«Hochwertige Plattform für informelle Kontakte»

Wolfgang_Marty_4Die Obligationenkommission Schweiz vereinigt ein enormes Know-how, ohne dass man in der Branche viel darüber weiss. Das soll sich nun ändern, sagt deren Präsident Wolfgang Marty.

Herr Marty, wie wird der Schweizer Obligationenmarkt im Ausland wahrgenommen?

Viel zu wenig. Diese Erfahrung beruht auf meinen beruflichen Erfahrungen im Ausland sowie auf meinen regelmässigen Aktivitäten in der Europäischen Bondkommission (EBC). Die EBC trifft sich dreimal jährlich, meistens bin ich der einzige Schweizer, der dabei ist. Schweizer Bonds sind da kaum je ein Thema.

Woran liegt das?

Wahrscheinlich an der Grösse des hiesigen Marktes im Vergleich zu den in Euro denominierten Bonds. Immerhin, im nächsten Oktober findet das zweitägige Jahrestreffen der EBC in Zürich an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange statt.


«Es kommen Keynote-Speakers von höchstem Niveau»


Offenbar geben die EBC-Mitglieder immer wieder gerne der Limmatstadt den Vorzug gegenüber London, Paris oder Frankfurt. Bereits vor zwei Jahren fand der Anlass in Zürich statt.

Was versprechen Sie sich von diesem Event?

Einen inspirierenden Gedankenaustausch auf höchstem Niveau, nicht zuletzt auf Grund der diversen Keynote-Speakers, darunter Stefan J. Illmer, Managing Director der Illmer Investment Performance Consulting, Ravin Onakan, Director Index Risk and Portfolio Solutions bei Barclays Capital sowie Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank. Zusätzlich organisieren wir ein attraktives Rahmenprogramm. Für alle Teilnehmer ist das Treffen schliesslich auch ein hoch willkommener Weiterbildungsanlass.

Welche Themen dominieren derzeit im Schweizer Obligationenmarkt das Gespräch?

Vor kurzem waren Sustainable Bonds ein Thema, und im Moment evaluieren wir einen High-Yield-Index. Dazu sind verschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen im Einsatz.


«Das Thema ‹Composite Rating› ist wieder hoch aktuell»


Ausserdem haben wir auf der Social-Media-Plattform Xing eine Interessensgruppe gegründet, um sich auch virtuell auszutauschen. Das Thema «Composite Rating» nahm die EBC bereits 2007 auf – heute ist es wieder aktuell.

Warum?

Wenn einer Anleihe verschiedene Ratings zugeteilt werden, stellt sich zwangsläufig die Frage, welches synthetische Rating dabei gilt. Das hat Auswirkungen auf die Spielregeln bei Indizes und Anlagevorschriften.

Sie sind seit sieben Jahren Präsident der Obligationenkommission Schweiz (OKS). Welche Prioritäten setzen Sie?

Obligationen sind nicht unbedingt eine Anlageklasse, die auf Anhieb sehr aufregend scheint, daher sind die Leute, die in diesem Bereich zu tun haben, eher etwas zurückhaltend. Die OKS schweisst sie zusammen und ermöglicht Kontakte, die über den Tellerrand hinausgehen. Im Prinzip sind wir eine Lobby-Organisation für den Obligationenmarkt.


«Man lernt die wichtigen Personen im Fixed-Income-Markt kennen»


Wir unterhalten verschiedene Arbeitsgruppen, die auf verschiedene Anliegen eingehen; dazu gehört die Verbesserung des Fixed-Income-Indexes. Als Resultat unserer Bemühungen hat die SIX Group ein Gremium für Bond-Indizes konstituiert. In diesem Zusammenhang ist auch der Liquid Swiss Index (LSI) der Credit Suisse erwähnenswert. Dieser Benchmark wird seit langem von einem unabhängigen Index-Komitee betreut.

Was bringt eine Mitgliedschaft bei der OKS?

Dazu fallen mir spontan zwei Aussagen von Mitgliedern ein. «Mit der OKS ist es möglich, innert kürzester Zeit die richtigen und wichtigen Personen im Fixed-Income-Market zu kennen» und «Es ist erstaunlich, was die OKS auf die Beine gestellt hat.»

Ja, was denn?

Heute ist die OKS eine hochwertige Plattform zur Pflege von Kontakten im Schweizer Finanzmarkt. Ich bin sicher, dass sie oft auch als informelles Jobportal gebraucht wird. Ausserdem bieten wir mit unseren regelmässigen und ausserordentlich gut besuchten Veranstaltungen wertvolles Know-how.


«Wir würden gerne ein weiteres Standbein aufbauen»


Mit bescheidenen 150 Franken an Jahresbeitrag konnten wir bisher alle Veranstaltungen selber finanzieren – also ohne einen Eintritt zu verlangen.

Wie ist die OKS organisiert?

Die Kommission hat keine starre Struktur, sondern lebt von informellen Kontakten. Organisatorisch gibt es die Veranstaltungen sowie die Arbeitsgruppen. Ich würde gerne ein weiteres Standbein aufbauen: Ausbildung. Da wir die OKS aber ehrenamtlich betreiben, reichen die Ressourcen dafür nicht aus.

Gibt es denn keinen Kontakt zu den Hochschulen?

Leider einen viel zu geringen. Es wäre ideal, wenn die Akademia mit unseren Bond-Spezialisten enger kooperieren könnte. Ich habe verschiedene Anläufe unternommen, die bis jetzt allerdings wenig gefruchtet haben.


«Wir verzeichnen jedes Jahr einen Zuwachs»


Im weitern denken wir im Vorstand darüber nach, Projektarbeiten für Studenten zu lancieren oder einen Wettbewerb mit einer attraktiven Preissumme auszuschreiben.

Die OKS wurde 2004 gegründet. Wie viele Mitglieder zählt sie heute?

Wir haben mit 30 Mitgliedern begonnen und zählen heute 130. Wir verzeichnen übrigens jedes Jahr einen Zuwachs. Die Mitglieder arbeiten mehrheitlich bei den grösseren Schweizer Banken in den Bereichen Asset Management, Portfolio Management, Reserach oder Sales. Sie repräsentieren ein enormes Bond-Know-how

Welche Marktteilnehmer fehlen noch?

Die Entwicklung der OKS hat sich bisher vor allem auf die Deutschschweiz beschränkt. In der Westschweiz haben wir nur eine Handvoll Mitglieder und im Tessin gar keine. Das ist schade, zumal wir uns – wie es der Name sagt – als gesamtschweizerische Organisation verstehen.


«Wir möchten verstärkt die Auslandsbanken ansprechen»


Obwohl die Mitgliedschaft persönlich ist, stelle ich zudem fest, dass wir nur wenige Mitglieder aus den Reihen der Privatbanken und Versicherungen haben. Auch die Vertreter der Auslandsbanken in der Schweiz sind in der OKS spärlich vertreten. Das alles wollen wir ändern.

Wie viel Zeit erfordert die Mitarbeit im Vorstand?

Ich bin stolz auf den achtköpfigen Vorstand. Wir sind ein motiviertes Team, das gute Arbeit leistet. Wie sich das quantifiziert, weiss ich nicht und möchte es auch nicht wissen. Ich stelle jedoch regelmässig fest, dass die Administration verbessert und auf unserer Homepages Neues publiziert wird.


Wolfgang_Marty_2Wolfgang Marty ist Vice President der Credit Suisse in Zürich. Er ist seit 1998 für die Credit Suisse tätig, zunächst als Leiter Product Engineering und dann als Leiter Portfolio Analytics. Von 1989 bis 1998 arbeitete er in London und Chicago.

Seine Spezialgebiete sind Performance Messung, Fixed Income Portfolio Attribution und Portfolio Optimization. Er engagiert sich seit vielen Jahren für eine aktive Entwicklung der festverzinslichen Märkte. Insbesondere vertritt er die Interessen der Schweizer Marktteilnehmer in der European Bond Commission (EBC). Zudem ist er Mitglied des Executive Committee der EBC und der Bond Indexkommission der SIX Exchange.


Die 8. OKS Generalversammlung findet am 10. Mai im Hotel Widder in Zürich statt. Sie beginnt um 17:30 Uhr. Nach dem offiziellen Teil wird Dominique Ammann, Gründungspartner und Verwaltungsratspräsident des Investment-Consulting-Unternehmens PPCmetrics, einen Gastvortrag zu Pensionskassen im Tiefzinsumfeld halten.

Der Vortrag wird ungefähr eine halbe Stunde dauern, gefolgt von einem Apéro riche.

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Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

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Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

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