EFG: Heisse Wette auf den Tod

Hauptsitz von Transamerica, San Francisco

Hauptsitz von Transamerica, San Francisco (Bild: Shutterstock)

Diese Überraschung dürfte den Aktionären von EFG International, welche heute über die für den Kauf der Tessiner Privatbank BSI nötige Kapitalerhöhung zu befinden haben, wenig Freude bereiten. Am Freitag gab die Zürcher Privatbank nicht nur eine Gewinnwarnung für das erste Jahresviertel aus. Sie schlug auch Alarm bezüglich einer neuerlichen Problemzone.

Konkret handelt es sich um ein Portefeuille von amerikanischen Lebensversicherungs-Policen, das die Privatbank als Investment hält. Wie auch finews.ch berichtete, hat der Versicherungsgeber, die US-Firma Transamerica, die Prämien für zwölf der 48 Policen bei der EFG stark erhöht, was direkte Folge auf den Wert der Investments hat.

Handfestes Risiko

EFG kündigte an, die als ungerechtfertigt empfundenen Erhöhungen in den USA vor Gericht anzufechten. Gleichzeitig warnte das Institut, dass es bei Prämienerhöhungen von weiteren Policen möglicherweise «signifikanten» Wertminderungen im Portefeuille kommen könnte.

Wie sich zeigt, ist das ein handfestes Risiko. Insgesamt hält die Privatbank nach eigenen Angaben rund 217 Policen; bereits letzten Juli hatte EFG erstmals vor möglichen Wertminderungen bei den damals mit 768 Millionen Franken in der Bilanz verbuchten Investments gewarnt.

Versicherern steht das Wasser zum Hals

Dieses Szenario erscheint zunehmend realistisch, steht doch den Emittenten der in den USA als «Annuity» bekannten Lebensversicherungen das Wasser bis zum Hals. Die extrem tiefen Zinsen und die steigenden Lebenserwartung der Versicherten führen dazu, dass die Garantieleistungen die Einnahmen aus den Prämien zunehmend übersteigen.

Die Versicherer sehen nur einen Ausweg: Prämiensteigerungen.

Im Falle von Transamerica fallen diese massiv aus. Wie in US-Medien verschiedentlich berichtet wurde, will die Versichererin bei Policennehmern Prämiensteigerungen von bis zu 75 Prozent vornehmen. Wer nicht zahlt, dem droht Transamerica, die ihr Imperium vom «Pyramid» genannten Hauptsitz in San Francisco aus regiert, mit der vorzeitigen Kündigung.

Konsumentenschützer klagen

Das hat inzwischen Konsumentenschützer auf den Plan gerufen, die letzten März in Los Angeles eine Sammelklage gegen Transamerica einreichten. Allerdings ist der Versicherer nicht alleine in der Branche mit solch brachialen Massnahmen. Wie etwa das Branchenportal «Insurancenewsnet» berichtete, geht eine US-Tochter des auch in der Schweiz tätigen Versicherungskonzerns Axa ähnlich vor.

Der Trend bringt auch EFG in eine delikate Lage. Die Privatbank hat solche Policen zwar nicht gezeichnet – sie hat sie aber gekauft. In den USA gelten Annuities als eine interessante und kaum von den Börsen abhängige Anlage.

Profiinvestoren erwerben sie von den ursprünglichen Haltern und zahlen die Prämien weiter. Die Wette dahinter: Je schneller die Policennehmer sterben, desto geschwinder gelangen die neuen Besitzer an die Versicherungsleistungen. Leben erstere jedoch lange und steigen überdies die Prämien, haben die Investoren das Nachsehen.

Ihre makaber anmutende Spekulation auf den Tod geht dann nicht mehr auf.

1 Milliarde Dollar «verpulvert»?

Das Analysehaus Kepler Chevreux schätzte in in einer Studie, dass EFG seit dem Kauf der Policen im Jahr 2007 rund 1 Milliarde Dollar für das Investment aufgeworfen hat. Bis letzten Juni habe die Bank nach Todesfällen von Versicherungsnehmern 250 Millionen Dollar eingenommen. Demnach brauch es weitere 745 Millionen Dollar, um «Cash-neutral» wieder aus dem Engagement herauszukommen, rechnet Kepler Chevreux vor.

Das werde aber nicht einfach sein, warnen die Analysten weiter. Und derweil binde das Portefeuille zweifellos enorme Management-Kapazitäten. Besser wäre es deshalb, EFG würde die Policen so schnell wie möglich abstossen – wenn nötig zu einem saftigen Abschlag.

Stolperstein zur Unzeit

Bisher ist das Management der Privatbank diesem Ratschlag nicht gefolgt. Klar ist indes, dass das eine halbe Milliarde Franken schwere Engagement zum Klotz am Bein der EFG-Banker wird, die nun bis zu 500 Millionen Franken frisches Kapital für die Übernahmen der BTG-Tochter BSI lösen wollen.

Ein Kauf überdies, bei dem weiterhin viele Fragezeichen bestehen, wie finews.ch kürzlich urteilte.

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