Bonus-Verzicht bei der Deutschen Bank: Kulturwandel geglückt?

John Cryan, CEO Deutsche Bank

Ein Top-Manger der Deutschen Bank stellt einen erneuten Bonusverzicht in Aussicht. Unter CEO John Cryan scheint sich tatsächlich ein Kulturwandel vollzogen haben. Man blickt gespannt auf die CS.

Im Jahr 2015 hatte die Deutsche Bank einen Milliardenverlust erlitten – konsequenterweise verzichtete das Top-Management um den neu angetretenen CEO John Cryan auf seinen Bonus. Auch der Bonustopf für die Angestellten fiel deutlich kleiner aus.

Cryan hatte bereits bei seinem Antritt der Kultur um hohe Löhne und Boni eine Absage erteilt. Nach dem ersten Verlust der Deutschen Bank seit 2008 im vergangenen Jahr waren die Aktionäre ebenfalls leer ausgegangen; Cryan sagte, er fühle sich «persönlich verantwortlich« dafür.

«Keine Dividende – kein Bonus»

In diesem Jahr hat sich die Deutsche Bank etwas gefangen, im zweiten Quartal schaffte sie es knapp in die schwarzen Zahlen. Aber das Management bleibt offenbar im Verzichtsmodus, wie aus einem Interview mit dem Chef für das Privatkundengeschäft Christian Sewing in der «Bild»-Zeitung (Artikel bezahlpflichtig) am Mittwoch hervorgeht.

Christian Sewing

Sewing sagte: «Wenn wir unseren Aktionären keine Dividende zahlen, dann muss auch unser eigener Bonus zur Debatte stehen.» Wie üblich entscheidet darüber im Prinzip der Verwaltungsrat. Aber die Botschaft ist deutlich: Bei schwachen Ergebnisssen will die Geschäftsleitung der Deutschen Bank auf ihren Bonus verzichten.

Überdurchschnittlich wohlwollend

Dieser Verzicht hat eine simple und eingängige Logik. Schafft es die Bank nicht, für ihre Aktionäre einen Gewinn zu erzielen, ist das die Schuld des Managements. Nur: Diese Logik ist in den Top-Etagen von Grossbanken bislang nie konsequent angewendet worden.

Stattdessen zeigen sich Geldinstitute im Vergleich zu anderen Industrien gegenüber ihren Aktionären überdurchschnittlich wohlwollend. Es werden auch hohe Dividenden bezahlt, wenn es weder Gewinnausweise noch Kapitalsituation erlauben würden, wie eine Studie über die schlecht kapitalisierten Banken Europas der Ökonomen Sascha Steffen (ZEW Institut), Viral Acharya (New York University Stern) und Diane Pierret (Universität Lausanne) zeigte.

Dividende zahlen, Boni beziehen

Der stichhaltige Grund dafür: Eine Bank, die Geld an Aktionäre ausschüttet, sendet ein positives Signal der Sicherheit an Gläubiger und Kontoinhaber.

Einen anderen Grund lieferte indirekt Deutsche-Bank-Manager Sewing im «Bild»-Interview. Zahlt nämlich eine Bank Dividenden, kann sie auch die üblichen Boni zahlen.

Oder eben umgekehrt: Keine Dividende, kein Boni. Diese Denkweise – in die Praxis auch umgesetzt – ist tatsächlich Zeichen eines Kulturwandels im Banking.

Kapitaldecke schützen

Für die «traditionelle» Kultur der Boni und Dividenden, die auch bei schlechten Resultaten fliessen, steht unter anderem die Credit Suisse (CS).

Sie zahlte ihren Aktionären für das Jahr 2015 eine Dividende von 70 Rappen pro Aktie, nachdem sie im vierten Quartal tief in die roten Zahlen abgerutscht war.

Dabei nutzte die CS, die kurz zuvor noch von ihren Investoren 6 Milliarden Franken frisches Kapital eingefordert hatte, einen Kniff: Sie liess den Aktionären die Wahl, die Dividende in bar oder in neuen Aktien zu beziehen, um die nun etwas festere Kapitaldecke nicht nochmals zu strapazieren.

Hohe Boni trotz Absturz

CEO Tidjane Thiam dachte auch angesichts der nun offen zu Tage getretenen Schwächen der CS nicht daran, auf seinen Bonus zu verzichten: Für sechs Monate Arbeit als Turnaround-Manager kassierte er 2,9 Millionen Franken, zusätzlich zu seinem Fixgehalt von 1,7 Millionen Franken. Insgesamt zahlte die CS an ihre Manager Boni in der Höhe von 34,6 Millionen Franken aus.

Thiam liess nicht aus, darauf hinzuweisen, dass seine Vergütung 40 Prozent unter der Summe gelegen sei, die ihm eigentlich zugestanden hätte. Ähnlich das Verhalten von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner, der die Lohnpolitik in der Bank absegnet: Trotz seiner grossen Verantwortung für die Misere bei der CS erhielt er für seine Arbeit im Jahr 2015 rund 3 Millionen Franken. Trotz eines Teilverzichts gehört er damit weiterhin zu den am höchsten bezahlten Verwaltungsräten in Europa.

Schon unter Brady Dougan üblich

Schon unter Brady Dougan fuhr die CS diesen Kurs: Seit dem Jahr 2010 bezahlte die Bank ihren Aktionären die Dividende ganz oder teilweise aus den Kapitalreserven, obwohl sie sich das eigentlich gar nicht hätte leisten können.

In den Jahren 2011 und 2012 musste sie ihr Eigenkapital stärken, auch nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) sie praktisch dazu angewiesen hatte.

Kulturwandel bei CS nicht ersichtlich

Gleichzeitig blieben die Bonustöpfe für die Geschäftsleitung in jenen Jahren des schleichenden Niedergangs der CS prall gefüllt.

Die Art des Kulturwandels bei der Deutschen Bank ist bei der CS, die in ähnlich tiefen Schwierigkeiten steckt, nicht ersichtlich. Zwar wird sie im laufenden Jahr in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Aber den Turnaround hat sie damit noch lange nicht geschafft.

Dennoch: Die Dividende wird wohl nicht angetastet werden – und die Boni der CS-Manager auch nicht.

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