«Wie gross ist die Inflationsgefahr wirklich?»

Die Meinungen der Anleger zur Entwicklung des Preisniveaus gehen weit auseinander. Alfred Strebel von Fidelity beurteilt die Argumente. 

Alfred_Strebel_2Alfred Strebel ist Managing Director von Fidelity Schweiz und Österreich.

Die einen Investoren glauben an eine Rückkehr der Inflation im Stil der siebziger Jahre. Ihnen ist daher besonders daran gelegen, ihre Portfolios so inflationsfest wie möglich zu machen.

Die anderen hingegen meinen, dass sich die Teuerung, anders als von den Panikmachern prognostiziert, zu keinem so grossen Problem auswachsen wird. Gleichwohl aber wollen sie sich alle Optionen offen halten. Die Zeit wird zeigen, wer Recht behält. Bis dahin werden Anleger alle Konsumdaten auf die drohende Inflationsgefahr hin unter die Lupe nehmen.

Explosion der Liquidität

«Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen.» Dieser Ausspruch stammt von Milton Friedman, der das Problem vereinfacht als «zu viel Geld, dem zu wenig Waren und Dienstleistungen gegenüberstehen» definierte. So steigen die Preise, wenn die zur Verfügung stehende Geldmenge wächst.

Als Folge der Rezession und der Finanzkrise hat die Liquidität im System explosionsartig zugenommen. Gründe waren die dramatischen Produktionskürzungen sowie die Erwartung eines ähnlich massiven Nachfrageeinbruchs. Die in der Folge ergriffenen quantitativen Lockerungsmassnahmen mit dem Ziel, die Geldversorgung zu verbessern und die eingefrorenen Kreditmärkte aufzutauen, sind in Art und Ausmass bislang einmalig.

Voreilige Regierungen

Zwar ist es mit diesen Geldspritzen möglicherweise gelungen, eine von vielen befürchtete Depression wie in den dreissiger Jahren abzuwenden. Jetzt aber besteht die Gefahr, dass die lockere Geldpolitik die Wirtschaft in den nächsten Monaten und Jahren zu stark anheizt und damit einem deutlich höheren Preisauftrieb den Boden bereitet.

Während der Grossen Depression sowie in den neunziger Jahren in Japan zogen die Regierungen die Liquidität zu früh ab. Damit gruben sie der zaghaften Wirtschaftserholung das Wasser ab, noch bevor diese hätte Fuss fassen können. Der Druck auf die Politik, diesen Fehler nicht zu wiederholen, ist heute enorm gross.

Inflation in Schach halten

Noch ist kein beschleunigter Preisauftrieb zu spüren, denn immer noch vergeben die Banken nur zögerlich Kredite. Zudem lagert ein Grossteil des im Umlauf befindlichen frischen Geldes in den Reserven der Banken.

Hat sich die Kreditvergabe aber erst wieder normalisiert, besteht die Gefahr, dass die Zentralbanken diese Liquidität nicht schnell genug wieder zurücknehmen können – oder wollen –, um die Inflation in Schach zu halten.

Wie aber lässt sich messen, wie hoch die Inflationsgefahr ist, um darauf basierend die richtige Anlagestrategie für ein Portfolio zu entwickeln?

Abwälzung auf Konsumenten

Das ist gar nicht so einfach, denn die Liste der Faktoren, welche die Inflation beeinflussen, ist lang. Einige von ihnen üben grösseren Einfluss aus als andere. So sind etwa die Energie- und Lebensmittelpreise die beiden grössten Einzelkomponenten bei der Berechnung des Konsumentenpreisindexes.

Andere Faktoren aber sollte man ebenfalls nicht aus dem Auge verlieren. So können beispielsweise steigende Erzeugerpreise an die Verbraucher weitergegeben werden. Höhere Ölpreise etwa werden üblicherweise über Strom- und Gaspreiserhöhungen auf die Konsumenten abgewälzt.

Ruf nach Lohnerhöhungen

Im Jahr 2009 hat sich der Ölpreis mehr als verdoppelt. Bei den Inflationskennzahlen werden die heutigen Preise mit denen von vor zwölf Monaten verglichen. Grosse Preisschwünge haben daher erhebliche Auswirkungen auf das aktuelle Inflationsniveau.

Steigen die Lebenshaltungskosten, wird der Ruf nach Lohnerhöhungen laut, die den Preisauftrieb zusätzlich anheizen. Momentan steht die Wirtschaft indes auf schwachen Füssen und die Arbeitslosigkeit ist hoch, weshalb sich der Lohndruck in Grenzen hält.

Währungen geraten unter Druck

Wenn die Erholung jedoch Fuss fasst und sich die Lage am Arbeitsmarkt entspannt, könnten Arbeitnehmer und Gewerkschaften erneut höhere Löhne fordern. Wer den Entwicklungen im Inland zu grosse Aufmerksamkeit schenkt, läuft Gefahr, den sich ändernden Druck aus dem Ausland zu übersehen. Auf die Preise im Inland wirken nämlich auch externe Einflüsse.

So setzt beispielsweise das Haushaltsdefizit eines Landes die Währung an den internationalen Devisenmärkten unter Druck. Das wiederum hat nicht nur Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit im Ausland, sondern erhöht auch die Kosten für Importe. China wiederum wurde jahrelang vorgeworfen, die Deflation über billige Waren zu exportieren.

Nun, da auch in China der Druck seitens der Wirtschaft wächst, wird man im Reich der Mitte möglicherweise die Pseudo-Anbindung des Renminbi an den US-Dollar überdenken müssen. Das hätte weitreichende Folgen für die Inflation rund um den Globus.

Etwas pessimistischer

Fidelity davon aus, dass die Teuerung weltweit 2010 bei 1,5 Prozent ihren Höhepunkt erreicht. Damit sind wir etwas pessimistischer als der Konsens. Inzwischen ist der Grossteil der Basiseffekte ausgehend vom höheren Ölpreis in der globalen Inflation angekommen.

Basierend auf unserer quantitativen Analyse erwarten wir deshalb, dass sich die Inflation im weiteren Verlauf stabilisieren wird. Sollten die Preise für Öl und andere zentrale Rohstoffe jedoch weiter steigen, könnte sich die Teuerungsrate weiter beschleunigen. Im schlimmsten Fall ist mit einem Inflationsanstieg auf jenseits von 2,5 Prozent zu rechnen.

Dümpelt die Wirtschaft hingegen weiter vor sich hin, wird der Abwärtsdruck das Eintreffen unserer niedrigsten Inflationsprognose wahrscheinlich machen, die mit nahezu stabilem Preisniveau rechnet.

Schutz vor Preisauftrieb

Anleger, die ihr Portfolio vor Preisauftrieb schützen wollen, können dies auf verschiedene Arten tun. Die wohl naheliegendste ist der Erwerb von Finanzinstrumenten, die speziell zum Schutz vor steigenden Preisen geschaffen wurden. Ein gutes Beispiel sind inflationsgeschützte Anleihen.

Ein anderer Ansatz beinhaltet eine Anlage in Werte, die von den Folgen des Preisauftriebs profitieren oder sogar die Ursache des Inflationsdrucks sind. Diese können grob unter dem Begriff «reale Vermögenswerte» zusammengefasst werden, hinter denen sich etwa Rohstoffe wie Öl und Gold, Gewerbeimmobilien oder Infrastrukturwerte verbergen.

Gift für Aktien

In Phasen mit nur schwachem Preisauftrieb können Aktien von Unternehmen, die solche Vermögenswerte herstellen oder in sie investieren, eine attraktive Anlage sein. Eine hohe Inflation ist in der Regel jedoch Gift für Aktien.

Wer der Meinung ist, dass von der Inflation eine Gefahr ausgeht, sich aber unsicher über den Zeitpunkt des Eintritts und die Höhe des Preisauftriebs ist, sollte sein Portfolio gut diversifizieren. Flexibilität in Sachen Vermögensaufteilung ist für all jene Anleger von zentraler Bedeutung, die sich bislang noch keine feste Meinung gebildet haben.

Teuerung bleibt ein Thema

Gut vorbereitete Anleger sollten 2010 auf jeden Fall eine dieser Anlageoptionen in Betracht ziehen. Denn eines ist sicher: Die Teuerung wird uns als Thema noch eine ganze Weile begleiten.

 

 

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Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

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Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

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Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

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Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

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