«Steuerabkommen löchrig wie ein Schweizer Käse»

Das Abkommen mit der Schweiz sei für Schwarzgeldsünder ein Segen, behauptet ein deutscher Steueranwalt. Die Vereinbarung weist offenbar einige Schlupflöcher auf.

koblenzerFür Leute, die Schwarzgeld «weisswaschen» möchten, sei die vereinbarten Nachversteuerung von 21 bis 42 Prozent geradezu ein «Schnäppchen», rechnet Thomas Koblenzer (Bild) in einem Interview mit der «Wirtschaftswoche» vor. Koblenzer betreibt eine Steuerkanzlei mit Büros in Zürich und Düsseldorf. Er ist Jurist, Ökonom sowie Honorarprofessor.

«Bei regulärer Versteuerung in Deutschland wären inklusive Solidaritätszuschlag mitunter gute 47 Prozent fällig – also das Doppelte – und eine Million Euro hätte sich fast halbiert. Gemäss Steuerabkommen verblieben alternativ fast 800'000 Euro» Mit dem Abkommen gelange man zudem in die Legalisierung und könne sein Geld in der Schweiz verwalten lassen.

«Einen grösseren garantierten Gewinn können Sie fast nur noch beim Lotto erwirtschaften», so der Steueranwalt zur Pauschalsteuer. «Wer ein Konto in der Schweiz hat, bitte jetzt das Geld den Erben schenken!», schlägt der Anwalt weiter vor und verweist dabei auf die Erbschaftssteuer.

Schliessfachvermögen als «grosse Schwäche»

Was empfiehlt der Steuerexperte für in der Schweiz schlummernde Vermögenswerte, also Gold, Diamanten oder Tafelgeld? «Wenn Sie auch nach dem Abkommen nicht wollen, dass diese Werte erfasst und legalisiert werden, dann lassen Sie sie im Schliessfach am Zürcher Paradeplatz.» Das führe dazu, dass erstens darauf keine Pauschalsteuer nach dem Abkommen zu zahlen sei und dass zweitens die Verjährungsfristen weiter laufen würden, so der Experte. «Man sollte aber die Quittungen und Belege aufbewahren, um im Zweifel die Verjährung zu dokumentieren.»

Viele Leute hätten ausserdem auch Geld in Versicherungsmäntel gepackt, die vom Abkommen nicht betroffen seien. Lösungen mit nach deutschem Steuerrecht akzeptierten Lebensversicherung würden im übrigen auch vor der neu eingefügten Erbschaftsteuerklausel schützen, erklärt der Steuerprofi im Interview. «Wenn man es richtig angestellt hat», sei die Gefahr, dass der deutsche Fiskus nicht versteuerte Vermögen in der Schweiz entdecke, «gering».

Geld in die Türkei?

Zur Hetzjagd auf Steuersünder mit Steuer-CDs sagt der 44-jährige Jurist: «Das ist alles grober Unsinn! Es gibt und gab nicht einen einzigen Fall in Deutschland, in dem jemand allein aufgrund einer Steuer-CD verurteilt worden ist.» Die Angaben darauf würden nie und nimmer beweisrechtlich als Indiz ausreichen, um jemanden zu verurteilen.

«Wer allergrössten Wert auf das Bankgeheimnis legt und sicher sein will, dass der deutsche Fiskus keinen Zugriff bekommt, der zieht sein Geld einfach aus der Schweiz unter Auflösung seiner Konto- und Depotbeziehung ab und geht nach Singapur, Abu Dhabi oder Dubai, auf die selbst die Amerikaner keinen Zugriff haben.» Viele dreistellige Millionäre hätten sich schon 2004 mit Blick auf die EU-Zinsrichtlinie aus der Schweiz verabschiedet. «Auch die Türkei verbucht in jüngster Zeit enorme Kapitalzuflüsse», will Koblenzer wissen.

Investmentstrukturen ohne Fährte

«Wenn Sie Geld aus der Schweiz abziehen oder ins Ausland überweisen, werden Sie möglicherweise registriert beziehungsweise hinterlassen Spuren. Das geschieht aber nicht, wenn Ihr Depot einen Wertverlust erleidet, selbst wenn der massiv ist.»

Es gäbe deshalb entsprechende hoch komplexe Investmentstrukturen, die einen Vermögenstransfer über Wertverluste in der Schweiz und korrespondierende Wertzuwächse in Auslandsdepots ermöglichen. So könne man ohne weiteres Millionen einfach «verschwinden» lassen, erklärt Koblenzer.

«Jeder, der partout in der Anonymität bleiben und keine Steuern zahlen möchte, wird das auch in Zukunft können, wenn er sich entsprechender Profis bedient.»

Lesen Sie hier das komplette Interview mit Thomas Koblenzer

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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