Vermögensverwalter werden deutlich pessimistischer
Die Mehrheit der befragten Vermögensverwalter rechnet nicht mit einer schnellen Lösung des Krieges im Nahen Osten. 65 Prozent erwarten ein Szenario eines «Frozen Conflict», also anhaltende Instabilität ohne klaren Sieger. Jeder oder jede fünfte Befragte erwartet eine diplomatische Lösung durch Waffenstillstand und Verhandlungen. Noch kleiner ist der Anteil, auf die Frage nach einem Regimewechsel (7 Prozent).
Bei einer längeren Blockade der Strasse von Hormus rechnet knapp ein Viertel der Vermögensverwalter mit einer schweren stagflationären Krise, 39 Prozent erwarten eine milde Rezession und weitere 35 Prozent rechnen mit einem langsameren Wachstum ohne Rezession.
Laut der aktuellen Umfrage von Aquila und finews.ch wurden die Portfolios seit dem Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar ganz unterschiedlich angepasst. Gut 50 Prozent der Teilnehmer nehmen keine Änderungen vor, etwas mehr als jeder vierte Vermögensverwalter hat die Cash-Quote erhöht und 18 Prozent melden eine tiefere Aktienquote. Klar waren hier mehrere Anpassungen möglich.
Etwas mehr Anleihen
Gefragt nach der aktuellen Asset Allokation eines ausgewogenen Mandats zeigt sich eine klare Verschiebung: Gegenüber dem vierten Quartal 2025 sank die Aktienquote leicht von 50 auf 46 Prozent, der Anteil der Anleihen legte von 23,3 auf 25,9 Prozent zu. Er liegt aber immer noch sehr deutlich unter der Benchmark von 45 Prozent. Der Cash-Anteil erhöhte sich leicht auf 10,7 Prozent, während es bei Gold/Edelmetallen und den Alternative Anlagen im Schnitt der Befragten praktisch keine Unterschiede zur vergangenen Umfrage gab.
Interessant sind die Antworten auf die Frage nach weiteren Portfolio-Anpassungen in den nächsten vier Wochen. Demnach planen 53 Prozent der Vermögensverwalter «selektiv opportunistisch» zu kaufen, weitere 40 Prozent wollen abwarten. Eine weitere Risikoreduktion ist offenbar derzeit kein Thema, konkret waren es 0,0 Prozent der Antworten...
Tieferer SMI und höhere Zinsen
Gleichzeitig sind die Erwartungen punkto Performance deutlich tiefer. Im vierten Quartal 2025 erwarteten (hohe) 64 Prozent, dass der SMI in den nächsten 12 Monaten steigen werde. In der jüngsten Umfrage sind nur noch 17 Prozent so «positiv». Die Mehrheit (55 Prozent hofft auf einen stabilen SMI, das sind praktisch doppelt so viele wie zuletzt. Der Anteil der «Pessimisten» stieg von 8 auf 28 Prozent. Sie erwarten also in einem Jahr einen tieferen Indexstand als aktuell.
Noch grösser sind die Verschiebungen bei den Zinserwartungen. Bei den Umfragen 2025 waren es immer etwa 8 Prozent, welche auf Sicht von 12 Monaten mit höheren Renditen bei den 10-jährigen Staatsanleihen rechneten. Nun sind es mit 49 Prozent schon praktisch die Hälfte aller Befragten. Gleichzeitig erwarten derzeit bloss noch 28 Prozent gleichbleibende Renditen, zuletzt waren es beinahe zwei Drittel gewesen. Immerhin noch knapp jeder vierte setzt auf höhere Renditen, vor einem Jahr glaubten dies noch 42 Prozent.
Die Umfrage beleuchtet unter anderem auch die Einschätzung der Risiken. Auf die Frage: «Welches ist aus Ihrer Sicht das meist unterschätzte Risiko?» gab es eine klare Antwort. Knapp 40 Prozent befürchten eine Destabilisierung der Golfstaaten wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Einen möglichen Zusammenbruch im Iran sehen 22 Prozent als «unterschätztes» Risiko und weitere 16 Prozent sorgen sich um mögliche Engpässe bei Waffen, weil die Amerikaner sie im Iran einsetzen und damit die Ukraine nicht mehr beliefern könnten. Noch direkter wären die Folgen von Cyberangriffen auf die westliche (Finanz-) Infrastruktur, das sehen laut Umfrage 10 Prozent als meist unterschätzte Risiko.
















