FATCA hält weiterhin böse Überraschungen bereit

Auf die jüngst getroffene Kooperationsvereinbarung zwischen der Schweiz und den USA betreffend FATCA folgt die Ernüchterung. 

«Welche ist Ihre gültige FFI-Nummer?» – Dies werde ab nächstem Jahr die gängige Frage zu Beginn einer jeden Geschäftsbeziehung zwischen zwei Finanzinstituten sein, egal wo auf der Welt, ist Brandi Marie Caruso, bei Deloitte als Steuerberaterin tätig, überzeugt.

Für die ausländische Finanzinstitution («Foreign Financial Institution«), welche sich der Registrierung bei der US-Steuerbehörde IRS verweigert, wären die Folgen nach Einführung des FATCA-Steuergesetzkolosses Anfang 2013 fatal.

Wer auf dem IRS-Radar erscheint, hat verloren

«Sie wird langfristig von den Geschäftspartnern gemieden», meint Caruso. Kaum einer würde sich die Mühe nehmen, die Formulare für den anderen auszufüllen. Und überhaupt: «Wer möchte schon auf dem Radar des IRS geraten?»

Eine realistische Alternative zur Umsetzung des Bürokratiemonsters mit vollem Namen «Foreign Account Tax Compliance Act» hätte aber praktisch niemand, hält die Deloitte-Beraterin fest.

Klar ist nur: FATCA betrifft alle

Zumindest in diesem Punkt habe das jüngst abgeschlossene Kooperationsabkommen zwischen der Schweiz und den USA Klarheit gebracht, meint David Fidan, Forensik-Spezialist bei der Beratungs- und Revisionsfirma Deloitte.

«Jetzt muss auch allen kleineren und mittelgrossen Finanzinstituten klar sein: FATCA betrifft grundsätzlich alle Schweizer Banken.» 

Ausgenommen seien nur die allerkleinsten Institute mit einer Bilanzgrösse von weniger als 175 Millionen Dollar und deren Kunden nachweisbar zu mindestens 98 Prozent in der Schweiz wohnen.

Die Ernüchterung

Die Kehrseite: Das «Joint Statement from the United States and Switzerland Regarding a Framework for Cooperation to Facilitate the Implementation of FATCA» stellt laut Fidan keine Lösung für die Probleme in Aussicht, die die Umsetzung von FATCA mit sich bringt. 

FATCA wurde vor allem mit Blick auf die Banken entwickelt. Besonders grosse Probleme bereitet das Gesetzesmonster den Lebensversicherungen, aber auch Fonds-, Treuhand- und Trustgesellschaften.

Die UBS war der Auslöser für das Paragraphen-Ungetüm

Auslöser für den Steuergesetz-Tsunami war laut Fidan der Fall UBS. So haben diese und andere Schweizer Bank US-Steuerpflichtige jahrelang darin unterstützt, ihr Vermögen mit Hilfe von auf Offshore-Zentren angesiedelten Trusts und anderen Firmenkonstruktionen vor dem Fiskus zu verbergen.

Nun seien die US-Behörde kaum gewillt, jenen Vertretern der Finanzindustrie mit Rücksicht zu begegnen, denen die Umsetzung von FATCA besonders Mühe bereiten würde.

Worauf die US-Steuerfahnder abzielen

Die US-Steuerbehörde IRS will den Zugriff auf die Vermögen ihrer Bürger weltweit sicherstellen. Dafür will die IRS jedes Finanzinstitut dazu verpflichten, alle Kunden zu identifizieren, die in den USA steuerpflichtig sind oder wären.

Das sind nicht nur US-Amerikaner. Von der Deklarationspflicht sind ebenfalls alle Personen betroffen, die in den USA geboren wurden, alle Greencard-Besitzer sowie alle, die sich längere Zeit pro Jahr in den USA aufhalten (31 Tage in 2012, 183 Tage über die letzten drei Jahre betrachtet).

Keine Rücksicht auf Nicht-Banken

Fondsgesellschaften müssten mitunter die Kunden von hunderten von Einzelfonds identifizieren sowie die Kunden ihrer Kunden, wenn es sich um institutionelle Anleger handelt – ein schier unmögliches Unterfangen.

Umkehrt kommt die Rückverfolgung von Dividenden- oder Couponzahlungen durch alle Dachfonds- respektive Firmenkonstruktionen hindurch einer Herkulesaufgabe gleich, um herauszufinden, ob sie auf eine US-Aktie oder eine US-Anleihe zurückgehen.

Kein Entrinnen für Schwarzgeld

Facta_ClockOffen ist auch, wie mit jenen umgesprungen wird, die ihre Vermögen in der Vergangenheit nicht deklariert hatten. 

In der Schweiz bleibt US-Steuerpflichtigen kaum mehr ein Entrinnen. Ihnen bleibt die Konsultation des «Offshore Voluntary Desclosure Program» des IRS.

Nicht zuletzt haben sich die USA auch im Rahmenabkommen mit der Schweiz eine vereinfachte Amtshilfe ausbedingt.

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NEWS GANZ KURZ

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

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