Automobiles Alpenglühen: BMW bringt Alpina zurück
Der Ort für das exklusive Preview Anfang Mai war mit Bedacht gewählt: das Chiemgauhof Lakeside Retreat. Der Poolbereich, mit Blick auf den See, ist eigens von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Und dann fällt das Tuch.
Was darunter zum Vorschein kommt, hat automobilhistorische Bedeutung: Der Vision BMW ALPINA ist ein Bekenntnis: zur Geschichte einer Marke, die 1965 in Buchloe, etwas westlich von München, begann, und die seit dem 1. Januar 2026 offiziell Teil der BMW Group ist.
Seinen ersten offiziellen Auftritt hatte der Concept Car dann eine Woche später in der Villa d'Este am Comer See.

Vision BMW ALPINA: Zwei Logos, eine Botschaft. (Bild: BMW Alpina)
Von Buchloe in die BMW-Familie
BMW Alpina hat eine reichhaltige, einzigartige Geschichte Burkard Bovensiepen gründete das Unternehmen, ursprünglich aus der Schreibmaschinenindustrie kommend, mit einer klaren Philosophie: Geschwindigkeit und Komfort schliessen einander nicht aus.
Während Mitbewerber im Rennsport jedes Gramm Gewicht eliminierten, polsterte Bovensiepen die Fahrersitze zusätzlich. Ein entspannter Fahrer, so seine Überzeugung, ist ein besserer Fahrer.
Seit 1983 war Alpina als eigenständiger Automobilhersteller zugelassen. Im März 2022 gab die BMW Group bekannt, die Markenrechte zu übernehmen. Die Familie Bovensiepen – zuletzt geführt von den Söhnen Florian und Andreas Bovensiepen – behielt bis Ende 2025 die operative Kontrolle. Seit Jahresbeginn 2026 ist der Übergang vollzogen. Alpina ist jetzt BMW.

Die Souveränität der grossen Räder: vorne 22-Zoll, hinten 23-Zoll. (Bild: BMW Alpina)
Lücke zwischen M-Modellen und Rolls-Royce
Die strategische Logik ist klar. «BMW ALPINA schliesst in unserem Portfolio die Lücke zwischen BMW und Rolls-Royce und eröffnet zusätzliches Potenzial im Top-End-Segment», erklärt Oliver Viellechner, der als VP die neue Konzernmarke verantwortet.
Es geht also nicht nur um zusätzliche sportliche Schärfe wie bei den M-Modellen, sondern um Raffinement, Geschwindigkeit und souveränen Komfort. Das verwendete Leder etwa orientiert sich an jenem von Rolls-Royce: vollnarb, von ausgewählten Gerbereien der Alpenregion bezogen.
Mit Alpina stösst BMW damit in eine neue Nische vor. Vergleichbar ist die Integration mit jener von AMG bei Mercedes oder von Cupra im Volkswagen-Konzern, auch wenn die Ausrichtung eine andere ist.

Cockpit des Konzeptwagens. (Bild: BMW Alpina)
Design-Erbe, gekonnt modernisiert
Der Vision BMW ALPINA ist 5.200 mm lang, breit, flach und souverän. Die lang gestreckte Coupé-Dachlinie fliesst nach hinten ab und bietet Platz für vier Personen.
Angetrieben wird die Studie von einem V8-Motor mit dem charakteristischen Alpina-Sound: sonor in der Zurückhaltung, kraftvoll bei hohen Drehzahlen. Es ist keine Elektrostudie und das ist eine bewusste Entscheidung.
Das Design-Leitmotiv ist die sogenannte «speed feature line»: Mit sechs Grad Neigung zieht sie sich von den unteren Ecken der Front bis ins Heck und strukturiert das gesamte Fahrzeug.
Die historische Alpina-Konstante der «Shark Nose» interpretiert die BMW-Niere als skulpturales, dreidimensionales Element neu, inspiriert vom B7 Coupé der späten 1970er-Jahre, das auf dem E24 der 6er-Reihe basierte und erstmals Alpinas Philosophie auf ein echtes Luxusautomobil übertrug.

Automobilhistorische Bedeutung: BMW Alpina ist wieder da. (Bild: BMW Alpina)
Die Kunst des zweiten Blicks
«Jedes Detail verkörpert Substanz – in der Ingenieurskunst, in den Materialien und in der Geschichte, die es erzählt. Die Statements sind bewusst subtil gehalten und erschliessen sich oft erst auf den zweiten Blick», sagt Maximilian Missoni, der bei BMW für Design in der oberen Mittelklasse, Oberklasse und BMW Alpina verantwortlich zeichnet.
Dieses Prinzip des «Second Read» durchzieht den gesamten Concept Car.
Die seit 1974 charakteristischen Deko-Linien wurden modernisiert und unter dem Klarlack direkt auf die Karosserieflanke aufgebracht. Ein warmer Weisston prägt die Tagfahrlichtsignatur, inspiriert vom ersten Licht über den bayerischen Alpen. Die 22- bzw. 23-Zoll-Räder greifen das 20-Speichen-Design auf, das seit 1971 zu Alpina gehört.
Innen setzt sich die speed feature line fort, trennt helle und dunkle Zonen, und hinter der Mittelkonsole schwebt per selbstöffnendem Mechanismus ein Kristallglas-Set empor: jedes Glas mit 20 Deko-Linien graviert, um sechs Grad geneigt, sanft illuminiert.

Die Scheinwerfer als farbliche Hommage an einen Sonnenaufgang in den Alpen. (Bild: BMW Alpina)
Bald als Serienmodell
Modellpräsentationen atmen oftmals einen Geist abgeklärt-höflicher Professionalität. Das Fachpublikum hat schon vieles gesehen und ist schwer zu beeindrucken. Am Chiemsee aber sprühten die Funken echter Begeisterung.
Adrian van Hooydonk, Leiter BMW Group Design, formuliert den Anspruch so: «Der Vision BMW ALPINA demonstriert, wie sich diese Qualitäten in einer modernen, klaren Formensprache ausdrücken lassen, und zeigt auf, wohin wir die Marke in Zukunft führen werden.»
Bereits im kommenden Jahr soll das erste Serienmodell der neuen BMW-Alpina-Ära lanciert werden. Ausgangspunkt dafür ist offenbar die 7er-Reihe, aber unverkennbar Alpina. Dem Vernehmen nach mit Verbrennungsmotor.
Ein weiteres Modell soll bald folgen. Bei BMW ist es üblich, dass sich die Modelle für den Markt eng am Design des Konzepts orientieren.















