Brexit: Wo es noch Platz gibt

La Defense, Paris (Bild: Flickr.com)

La Defense, Paris (Bild: Flickr.com)

Die ungewisse Zukunft des Londoner Finanzplatzes nach dem Brexit-Votum veranlasst diverse Finanzinstitute, sich nach alternativen EU-Standorten umzuschauen. Ganz zur Freude der Standortförderer.

Der Chef der Schweizer Börse SIX, Urs Rüegsegger, will Nägel mit Köpfen machen. Anstatt abzuwarten, wie die britische Regierung den Austritt aus der Europäischen Union zu gestalten gedenkt, schaut er sich nach alternativen Standorten innerhalb der EU aus.

Deshalb hat die SIX Gespräche mit der deutschen Finanzaufsicht Bafin aufgenommen, wie auch finews.ch berichtete. Ebenso spielt UBS-Chef Sergio Ermotti mit dem Gedanken, an die 1'500 Jobs von London in andere Regionen Europas zu verschieben. 

Unter grossem Druck stehen auch die Wall-Street-Banken. Die grosse Mehrheit ihrer Angestellten in Europa ist in der «City» stationiert.

Buhlen um Londons Banker

Standortförderer von Dublin bis Madrid reiben sich ab solchen Verlagerungsplänen die Hände – sie wollen die Londoner Banker zu sich holen. Dafür rühren sich kräftig die Werbetrommeln.

Allerdings scheinen sie dabei einen wichtigen Faktor vergessen zu haben: ein ausreichendes Platzangebot. Zu diesem Schluss kommt der in Dublin ansässige Immobilienmakler Savills, wie die irische Tageszeitung «Independent» am Donnerstag berichtete.

Mangel an Infrastruktur

So haben laut Bericht Dublin, Madrid oder Amsterdam derzeit kein Bürokomplex, der Platz für 5'000 Mitarbeiter bietet. Zwar seien entsprechende Bauprojekte in den drei Städten aufgegleist worden. Bezugsbereit seien die Gebäude aber frühestens in eineinhalb Jahren, hiess es weiter. 

Derzeit böten einzig Paris und Frankfurt Kapazitäten in dieser Grössenordnung, so Savills. Ausreichend Platz habe es im Pariser Distrikt La Defense (siehe Bild). Dort stünden acht Gebäude leer, die je rund 2'000 Mitarbeiter unterbringen können. In der deutschen Finanzmetropole sind es laut Bericht fünf Gebäude. 

Zu früh gefreut?

Ob überhaupt europäische Städte vom Brexit im erhofften Masse profitieren, ist ohnehin alles andere als gewiss. Geht es nach dem UBS-Präsidenten Axel Weber, wird die britische Regierung denn auch alles daran setzen, ihren Finanzplatz – notabene der weltweit grösste – zu verteidigen, wie auch finews.ch berichtete.

Hinzu kommt, dass die Arbeitsmärkte innerhalb der EU teils sehr stark reguliert sind – insbesondere in Frankreich. Die Banken werden sich somit hüten, Kapazitäten in einem Land aufzubauen, die sich danach kaum mehr verändern lassen.

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NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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