Peter P. Held: «Enormer Anpassungsbedarf»

Die Bankbranche stehe erst am Anfang eines massiven Veränderungsprozesses, sagt der Consultant Peter P. Held. Die bisher eingeleiteten Massnahmen würden erst teilweise greifen.

Peter_Held_4Peter P. Held ist Associated Partner der Gsponer Consulting Group in Basel.

Für die Schweizer Banken war 2011 ein weiteres Jahr mit grossen Herausforderungen. Dabei entwickelten sich die Geschäftsvolumen und Erträge der einzelnen Institute sehr unterschiedlich.

Im Geschäft mit ausländischen Kunden waren sie eher rückläufig, bei den Kunden mit Schweizer Domizil konnten dagegen manche Banken ihre Volumen weiter steigern, allerdings nur noch leicht (vgl. Grafik).

Grafik_2_Held

(Grafik: Entwicklung Geschäftsvolumen in Milliarden Franken, Quelle SNB)

Insgesamt gelang es den meisten Bankengruppen mit starkem Retailgeschäft trotz härteren Rahmenbedingungen, ihre Effizienz- und Rentabilitätskennzahlen Jahr zu stabilisieren. Die Kantonalbanken und die Raiffeisengruppe konnten den Margenrückgang weitgehend abfedern. Infolge von Volumensteigerungen von 6 bis 8 Prozent im Bilanz(kern)geschäft sind die Zinserträge – trotz leichtem Margenrückgang - um 3 bis 4 Prozent gestiegen. Beträchtliche Margenerosion

Genereller Ertragsrückgang

Bei der PostFinance hingegen stagnierten die Zinserträge trotz massiver Volumensteigerungen, was auf eine beträchtliche Margenerosion beim «Modell PostFinance» hindeutet. Die Regionalbanken wiederum verzeichnen – auf Grund eines geringeren Volumenwachstums – einen leichten Rückgang ihrer Zinserträge.

Ein Blick auf die Anlageerträge zeigt ausserdem, dass die meisten Geldhäuser generell einen Ertragsrückgang von bis zu 10 Prozent verzeichnen mussten. Diese Entwicklung führte zwangsläufig zu einem erhöhten Kostendruck. Insbesondere bei den Privatbanken ergibt sich daraus ein immenser strategischer Handlungsbedarf.

Aggressiver Wettbewerb

Die wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen bleiben indessen auch im laufenden Jahr anspruchsvoll: Der Wettbewerb wird aggressiv geführt, und die Margen stabilisieren sich im besten Fall auf tiefem Niveau. Im lange erfolgreichen Crossborder-Geschäft stellen sich neue Herausforderungen, genauso wie im Kundenschutz.

Schliesslich eröffnen die elektronischen Medien neue Vertriebskanäle, die viele Banken noch nicht voll nutzen. Last but not least birgt das Risikomanagement fortan enorme Herausforderungen für die meisten Institute.

Unter Handlungszwang

Vor diesem Hintergrund sind alle Banken gezwungen, ihre Geschäftsmodelle zu überprüfen und Anpassungen vorzunehmen. Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt:

  1. In welchen Wettbewerbsfeldern und Märkten will eine Bank in Zukunft agieren?
  2. Auf welche Geschäftsfelder legt sie dabei ihren Fokus (vor allem seit das Crossborder-Geschäft mit enormen operationellen Risiken verbunden ist)?
  3. Wo ergeben sich neue Wachstums- und Wertschöpfungspotenziale?
  4. Wie kann die Bank die neuen Chancen im Vertrieb und im Multikanalmanagement nutzen?
  5. Wie lassen sich Effizienz und Effektivität optimieren? Dabei ist zu berücksichtigen, dass rund 50 Prozent der Kosten im Front- respektive Vertriebsbereich und die übrigen Kosten in den Bereichen Verarbeitung, Informatik und Corporate Center anfallen.
  6. Wie zukunftsorientiert ist das Risikomanagement ausgerichtet?

 

Weichenstellungen für die Zukunft

Aus den Antworten auf diese Fragen ergeben sich die Weichenstellungen für die Zukunft. Im Wesentlichen geht es dabei um folgende Prioritäten:

  1. Konzentration versus Diversifikation der Geschäftsmodelle (Kunden, Leistungen, geografische Dimension)
  2. Organisches Wachstum in Kombination mit Kooperationen, Akquisitionen, Fusionen
  3. Steigerung des Share of Wallet im bestehenden Kundenstamm mit bestehenden und neuen Finanzdienstleistungen. Optimierung des Preis-/Leistungsmixes verbunden mit einer besseren Ausschöpfung des noch (latent) vorhandenen Potenzials
  4. Nutzen der Chancen im Multikanal-Vertrieb und Onlinebanking sowie Optimierung der Vertriebseffizienz. Konsequente Umsetzung der (schon lange diskutierten) Kundenzentrierung und Entwicklung in Richtung einer Vertriebsbank
  5. Effizienzsteigerungen in allen Prozessen und bei den Sachkosten (Vertrieb, Abwicklung, Informatik, Corporate Center)
  6. Risikomanagement (zum Beispiel bei latenten operationellen Risiken sowie bei der Fristenkongruenz gegenüber einem bewusste Eingehen von Risiken)

 

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken bildet die Basis für eine neue strategische Ausrichtung, eine Neuausrichtung des Geschäftsmodelles und die Einleitung des danach notwendigen Transformationsprozesses.

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NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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