Wo der Immobilienmarkt aus den Fugen ist

Nicht nur die Nachfrage treibt die Immobilienpreise – sondern auch viele gesetzliche Regeln: Martin Hess über den unterschätzten Angebots-Aspekt.

Martin_Hess_119x168Martin Hess ist Leiter Wirtschaftspolitik bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

Auch auf dem Immobilienmarkt werden die Preise von Angebot und Nachfrage bestimmt. In der öffentlichen Wahrnehmung macht man jedoch ausschliesslich die steigende Nachfrage für die Preishausse verantwortlich. Diese wird durch die tiefen Zinsen und die hohe Zuwanderung angefeuert.

Entsprechend beschränken sich die Rezepte, um den steigenden Preisen Herr zu werden, allein auf die Eindämmung der Nachfrage.

Schläge ins Wasser

Die SNB droht den Banken mit der Aktivierung des antizyklischen Eigenkapitalpuffers und zielt damit auf eine Verteuerung der Hypotheken ab. Die unheilige Allianz aus links- und rechtskonservativen Kreisen ihrerseits zielt mit der Ecopop-Initiative auf eine Stabilisierung der Schweizer Wohnbevölkerung ab. In meinem an Heiligabend erschienenen, zusammen mit Angela Knuchel verfassten NZZ-Artikel argumentiere ich, dass solche Ansinnen meist ein Schlag ins Wasser sind.

Massnahmen, welche sich nur auf die Nachfrage konzentrieren, aber die zahlreichen Einschränkungen des Angebots ausser Acht lassen, sind entweder unwirksam oder können nur mit hohen volkwirtschaftlichen Kosten umgesetzt werden.

Was Bausubstanz mit Verdichtung zu tun hat

Preistreibende Faktoren sind beispielsweise die Anliegen für Landschafts- und Ortsschutz. Diese Einschränkungen der Bautätigkeit sind nicht schlecht per se. Es muss dem Volk lediglich klargemacht werden, dass sie nicht zum Nulltarif zu haben sind. Ein weiteres Beispiel, welche ein verdichtetes Bauen beschränken, sind Subventionen. Beiträge für energietechnische Investitionen oder steuerliche Abzüge für Renovationen führen in der Schweiz zu einer derart guten Bausubstanz, dass sich ein Abriss und ein Neubau in verdichteter Bauweise nicht rechnen.

Es ist Zeit, aufzuzeigen, dass zahlreiche gesetzliche Vorschriften die Bautätigkeit hemmen und dadurch die Immobilienpreise treiben. Gleichzeitig ist es auch Zeit, klar darzulegen, dass der Wert von Immobilien nicht immer nur nach oben zeigt, sondern genauso schwanken kann wie der Wert von Finanzanlagen.

Die im Sommer 2012 eingeführte Selbstregulierung der Banken zur Erteilung von Hypotheken hat bereits erste Wirkung gezeigt und einige Schwellenhaushalte von zu hoher Verschuldung abgehalten.

Wird nicht reiner Wein eingeschenkt, besteht die Gefahr von Betriebsunfällen an der Urne. Gerade abenteuerliche Vorschläge wie die Ecopop-Initiative oder direkte Eingriffe im Markt wie das Genfer Gesetz über die Abbrüche, Umbauten und Renovationen (LDTR) haben das Potential, den Immobilienmarkt aus den Fugen zu stossen.

Aus meiner Sicht das beste Rezept für die richtigen Entscheidungen ist einerseits die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Folgen von einschneidenden Eingriffe im Immobilienmarkt und andererseits die Information über die Preisrisiken vor dem Hauskauf.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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