Jauch entdeckt: Passionsfrucht zum Apéro

Eine Passionsfrucht muss man nicht erklären. Man schneidet sie auf, und sie ist sofort präsent: die leuchtende Farbe, der Duft, der an die Tropen denken lässt, diese Mischung aus Frucht, Säure, Frische und einem kleinen Versprechen von Ferne. Passionsfrucht hat eine direkte Sprache.

Ich merke das immer wieder an Events. Wenn ich Cocktails mit Passionsfrucht mitbringe, sind sie schneller weg als des Bäckers frische Gipfeli am Morgen, zuletzt an einem Corporate Event für die Schminkbar in Zürich. Kaum kommt die Passionsfrucht ins Glas, greifen die Gäste zu. Vielleicht ist es diese Spannung, die sie so interessant macht: eine schöne süss-saure Balance, die exotische Energie ins Getränk bringt und dabei elegant bleibt.

Daran musste ich denken, als ich das erste Mal den Passionsfrucht-Tee von TeeGschwendner im Glas hatte. Ich hatte am Vortag meine Teekanne nicht ausgetrunken, sodass am nächsten Tag ein Rest inzwischen erkalteten Tees übrig blieb. Die Frische und die Aromatik haben mich sofort gepackt. Das ist knapp zehn Jahre her, damals wusste ich noch nichts von Cold Brew.

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Sommer, Exotik, Feriengefühl. (Bilder: zVg)

Ein immer frischer Tee

Viele Früchtetees haben ein Problem: Sie duften gross und schmecken dann leider nicht so, wie es die Nase versprochen hat. Beim Passionsfrucht-Tee von TeeGschwendner ist das anders. In der Nase ist alles da: Sommer, Exotik, Feriengefühl. Am Gaumen bleibt er saftig und zeigt eine feine Säure, die jeden Schluck zur Erfrischung macht.

Auf dem Papier ist es ein Früchtetee aus Apfelstücken, Hibiskusblüten, Maracujagranulat, Mango und Saflorblüten. Diese Zutaten braucht es, weil die Passionsfrucht allein als Tee nicht funktionieren würde. Doch egal, welche Variante man wählt, ob warm aus der Tasse oder kalt aus dem Glas: Dieses Getränk zeigt, was entstehen kann, wenn die Passionsfrucht gut begleitet wird.

Ein perfekter Tee für Cold Brew

Natürlich kann man ihn klassisch aufbrühen. Warm zeigt er eine weichere Seite, die Passionsfrucht wird runder, und die Mango stellt sich etwas mehr in den Vordergrund. Das funktioniert gut. Im Sommer aber trinke ich Früchtetee am liebsten als Cold Brew. Um die vollen Aromen aus den Früchten zu holen, brühe ich 30 Gramm Tee fünf Minuten lang mit 2 Deziliter heissem Wasser auf und gebe anschliessend 8 Deziliter kaltes Wasser dazu. Dann geht es für mindestens sechs Stunden in den Kühlschrank. Das Ergebnis ist ein grossartiges Erfrischungsgetränk, dem man keinen Zucker hinzufügen muss und das auch Kindern schmeckt.

Wenn ich den Passionsfrucht-Tee warm geniesse, gebe ich drei Gramm getrocknete Apfelminze dazu. Das verleiht ihm einen zusätzlichen Geschmackslayer.

Tee als Wein-Ersatz

Gerade dieser Aspekt interessiert mich derzeit sehr. Wir sprechen viel darüber, dass weniger und bewusster Alkohol getrunken wird, und wir denken über Alternativen nach. Oft wird daraus eine etwas angestrengte Diskussion. Dabei liegt die Lösung manchmal viel näher. Ein guter Tee, sauber komponiert, richtig serviert und mit einem kleinen Twist versehen, kann am Nachmittag, vor dem Essen oder an einem warmen Abend genau richtig sein. Übrigens ist Tee, ob schwarz, gelb, weiss oder grün, auch ein grossartiger Essensbegleiter. Wer auf Koffein achten muss, wählt abends besser eine koffeinfreie Variante, um gut schlafen zu können.

Unser Tee des Monats ist allerdings gar kein Tee im herkömmlichen Sinne. Streng genommen entsteht Tee nur aus der Teepflanze «Camellia sinensis», aus der sich die verschiedenen Farben ergeben, von weiss über gelb und grün bis schwarz. In der Schweiz trinken wir dagegen viele Kräuter- und Früchtetees, klassische Infusionen.

Frucht, die Leben ins Glas bringt

Doch zurück zum Passionsfrucht-Tee von TeeGschwendner. Er lässt sich wunderbar als Essensbegleiter einsetzen. Zu asiatischer Küche, zu Curry, zu leicht scharf gewürzten Gerichten, zu gebratenem Gemüse oder zu Desserts mit Mango, Kokos, Joghurt und Zitrus harmoniert er bestens. Er bringt Frucht, Frische und Temperatur an den Tisch, öffnet den Gaumen und lässt Raum für das Essen, die Gespräche und den Moment.

Für mich gehört er deshalb weniger in die Tasse als in die Karaffe: kalt aus dem Kühlschrank, in einem grossen Glas mit Eis, dazu ein paar frische Blätter Apfelminze und, wer mag, ein Stück Passionsfrucht. Dann kann die Frucht das tun, was sie am besten kann, und bringt sofort Leben ins Glas.


Genuss-Tool

… Zubereitung: Warm aufbrühen, mit kaltem Wasser strecken, abkühlen lassen und für sechs Stunden in den Kühlschrank stellen. Am nächsten Tag kalt geniessen.
… Cold Brew: Wer es noch sanfter mag, setzt den Tee direkt kalt an und gibt ihm zwölf Stunden Zeit.
… Frische-Layer: Einige Blätter Apfelminze bringen dem warmen Tee eine feine, grüne Frische und mehr Tiefe.
… Servieren: Grosses Glas, gerne aus der Karaffe. So wirkt der Tee wie ein bewusst servierter Sommerdrink und nicht wie ein Heissgetränk von gestern. Wer mag, gibt noch Eis ins Glas.
… Essen: Sehr passend zu asiatischer Küche, Curry, leichten Sommergerichten, gebratenem Gemüse oder Desserts mit Mango, Kokos, Joghurt und Zitrus.


Jauch-Fazit

Passionsfrucht funktioniert, weil sie sofort Spannung ins Glas bringt. Der Passionsfrucht-Tee von TeeGschwendner nimmt diese Stärke auf und bleibt dabei angenehm unkompliziert. Warm aufgebrüht ist er zugänglich und rund.

Kalt, mit Eis und frischer Apfelminze, wird er zum frischen alkoholfreien Aperitif für den Sommer.


«Jauch entdeckt»: Die zweiwöchentliche finews-Kolumne, in der Peter Jauch Champagner und andere Getränke für Geniesser präzise einordnet und mit Praxis-Tipps ergänzt.