacht, da Sie ganz schön auf den Putz hauen, und gleich mal bestellt. Ich habe Ihre erste Ausgabe erhalten und muss sagen toll: Endlich eine Analyse, die eine globale Abdeckung bietet und die ich trotzdem einfach verstehen und vor allen Dingen einfach umsetzen kann. Habe schon immer einen Dienst gesucht, der verschiedene Finanzinstrumente kombiniert, ganz speziell auch ETFs. Bin gespannt auf Ihre Trefferquote.
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#5 Edward Falger 2011-08-26 00:31
Die Frage wäre, von welcher Generation ist hier die Rede. Auch Herr Caduff dürfte erst in der Mitte seiner Lebenserwartung stehem. Also ein fragwürdiges Statement über die Höchstkurse von Bankaktien.

Flexibilität ist ein MUSS in der heutigen Zeit. Aber auch Stabilität.
www.powervorsorge.com zeigt ein Portfolio, welches trotz grosser Volatilität Stabilität verkörpert. www.vorsorge.us hingegen zeigt mit einer einzigen Aktie des Jahres das AUf und AB und dokumentiert sporadisch.

Börsenbriefe mit Dutzenden oder gar hunderten von Titeln ist selbst für Vermögensverwalter verwirrend. Aufgrund der mangelnden Zeit sind Resultate aus dem arbeitsaufwendigen und deshalb sündhaft teuren Research gefragt. Die Qualität am Glanzpapier und der Dicke des Dossiers zu messen, ist....na, Sie wissen schon! Last but first steht aber die Strategie; und daran fehlt es in den meisten Fällen.
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#4 Bingo 2011-08-25 06:23
„Nach den schweren Kursverlusten liegen bei Bankaktien aber mittelfristig durchaus zweistellige Gewinne drin. Für mich ist jedoch in Granit gemeisselt, dass unsere Generation es nicht mehr erleben wird, dass Bankaktien neue Höchstkurse erreichen werden.“

Der Wahrsager mit der Kugellkristal hatte die gleiche Aussage gemacht.
Notiz:Yahoo.com, UBS.com, Goldman Sachs: Excel Tabellen mit Index und Aktien daten und alles ist gratis.Bloomberg mit Excel und Knopf zu drucken um Tabellen and Grafiken zu genertieren ist kein "Research Tool". RESEARCH IST ETWAS ANDERES.
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#3 Etienne 2011-08-24 15:30
Ich höre gerne Optimisten wie auch Pessimisten zu, WENN Lösungsvorschläge diskutiert werden. Aber das Wehklagen ohne Lösungsideen bringt uns nicht weiter. Bei Indexperformer wird endlich mal Farbe bekennt und Klartext gesprochen. Die Bankenunabhängigkeit unterstreicht die guten Resultat von Indexperformer. Die Meinung der Depotbank ist sowieso mit Vorsicht zu geniessen, genauso wie alle Ratings. Die Trefferquote kann nie 100% sein, bei Indexperformer ist sie aber sehr hoch, und das Resultat ist nützlich und umsetzbar. Gratuliere.
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#2 Dr. Hans Meyer 2011-08-24 15:22
Eine sehr interessante Dienstleistung. Klartext und Unabhängigkeit ist heute, insbesondere bei diesen schwierigen Marktverhältnissen, ein "must". Die Bankenempfehlungen sind sowieso zu hinterfragen. Man denke damals an Swissair bzw. an den Analysten, der nach einer Sell-Empfehlung keinen Job mehr hatte. Deswegen ist Unabhängigkeit und klare Voten unabdingbar.
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#1 Sauter 2011-08-24 11:38
Sehr guter Kommentar, endlich Klartext zur Rolle der Banken und dass es funktionert habe ich in der Vergangenheit selbst festgestellt.
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