Formel 1: Zwei globale Neobanken kämpfen um die Pole Position

Die Formel 1 ist ein Wanderzirkus motorisierter Ambitionen, angetrieben von Pferdestärken und Aerodynamik. Und nach wie vor ein gesuchtes Umfeld für Finanzunternehmen.

Diese Woche machten gerade zwei «Digital-First»-Banken diesbezüglich von sich reden: Die eine mit einem komplett neuen Werksteam und sorgfältig komponierter Designsprache, die andere in Verbindung mit einem der bewährtesten Rennställe des Sports.

Revolut und Audi

In Berlin wurde das Audi Revolut F1 Team vor rund 400 Gästen im «Kraftwerk» vorgestellt. Dessen industrielle Architektur war eine passende Kulisse für ein Projekt, das mit hohen Ansprüchen an Technologie, Modernität und Premium-Appeal startet.

Die erstmalige Vorstellung des Wagens in seiner Rennlackierung beschränkte sich nicht auf das Revolut-Logo am Sidepod. Zudem zeigte Audi das Team-Outfit sowie die Fahrer-Overalls für 2026. Betont wurde die Kohärenz des gesamten Auftritts, von der Rennstrecke bis in die sozialen Medien.


Audi-CEO Gernot Döllner mit dem neuen Rennwagen R26. (Bild: zVg)

«Ein Leuchtturmprojekt»

Die Formel 1 startet 2026 unter deutlich veränderten technischen Vorzeichen, bestehend aus einer aktiveren Aerodynamik, einem deutlich erhöhten Elektro-Anteil am Hybridantrieb, kombiniert mit nachhaltigen Treibstoffen, sowie ein neuer «Boost-Modus», der das herkömmliche DRS ersetzt. Dementsprechend rahmt den Einstieg als «Leuchtturmprojekt» für die technologische und kulturelle Neupositionierung der Marke.

Audi-CEO Gernot Döllner sprach davon, dass sich nun viele Puzzleteile ineinanderfügten. Man sei «startklar», und freue sich darauf, «Menschen auf der ganzen Welt zu begeistern». Kurz gesagt: Audi sucht die globale Bühne. Revolut co-finanziert den Sprung, mit dem sich die Neobank kommunikativ verbindet.

Skalierung im Hochtempo

Für Revolut bedient die Partnerschaft vertraute Instinkte: Skalierung, Sichtbarkeit und modernes Selbstvertrauen. Die 2015 gegründete Londoner Neobank hat sich im Formel-1-Tempo vom Zahlungsanbieter zur umfassenden Finanz-«Super-App» entwickelt. Heute umfasst sie FX, Investments und ein Firmenkundengeschäft.

2024 wies Revolut eine Bilanzsumme von 25,8 Milliarden Pfund aus.

Gemeinsame Ästhetik

Auch die Nutzerbasis hat eine Grösse erreicht, bei der der Begriff «Fintech-Start-up» fast nostalgisch wirkt. Im Geschäftsbericht meldete Revolut für 2024 weltweit 52,5 Millionen Kunden. Die gesamten Kundengelder stiegen auf 38 Milliarden Dollar.

Audi liefert den industriellen Werksglanz (teilweise auch aus der ehemaligen Sauber-Schmiede in Hinwil), Revolut verbindet ihn mit dem Versprechen eines reibungslosen Finanzlebens: schnell, mobil, grenzenlos. Die gemeinsame Sprache heisst Effizienz und Leistung.


Die Audi-Fahrer Nico Hülkenberg (l.) und Gabriel Bortoleto. (Bild: zVg)

Nu und Mercedes: globale Fangemeinde als Wachstumsmotor

Fast gleichzeitig kündigte Nu (oft auch Nubank genannt) – die schlagkräftige Digitalbank aus Lateinamerika – eine neue, mehrjährige globale Partnerschaft mit dem Mercedes-AMG Petronas F1 Team an. Nu wird offizieller Teampartner ab der Saison 2026 und reiht sich neben der UBS unter die Sponsoren ein. Damit ist die Partnerschaft zwar vielleicht weniger emblematisch als Revoluts Titelsponsoring bei Audi, nicht aber minder ambitioniert.

Die Logik ist geografisch. Mercedes bietet bis heute einen weltweit einzigartigen Premium-Appeal, dessen Relevanz Nu in den Kernmärkten Brasilien, Mexiko und Kolumbien zupass kommt. Von der Partnerschaft verspricht man sich eine noch höhere Reichweite in Lateinamerika, den USA und weiteren strategischen Regionen.

Gegruendet in Brasilien

Nu wurde 2013 in Brasilien gegründet und ist zu einer der weltweit grössten digitalen Finanzplattformen herangewachsen. Laut eigenen Angaben zählt die Bank über 127 Millionen Kunden und damit mehr als doppelt so viele wie Revolut.

Die Bilanz von Nu belief sich Ende 2024 auf rund 49,9 Milliarden Dollar. Damit liegt die Bank leicht über der Grösse von Revolut.

Mercedes AMG Petronas Fahrer mit Nu-Logo
Nu am Kragen: Die Mercedes-AMG-Petronas-Fahrer Kimi Antonelli und George Russell. (Bild: zVg)

«Innovation» und «Disruption»

Auch die Kundengelder wachsen rasant. Nu meldete per Ende des vierten Quartals 2024 Einlagen von 28,9 Milliarden Dollar. Eine Zahl, die eine eindrückliche Marktpenetration in den Schwellenländern Lateinamerikas reflektiert.

Cristina Junqueira, Nu-Mitgründerin und Chief Growth Officer, spricht vom Zugang zu «Hunderten Millionen Fans» und von langfristigem Markenaufbau. Toto Wolff, Teamchef von Mercedes-AMG Petronas, betonte die gemeinsame Sprache von «Innovation» und «Disruption».

Zwei Neobanken, ein Rennen

Revolut und Nu entstanden in einem ähnlichen Zeitraum. Beide wuchsen rasant. Und sie operieren heute mit Dutzenden Millionen Kunden sowie Kundengeldern in mittlerer zweistelliger Milliardenhöhe auf vergleichbarem Grössenniveau. Und beide haben sich von Fintech-Disruptoren zu vollwertigen Finanzinstituten entwickelt.

Der grosse Unterschied liegt im geografischen Ausgangspunkt. Revolut ist Europas digitaler Banken-Champion. Geprägt von grenzüberschreitenden Mobilität des Binnenmarktes, der damit verbundenen Devisenlogik und einem finanziell immer noch fragmentierten Kontinent. Nu hingegen steht sinnbildlich für die digitale Finanzrevolution Lateinamerikas: eine Bank, die sich in der regionentypischen Gemengelage aus Ungleichheit und Bürokratie mit dem Versprechen mobiler finanzieller Teilhabe hervortut.

Konkurrenz in den USA und in Brasilien

Wie das Formel-1-Engagaement der beiden Institute zeigt, ist die Landkarte der globalen Finanzwelt in rascher Bewegung. Revolut und Nu treffen zunehmend auf gemeinsamem Terrain aufeinander. Beide bedienen Kunden in Brasilien und in den USA. Im Rennen um den mexikanischen Markt war Nu schneller: Die Bank erhielt im April 2025 eine Banklizenz und bedient bereits Kunden. Revolut erhielt die Genehmigung ein halbes Jahr später und arbeitet bis jetzt mit einer Warteliste.

Die Rennstrecke ist die symbolische Verlängerung einer Rivalität, die eben erst begonnen hat. Es ist ein Rennen um Tempo, Sichtbarkeit und um Dominanz im nächsten Kapitel des globalen digitalen Bankings.