Was der UBS nach dem US-Deal droht

Diesen Mittwoch soll die UBS in diversen Skandalen eine Einigung mit den USA erzielen. Doch was kommt danach? Sechs Antworten auf die drängendsten Fragen.

1. Kommt jetzt der Wendepunkt in der Bussen-Serie?

Medienberichten zufolge könnte die UBS – und mit ihr die Grossbanken Barclays, Royal Bank of Scotland, Citigroup und J.P. Morgan – diesen Mittwoch einen Schlussstrich unter ihre Verfehlungen rund um die Devisen- und Zinsmanipulationen ziehen. Doch der Bank droht gerade in den USA noch weiteres Ungemach – an mehreren Fronten.

Zum einen hat die New Yorker Staatsanwaltschaft in der Causa «Dark Pools» bereits angeklopft. Diese Plattformen gelten als intransparent und öffnen Hochfrequenzhändlern Tür und Tor zu Spekulationen, so der generelle Vorwurf. Die UBS zählt zu den wichtigsten Anbietern solcher Transaktionen abseits der Börse. Im Visier der US-Behörden steht die UBS auch wegen Manipulation der Preise für Gold, Silber, Platin und Palladium.

2. Was bedeutet das Schuldbekenntnis für das US-Geschäft?

Die Einigung der Banken mit dem US-Justizministerium im Forex-Skandal steht zwar noch aus. Dessen ungeachtet hat hinter den Kulissen schon das grosse Feilschen für die Zeit danach begonnen: Wie die Agentur «Reuters» berichtete, wollen die Banken Zusicherungen, dass sie auf Grund der Busse nicht von bestimmten Geschäften in den USA ausgeschlossen werden. Die Verhandlungen, so die Agentur, hätten gar den Abschluss der Einigung verzögert.

Was die Banken von den US-Aufsichtsbehörden wollen, ist ein so genannter Waiver: Ohne diese Sonderbewilligung ist es den Instituten nach ihren Gesetzesverstössen nämlich untersagt, in den USA beispielsweise Pensionskassen zu bedienen. Zudem würde sich die Kapitalbeschaffung verteuern. Die UBS hat bereits im Steuerstreit einen solchen Waiver erhalten. Doch ob die Behörden nochmals ein Auge zudrücken, ist fraglich.

Dies umso mehr, als die Sondergenehmigungen in den USA politisch hoch umstritten sind. Was das bedeutet, erlebte dort kürzlich die UBS-Erzrivalin Credit Suisse.

3. Was heisst dies für den Geschäftsalltag bei der Bank?

Der Ruf der UBS in den USA ist arg angekratzt und laut Experten kann sich das Bankinstitut keine gröberen Schnitzer mehr erlauben, sonst droht der Entzug der Banklizenz in einem der wichtigsten Märkte. Und dieses Szenario will die UBS tunlichst vermeiden. Entsprechend ist mit einer weiteren Aufstockung des Überwachungsapparats – der Compliance – zu rechnen.

Unlängst hat die UBS angekündigt, ihre Compliance in Nashville (USA) mit signifikant mehr Personal auszustatten. Fehlbare Mitarbeiter sollen so identifiziert und allenfalls aussortiert werden, kündigte UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber kürzlich an. Wie gut sich in diesem Überwachungsklima produktiv und konstruktiv arbeiten lässt, ist eine andere Frage.

4. Drohen zivile Klagen?

Die UBS wird wohl nicht ohne Schuldeingeständnis davon kommen. Erklärte doch der Chef der Betrugsabteilung im Justizdepartement, Andrew Weissmann, dass das Abkommen aus dem Jahr 2012 im Libor-Skandal hinfällig sei und sich die UBS nun schuldig bekennen müsse. Ein solches würde zivile Schadenersatzklagen erleichtern.

Allerdings: Auch die Credit Suisse hatte sich vor rund einem Jahr schuldig erklärt, Amerikanern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben – doch passiert ist bis anhin nichts. Bei der UBS liegt die Lage dennoch anders: Denn mit der Manipulation beim Libor wurden womöglich zahlreiche Investoren um ihre Erträge geprellt – eine Sammelklage in Milliardenhöhe ist somit nicht auszuschliessen.

5. Wie lange leidet die UBS-Aktie unter dem Bussen-Malus?

Seit Beginn der «Transformation» der UBS Ende 2011 hat sich der Börsenwert der Grossbank um mehr als 60 Prozent erhöht – zudem zahlt das Unternehmen für 2014 eine Sonderdividende an ihre Aktionäre. Dennoch: Die UBS-Aktie bleibt hinter dem Schweizer Gesamtmarkt zurück. Nicht zuletzt, weil ihr der Makel schwer kalkulierbarer Rechtsrisiken anhaftet. Das wiederholen Finanzinvestoren immer wieder (etwa hier und hier).

Dieser Makel wir bei der UBS auch nach der Einigung im Forex-Skandal nicht so schnell verschwinden, muss doch noch mit weiteren Rechtsrisiken gerechnet werden. Die Aktionäre können heute höchstens hoffen, dass das Bussen-Fegefeuer in einigen Jahren erlischt, und dass sie dann günstig an die Titel eines Players gekommen wären.

6. Wie werden die Altlasten ein für allemal beseitigt?

Vor dem Hintergrund der jüngsten Verurteilungen wird vollends klar, dass sich die beiden Schweizer Grossbanken fundamental neu formieren müssen. Es wird nicht ausreichen, etwa das Investmentbanking herunter zu fahren oder eine Schweiz AG zu gründen. Derlei Massnahmen sind bloss Kosmetik angesichts der anhaltenden Bedrohung (siehe Punkt 1) aus dem Ausland.

Um die Zukunft in der internationalen Finanzwelt an vorderster Front mitgestalten zu können, werden die UBS und die Credit Suisse letztlich näher zueinander finden müssen. Sie sollten einzelne Geschäftsbereiche (Fondsverwaltung, Asset Management, Custody) fusionieren, um so den globalen Konkurrenten die Stirn bieten zu können. Mittel- bis langfristig müssen die Schweizer Grossbanken ihre Kräfte konzentrieren. Nur so können sie erfolgreich bleiben. Diese neuen Firmen mit klar schweizerischer Ausprägung, aber international positioniert, wären befreit von den vielen Altlasten, mit denen sich die schwerfälligen Gebilde von heute noch herumschlagen müssen.

Das Abkommen mit der US-Justiz muss daher als Chance verstanden werden, welche die Transformation der Schweizer Grossbanken erheblich beschleunigt.

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