Nach dem Absturz: Luxusindustrie verspricht wieder Glanz

Von Kevin Thozet, Mitglied des Investment Committee von Carmignac

Eine Branchenbetrachtung ist letztlich nichts anderes als die Sammlung individueller Überzeugungen. Aus dieser Perspektive ist es nur natürlich, mit einem Branchenvorreiter zu beginnen.

Im Jahr 2025 belief sich das organische Wachstum von LVMH auf –1 Prozent, was auf eine Kombination aus ungünstigen Wechselkurseffekten, einer Verlagerung der Nachfrage hin zu Erlebnissen zulasten von Luxusgütern und einer abwartenden Haltung der Verbraucher in einem Umfeld von Handelsspannungen und geopolitischer Unsicherheit zurückzuführen war. Selbst der einst unerschütterliche Geschäftsbereich Mode und Lederwaren des Konzerns schwächelte mit einem Rückgang von 5 Prozent beim Preis und einem Rückgang von 7 Prozent beim Volumen/Mix.

Nachfrage in den USA bleibt robust

Mit Blick auf das Jahr 2026 kehrt der Optimismus für LVMH zurück. Es wird erwartet, dass der organische Umsatz preismässig um 4,6 Prozent und volumen-/mixmässig um 2,6 Prozent steigen wird, unterstützt durch mehrere günstige Faktoren. Erstens bleibt die Nachfrage in den USA dank eines starken Vermögenseffekts weiterhin robust. Das Vermögen der reichsten 10 Prozent der US-Haushalte ist in den letzten drei Jahren um rund 30 Prozent gestiegen, so dass ihnen nun mehr als 70 Prozent des gesamten US-Vermögens gehören – rund 5 Prozent mehr als vor Covid.

CARMIGNAC 2022

Kevin Thozet von Carmignac. (Bild: zVg)

Zweitens ruhen die Erwartungen auf einer Stabilisierung der chinesischen Nachfrage nach zwei aufeinanderfolgenden Jahren des Rückgangs (–2 Prozent im Jahr 2024 und –5 Prozent im Jahr 2025). Es sei denn natürlich, die Verbesserung ist eher auf die Aussicht auf weitere Preiserhöhungen zurückzuführen – oder auf die Rückkehr von Dior zum Wachstum. Die zweitgrösste Marke des Konzerns (mit einem Anteil von 12 Prozent am Gewinn gegenüber 65 Prozent für Louis Vuitton) könnte dank der jüngsten Veränderungen in der kreativen Führung einen Umsatzanstieg von 4 bis 5 Prozent verzeichnen.

Preiserhöhungen bleiben Option, aber ...

Wenn man einen Schritt zurücktritt, wird das Bild differenzierter. Das Licht am Ende des Tunnels mag noch nicht blendend sein – aber es könnte bereits beginnen, wie ein Schaufenster am Place Vendôme zu leuchten.

Die Nachfrage in den USA scheint nun weitgehend eingepreist zu sein, nachdem sie in den letzten fünf Jahren um 25 Prozent gewachsen ist und eine K-förmige Erholung durchlaufen hat – wobei sich nur diejenigen am oberen Ende des K eine Kelly-Tasche leisten können. Es wird schwierig sein, die Erwartungen zu übertreffen, da die Märkte bereits ein kumulatives Wachstum von 10 Prozent für die nächsten zwei Jahre einpreisen.

Preiserhöhungen bleiben eine Option, aber nach mehreren Jahren mit durchschnittlichen jährlichen Preiserhöhungen von über 10 Prozent könnte sich die Nachfrageelastizität wieder bemerkbar machen. Und wenn Innovationen darauf abzielen, die Zugänglichkeit zu verbessern, könnten günstigere Preise automatisch die Margen belasten. Selbst im Luxussegment kann das Gleichgewicht zwischen Preis, Volumen und Attraktivität nicht ewig bestehen bleiben.

Wird China die positive Überraschung?

Das Jahr 2025 war auch geprägt von einer beispiellosen Welle von Wechseln bei den Kreativdirektoren der grossen Modehäuser. Innovationen und neue Talente sollten nach und nach ihre Wirkung entfalten und eine Rückkehr zum Wachstum unterstützen – aber Kreativität braucht ebenso wie Handwerkskunst Zeit. Nach Jahren, die von Preissetzungsmacht geprägt waren, scheint der Sektor nun in eine Ära der Preissetzungsgeduld einzutreten.

Schliesslich bleibt China der entscheidende Schwankungsfaktor. Nach zwei Jahren starker Kontraktion sind die Erwartungen derzeit gedämpft – aber genau diese Vorsicht könnte China zur Hauptquelle positiver Überraschungen machen. Der schwache private Konsum und erneute Belastungen im Immobiliensektor machen ein gross angelegtes Konjunkturpaket immer wahrscheinlicher, das möglicherweise bereits bei den Parlamentssitzungen im März angekündigt wird.

Starker Euro ist ein teurer Luxus

Auf der anderen Seite bleiben die exogenen Risikofaktoren bestehen. Der erste betrifft die Wechselkurse. Die Märkte gehen für dieses Jahr von einem Dollar-Euro-Kurs von 1.20 aus und erwarten gleichzeitig eine Verbesserung der Margen um 150 Basispunkte auf 66 Prozent. Der Euro, der zwei Drittel der Kostenbasis ausmacht, hat jedoch innerhalb weniger Tage um 4 Prozent zugelegt (+17 Prozent gegenüber den Tiefstständen von 2025). Auch wenn Absicherungsstrategien einen Teil des Schocks auf die Margen abfedern können, belasten ihre Kosten dennoch die Rentabilität. Vor allem aber belastet der Anstieg des Euros den Absatz, insbesondere bei den günstigeren Artikeln. Der starke Euro ist ein teurer Luxus.

Das Steuerrisiko ist die zweite Schwachstelle. Die sogenannten «ausserordentlichen» Steuermassnahmen, mit denen in diesem Jahr 7 Milliarden Euro eingenommen werden sollen (wie im französischen Haushalt festgelegt) könnten die Gewinne um 5 bis 6 Prozent schmälern. Jacques Audiards Bonmot erscheint zunehmend zutreffend: «Zwei Milliarden Steuern? Das ist kein Haushalt, das ist bewaffneter Raubüberfall.» Ursprünglich als einmalige Massnahme konzipiert, wurde die Steuer 2026 verlängert – wodurch sie faktisch zu einer zweifachen Massnahme wurde – wobei die Gefahr einer Verlängerung bis 2027 nach wie vor sehr real ist. Milton Friedman und Jacques Audiard hätten sich wohl auf diese einfache Wahrheit geeinigt: «Nichts bringt uns dem ewigen Leben näher als eine befristete Steuer.»

Hoffnungen sind bereits eingepreist

Schliesslich gibt es noch die Bewertung. Europäische Luxusgüter werden derzeit nach einer deutlichen Neubewertung mit dem 26-fachen der für 2026 erwarteten Gewinne gehandelt. Die Aktienkurse haben die Aussicht auf eine zyklische Erholung und eine erneute Beschleunigung der Konjunktur begrüsst, während die Spuren, die der jüngste Umsatz- und Gewinnrückgang hinterlassen hat, weitgehend übersehen wurden. Auf diesem Niveau sind die Hoffnungen bereits eingepreist.

Von hier aus benötigt der Sektor nicht nur eine Erholung, sondern muss auch die ohnehin schon grosszügigen Gewinnerwartungen deutlich übertreffen, um die aktuellen Bewertungskennzahlen zu rechtfertigen.