«Kontrollprämie könnte Finanzplatz schwächen»

In den vergangenen zwölf Jahren wurde bei mehr als einem Drittel aller Übernahmen eine Kontrollprämie für einen Grossaktionär bezahlt. Corporate-Governance-Aktivist Gregor Greber, Partner des Fondsmanagers zCapital, will sie ganz abgeschafft sehen.


Herr Greber, die Übernahmekommission bringt die Kontrollprämie bei Übernahmen wieder aufs Tapet. Braucht‘s die neue Diskussion über die Übernahmeprämie überhaupt? Der Markt regelt doch die Sache selbst.

Die Vergangenheit hat leider bewiesen, dass dem nicht so ist. Zwar könnte der Anleger Gesellschaften, die von Grossaktionären beherrscht werden, meiden. Jedoch müsste er auf sehr viele Chancen verzichten. Unternehmer und deren Firmen sind sehr oft attraktive Aktiengesellschaften. Es darf nicht sein, dass ein Grossaktionär nur die Vorteile der Kotierung in Anspruch nimmt, jedoch die Gesellschaft führt, wie wenn es eine Privatangelegenheit wäre. Eine Kontrollprämie bei kotierten Aktiengesellschaften geht immer zu Lasten aller übrigen Aktionäre.

Wer setzt sich denn noch für die Kontrollprämie ein – mit welchen Argumenten?

Es gibt Exponenten, die mit der Abschaffung der Kontrollprämie die Vertragsfreiheit eingeschränkt sehen. Zudem würde dem Umstand, dass einem Kontrollpaket ein höherer wirtschaftlicher Wert zugemessen werden kann, nicht mehr entsprochen.

zCapital wünscht sich eine rege Beteiligung der Investorengemeinde an der Anhörung und fordert sie auf, ebenfalls die vollständige Abschaffung der Kontrollprämie zu unterstützen. Haben Sie ernsthaft Bedenken, die Kontrollprämie könnte Bestand haben?

Investoren sollen die Anhörung nutzen und ihre Meinung kundtun. Wenn die Aktionäre ihre Anliegen nicht zur Sprache bringen, kommt der Wille der Investorengemeinde nicht vollständig zum Ausdruck. Leider sind viele Investoren in der Schweiz, auch institutionelle Investoren, sehr passiv. Es reicht nicht, nur die Faust im Sack zu machen. Könnte die Kontrollprämie tatsächlich Bestand halten, würde dies den Finanzplatz Schweiz langfristig schwächen.


«Die Lethargie der Institutionellen ist auch eine Stilfrage»


Hat die Lethargie der institutionellen Anleger in Fragen der Corporate Governance auch mit den Anlagestil zu tun?

Aktives Asset Management ist ein hartes Stück Arbeit und braucht viel Disziplin. Wir untersuchen die Titel sehr umfassend und analysieren auch die Corporate Governance der Unternehmen sehr ausführlich. Der passive Investor hingegen kauft den Index. Er muss sich deshalb nicht mit den Fragen der Corporate Governance beschäftigen. Deshalb hat die Lethargie auch mit dem Anlagestil zu tun.

Die Übernahmekommission schlägt zwei Varianten vor. Weshalb unterstützen Sie die vollständige Abschaffung der Kontrollprämie?

Mit jener Variante, die eine Prämie für einen Grossaktionär nach wie vor erlaubt, soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass einem Kontrollpaket ein höherer wirtschaftlicher Wert zugemessen werden kann als einer kleinen Beteiligung. Wir sind klar gegen diese Variante, weil ein Grossaktionär bereits heute durch sein namhaftes Aktienpaket grossen Einfluss auf die Firma geltend machen kann. Ohne Einbezug seiner Aktienposition kann keine Übernahme stattfinden.


«Aktionärsausschuss bringt nichts»


Fänden Grossaktionäre nach der Abschaffung der Kontrollprämie zu neuen Spielformen, um ihre Privilegien zu sichern?

Es kann sein, dass Grossaktionäre auf andere Weise versuchen könnten, sich zusätzliche Entschädigungen zuzusichern. Beispielsweise für gewisse Nebenleistungen und Beratungsmandate oder für Garantien und Abgangsentschädigungen. Dies ist allerdings bereits heute oft der Fall und bei AFG und Winterthur kürzlich geschehen.

Der Aktionärsausschuss – ist das ein sinnvoller Weg zur Verbesserung der Aktionärsdemokratie?

Wir sind skeptisch, dass ein Aktionärsausschuss die Aktionärsdemokratie wesentlich verbessert. Die Bürokratie würde gefördert, und es werden für die Unternehmung zusätzliche Kosten generiert. Besser ist, wenn der Verwaltungsrat im Sinne der Best Corporate Governance handelt und entscheidet. Bei zeitgemässen Statuten und moderner Kapitalstruktur können Aktionäre Verwaltungsräte zur Wahl vorschlagen und somit mithelfen, das Verwaltungsratsgremium zu beeinflussen.

Gregor Greber ist CEO der zCapital AG mit Sitz in Zug. Das Unternehmen spezialisiert sich auf die Vermögensverwaltung von Schweizer Aktien mit dem Fokus auf Nebenwerte.

 

 


Anhörung

Um beurteilen zu können, ob ein öffentliches Interesse an einer entsprechenden Änderung des Börsengesetzes (Art. 32 Abs. 4) besteht und ob diese in die laufende Revision des Börsengesetzes aufgenommen werden sollte, führt das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen bis am 24. Februar 2011 eine Anhörung der interessierten Kreise durch (hier die Mitteilung zur Anhörung).

Und hier können Sie auf finews.ch über die Vorschläge zur Kontrollprämie abstimmen.

 

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Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

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Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

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Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

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Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

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Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

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