Swiss Banking: Run auf den Iran

Sepah Bank, Bild Shutterstock

Sepah Bank, Bild Shutterstock

Das Buhlen um den Iran nimmt mitunter groteske Züge an. So liess die italienische Regierung Anfang Woche antike Plastiken auf dem römischen Kapitol verhüllen, um den zu Besuch weilenden iranischen Präsidenten Hassan Rohani nur ja nicht vor den Kopf zu stossen.

Nichts sollte das  Investitions-Abkommen über 17 Milliarden Euro gefährden, dass Italien mit dem Iran plant.

Tatsächlich sind es keine zwei Wochen her, seit die einschneidenden Sanktionen gegen den Gottesstaat am Persischen Golf zu grossen Teilen gefallen sind – und sich das Tauwetter in einen richtiggehenden Föhnsturm verwandelte. Seither liefern sich insbesondere europäische Regierungen, Flugzeug- und Autobauer ein Rennen auf das, was sie als einen der letzten noch unberührten «Frontier»-Märkte der Welt erkennen. Und nicht nur sie.

Bundesrat hebt Meldepflicht auf

Wie sich zeigt, bläst mittlerweile auch das Swiss Banking zum Halali auf den in Sachen Finanzen als unterentwickelt geltenden Iran.

Sie tun das mit hochoffiziellem Plazet: Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) verbreitete am 19. Januar die vom Bundesrat beschlossene Totalrevision der Massnahmen gegenüber Iran – insbesondere wurde die Melde- und Bewilligungspflicht für Geldtransfers von und an iranischen Personen und Organisationen aufgehoben. 

Wie die Finma zudem am Donnerstag informierte, wird die iranische Bank Sepah von der Liste der sanktionierten Unternehmen gestrichen. Ein Aufbruchsignal für all jene, die sich in der hiesigen Finanzbranche Gedanken über das Potenzial des Gottesstaat machen.

Beat Wittmann in Teheran

Wie finews.ch berichtete, gehört dazu einer der bekanntesten Banker des Finanzplatzes: Beat Wittmann, Schwellenland-Spezialist und ehemals Top-Kader bei der UBS, CS und der Privatbank Julius Bär, später CEO der Finanzboutique TCMG Asset Management im Raffeisen-Verbund und nun mit seiner eigenen Beratungsfirma Porta Advisors unterwegs.

«Der Iran – aus der Kälte zurück», titelt Wittmann in seinem Reisebericht, den er bereits Ende 2015 publizierte. Er habe in Teheran eine ausgewählte Gruppe an Technokraten und Wirtschaftsvertretern getroffen, berichtet Wittmann. Und schloss aus seinen Erfahrungen, dass die Trends und Chancen im 78-Millionen-Einwohner-Staat «einzigartig» seien und über Jahre hinweg Bestand haben könnten.

Reyl mit iranischem Partner

Als erstes zur Tat geschritten ist nun aber die vom umtriebigen Ex-Investmentbanker François Reyl geführte Banque Reyl in Genf: sie ist mit Turquoise Partners eine Kooperation eingegangen, wie sie ebenfalls am Donnerstag vermeldete. Der Mitteilung zufolge handelt es sich bei Turquoise um einen führenden Finanzdienstleister im Iran.

Von Dubai aus lancieren die beiden Partner einen Fonds, der mittels Privatmarktplatzierungen im Iran investieren soll. Besonders im Visier sind die Branchen Konsumgüter, Gesundheit und Tourismus. Bis im Sommer wollen Reyl und Turquoise dazu 200 Millionen Dollar bei Investoren abgeholt haben.

Derweil bereiten heimische Research-Häuser wie die für ihre findigen Analysen bekannte KK Group in Zürich das Terrain für weitere Investoren und Vermögensverwalter vor.

Chancen über Chancen

So sieht die KK Group interessante Chancen im Bereich der Handelsfinanzierungen oder bei Direktinvestitionen und Joint-Ventures etwa im Autobau, in Pharma- und Telekommunikation oder in der Zementindustrie.

Aktienengagements stellen dabei eine vergleichsweise schnelle und angesichts der bestehenden Börsengesetze relativ einfache Möglichkeit dar, vom Aufschwung des Landes zu profitieren, so KKR.

Chancen über Chancen – und die Risiken treten in den Hintergrund. Dabei ist es nur wenige Tage her, da der Iran nicht zuletzt für Schweizer Banken eine absolute No-Go-Zone war.

Davon kann man bei der Credit Suisse (CS) ein Lied singen. Die Schweizer Grossbank wurde in den USA als Financier des Terrors dargestellt und musste aufgrund ihrer mutmasslichen Iran-Geschäfte im Jahr 2009 ganze 536 Millionen Dollar Busse zahlen.

Risiken so hoch wie nie?

Auch jetzt lauern zahlreiche Risiken, nicht zuletzt vonseiten der USA, die ihre Unternehmen weiterhin nicht dem Iran geschäften lassen.

Und iranische Organisationen wie die berüchtigten Republikanischen Garden – eine paramilitärische Organisation, die bis zu einem Viertel der iranischen Volkswirtschaft kontrolliert – bleiben weiterhin sanktioniert.

Kenner der Region wie Jonathan Friedman, Iran-Experte bei der amerikanischen Ermittlungs- und Forensik-Spezialistin Stroz Friedberg, raten deshalb zu grosser Vorsicht. «Ein ganzes Netzwerk von Sanktionen bleibt bestehen, und es kommen neue hinzu, etwa betreffend des iranischen Raketen-Programms. Gleichzeitig spitzen sich die Rivalitäten der Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran zu», sagt er auf Anfrage von finews.ch.

Damit scheinen, so Friedman, die Risiken für Investments in der Region so hoch wie nie.

 

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NEWS GANZ KURZ

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

Crealogix

Das Bankensoftwareunternehmen Crealogix hat für das Verwaltungsrechenzentrum St.Gallen (VRSG) ein Bankingportal für den Government-Bereich entwickelt. Die Zahlungsverkehrslösung deckt die neusten Anforderungen des Schweizer Zahlungsverkehrs ab. Sie lässt sich unabhängig von einem Online-Banking-Tool einsetzen.

Valartis

Die Valartis Gruppe hat den Vollzug der Übernahme der Liechtensteiner Tochter an die Citychamp Watch & Jewellery Group aus Hongkong abgeschlossen. Damit ist die letzte Voraussetzung für die Umsetzung der Sanierungspläne erfüllt.

Aargauer Kantonalbank

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat in Eigenregie eine neue Anleihe in der Höhe von 200 Millionen Franken aufgelegt. Die Laufzeit beträgt 8 Jahre, der Coupon 0,02 Prozent.

digitalswitzerland

DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

Fondsmarkt

Die Schweizer Fondbranche kratzt an der Billionen-Grenze. Wie der Branchendienst Swiss Fund Data vermeldete, erreichte das Vermögen der in der Schweiz gehandelten Anlagefonds letzten August rund 914 Milliarden Franken.

EIB

Die Europäische Investitionsbank finanziert die Forschung am Genfer CERN. Dies, indem sie dem Teilchenbeschleuniger eine Kreditfazilität von 250 Millionen Franken leistet. Das Geld wird zum Bau des nächsten CERN-Grossprojekts benötigt, dem High Luminosity Large Hadron Collider.

Finma

Die Eidgenössische Finanzmarkt-Aufsicht Finma nimmt ihre digitale Zustellplattform in Betrieb. Diese ermöglicht es den Beaufsichtigten und Prüfgesellschaften, Jahresberichte und weitere Dokumente elektronisch einzureichen. Mit SuisseID lassen sich die Dokumente zudem elektronisch signieren.

UBS

Mit einer Performance von durchschnittlich 0,5 Prozent schnitten die Pensionskassen im August leicht besser ab als im Monats-Durchschnitt seit Jahresbeginn. Das stellte der «Pensionskassen-Barometer» der Grossbank fest.

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