Schweizer floppen in Deutschland: Über 130 Millionen versenkt

Schweizer Private Banking ist in Deutschland bekanntermassen kein Exportschlager. Wie hoch die Verluste tatsächlich sind, liegt nun erstmals in Zahlenreihen vor.

Eigentlich wäre Deutschland als zweiter Heimmarkt für das Schweizer Private Banking prädestiniert: Man ist sich geografisch und kulturell nah, und es ist Heimat von über einer Million Millionären, die zusammen auf ein Vermögen von 3,5 Billionen Franken kommen.

Hunderte deutscher Milliarden landeten auch tatsächlich bei Schweizer Banken – als unversteuerte Vermögen. Niederlassungen und Kundenberater mussten in Deutschland nicht viel mehr tun als zu repräsentieren. Die Kosten dafür wurden durch die in der Schweiz mit deutschen Kunden gemachten Gewinne mehr als kompensiert.

Nur eine Bank schaffte es je in die schwarzen Zahlen

Allerdings weiss man in der Branche schon lange, dass der deutsche Markt ein hartes Pflaster für die Schweizer ist und nüchtern betrachtet kaum je Profit abgeworfen hat.

Der «Elite-Report» des «Handelsblatts» hat die Jahresabschlüsse von Schweizer Privatbanken in Deutschland untersucht. Und erstmals wird klar ersichtlich, wie tief das Millionengrab tatsächlich ist.

  • Seit 2008/2009 haben Julius Bär, J. Safra Sarasin, St. Galler Kantonalbank und Vontobel einen kumulierten Verlust von 130,1 Millionen Euro gemacht.
  • UBS und Credit Suisse sind nicht erfasst, da ihre deutschen Tochtergesellschaften auch Investmentbanking anbieten. Doch übersteigen ihre kumulierten Verluste ebenfalls die 100-Millionen-Grenze.
  • Julius Bär sitzt am tiefsten im Millionengrab – mit 61,1 Millionen Euro Verlusten seit 2008.
  • Nur J. Safra Sarasin hat es je in die schwarzen Zahlen gebracht, 2010 und knapp auch 2011. Jetzt sind die Zahlen wieder rot.
  • Die Deutschland-Expansion der St.Galler Kantonalbank, gestartet 2009, häuft jedes Jahr mehr Verluste an.
  • Nur Vontobel scheint das Kostenproblem etwas in den Griff zu bekommen, doch bleibt das Deutschland-Abenteuer auch hier in den roten Zahlen.

Hier die Entwicklungen im Detail:

JB GUV

 

Sarasin

SGKB GUV

Vontobel

Die Gründe für die verlustreichen Geschäfte sind vielfältig. Zunächst ist der deutsche Markt mit seinen Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken sehr zersplittert. Im Affluent-Segment mit Kunden bis zu einer Million Euro herrscht ein gnadenloser Kampf um Preise und Margen.

Hohe Gehälter und Antrittsprämien

Die Schweizer Banken haben darum in den letzten Jahren stärker versucht, sich im HNW-Segment klarer zu positionieren, was aber mit hohen Personal- und Aufbaukosten verbunden ist.

Die Gehälter für Kundenberater sind überdurchschnittlich hoch. Antrittsprämien werden bezahlt, um mit dem Berater an Neugeld heranzukommen. Gemäss Elite hat eine Bank bis zu 70'000 Euro als Antrittsprämie bezahlt. Weil die Margen aber tief sind, lassen sich  Akquisitionsstrategien nur sehr zäh monetarisieren. Bis ein Kundenbetreuer profitabel arbeitet, kann es Jahre dauern.

Julius Bär bleibt unverdrossen

Teilweise sind die Schweizer Player daran, ihre Strategien anzupassen. Die Credit Suisse will aus dem Affluent-Geschäft aussteigen. Vontobel hat die On- und Offshore-Aktivitäten zusammengelegt. J. Safra Sarasin restrukturiert das Deutschland-Geschäft, steckt aber auch in Turbulenzen wegen der Windreich-Pleite. Nur Julius Bär scheint unverdrossen auf Expansionskurs zu bleiben. Das Haus hat kürzlich in Mannheim seine achte deutsche Niederlassung eröffnet.

Der ab 2014 gültige freie Marktzugang für Schweizer Banken in Deutschland mag für einige bislang noch passive Banken eine attraktive Chance darstellen, da ab dann Kundenberater grenzüberschreitend arbeiten dürfen.

Für bereits aktive Banken können sich Kosteneinsparungen durch den Abbau von bestehenden Doppelspurigkeiten ergeben. Allerdings nicht für lange: Bereits 2017 wird der Marktzugang mit einer europaweiten Regelung voraussichtlich wieder verschärft.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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