Eine Sternstunde für aktive Fondsmanager

Aktive Fonds verzeichnen wieder signifikante Mittelzuflüsse. Darum sollte man sich bei solchen Produkten nicht nur an Kennziffern, sondern auch an der Researchkompetenz der Anbieter orientieren, sagt Amit Lodha. 

Amit Lodha ist Manager des FF - Global Focus Fund bei Fidelity Worldwide Investment

Seit Beginn des Jahres 2013 fliesst weltweit wieder Kapital in Anlagefonds, vor allem in aktiv gemanagte Fonds. Gemäss Zahlen des Datenlieferanten Lipper haben aktive Fonds von Januar 2013 bis inklusive dem 1. Quartal 2014 einen globalen Zufluss von 264 Milliarden Dollar verzeichnet.

Die aktiven Fonds haben damit deutlich mehr frisches Kapital angezogen als die passiven Produkte. Diese Entwicklung dürfte anhalten, denn in einem Umfeld steigender Kurse und aussergewöhnlich tiefer Zinsen vertrauen erfahrene Investoren ihr Kapital wieder bewusst solchen Fonds an, die durch eine gezielte Titelauswahl eine Mehrrendite erzielen können.

Sinkende Volatilität und Korrelation

Nachdem sich die makroökonomische Lage in Europa im vergangenen Jahr stabilisiert hat und der Einfluss politischer Faktoren, wie die europäische Staatsschulden- und Eurokrise, auf die Märkte abgenommen hat, ist auch die Marktvolatilität markant gesunken.

So tendiert der Volatilitätsindex VIX des S&P 500 seit Anfang 2013 bei 14,3 Prozent – verglichen mit dem Durchschnittswert von 20 Prozent der vergangenen 25 Jahre ist dies ein bescheidenes Niveau.

Schwankungsbreite des S&P 500 (VIX)
Fidelity Grafik 2

(Quelle: Datastream, Juni 2014)

Einhergehend mit der sinkenden Volatilität verliert auch die paarweise Aktienkorrelation an Stärke. Die Tendenz zweier beliebiger Titel eines Index sich im Gleichschritt zu bewegen, lässt messbar nach: Die durchschnittlichen Aktienkorrelationen im europäischen Markt sind von über 30 Prozent im Jahr 2011 auf mittlerweile 20 Prozent gesunken, was ebenfalls ein Indiz für die Vorteile des aktiven Investierens ist.

Beide Faktoren – nachlassende Volatilität und Korrelationen – bilden angesichts des stabilen gesamtwirtschaftlichen Ausblicks ein robustes Umfeld für Stockpicker, das voraussichtlich noch einige Zeit bestehen bleiben wird.

Einfluss unternehmensspezifischer Faktoren

Mit dem Weichen der politischen Unsicherheiten an den Märkten sind die Aktien aus dem kollektiven Trend entlassen. Unternehmensspezifische Faktoren stehen bei Anlageentscheiden von Investoren wieder verstärkt im Vordergrund.

Dies beweist der steigende Anteil an der Gesamtrendite, der zu Jahresbeginn 2014 weltweit 82 Prozent der Aktienkursentwicklung ausgemacht hat. In den Jahren 2011 und 2012 lag dieser Einfluss nur bei durchschnittlich 72 Prozent.

Aktives Management generiert mehr Rendite

Das ist die Sternstunde der aktiven Fondsmanager, die ihre Hausaufgaben – die Selektion einzelner Titel nach der genauen Analyse des Unternehmens – kontinuierlich fortgeschrieben haben. Denn nur mit einem fundierten und lokal verankerten Bottom-up-Ansatz lässt sich langfristig der Markt schlagen.

Zu diesem Ergebnis kommt auch die Studie «Active Share and Mutual Fund Performance» von Antti Petajisto aus dem Jahr 2013. Der Yale-Professor und Portfolio-Manager hat die Entwicklung von 2'740 US-Fonds zwischen 1980 bis 2009 untersucht und festgestellt, dass Fonds mit einem hohen Active Share eine jährliche Netto-Outperformance von 1,26 Prozent gegenüber der Benchmark erzielten.

Die Kennziffer Active Share beschreibt den vom Index abweichenden, aktiven Anteil eines Portfolios. Bottom-up-Manager generieren durch ihre selektive Titelwahl einen hohen Active Share – und dieser steht gemäss der genannten Studie in einer robusten Beziehung zu Überrenditen.

Umfassende Datenbasis und lokales Research

Um den Markt zu schlagen, reicht es natürlich nicht, ein Portfolio aktiv zu managen – es müssen schlicht auch die richtigen Titel selektiert werden. Neben der Analyse der relevanten Geschäftszahlen ist für einen erfolgreichen Bottom-up-Manager insbesondere die umfassende Recherche vor Ort durch Gespräche mit der Geschäftsleitung, Mitarbeitern, Zulieferern und Konkurrenten wichtig.

Nur so lässt sich das tatsächliche Potential von Unternehmen erkennen; alleine die Kenntnis von Informationen aus zweiter Hand reicht als Basis für erfolgreiche Anlageentscheidungen nicht aus.

Ideales Umfeld

Ich erachte das derzeitige Umfeld mit stabilen gesamtwirtschaftlichen Aussichten sowie markant gesunkener Volatilität und Titelkorrelationen als ideal, um durch ein echtes aktives Anlagemanagement die Marktentwicklung langfristig zu übertreffen.

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NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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