Peter Kirkman: «Es kommt zu einer Neubewertung»

Peter Kirkman, Fondsmanager bei J.P. Morgan AM, erkennt selbst in rezessiven Zeiten die grossen Anlagetrends im Verhalten der Konsumenten.

Peter_Kirkman_1Herr Kirkman, Ihr Fonds hat im laufenden Jahr bisher nicht gerade brilliert. Er liegt mit mehr als 10 Prozent in Euro im Minus. Woran liegt das?

Sie haben recht. Die Entwicklung war enttäuschend. Dafür gibt es drei Gründe: Erstens floss in den letzten Jahren enorm viel Geld in die Schwellenländer. Das führte zu einer Blase, die im letzten August und September geplatzt ist.

Zweitens waren von diesem Einbruch auch namhafte westliche Firmen betroffen, die einen hohen Umsatzanteil in den Emerging-Markets erzielen, und in die wir investiert waren. Drittens haben viele Small-Cap-Firmen in den Schwellenländern gelitten. Nun kommt es zu einer Neubewertung.

Was meinen Sie damit?

Viele Titel haben jetzt ein sehr günstiges Kurs-/Gewinn-Verhältnis. Das schafft attraktive Einstiegschancen.

Was macht Sie so zuversichtlich, dass ausgerechnet Konsumgüterfirmen in nächster Zeit positiv performen werden? Derzeit ist ja eher eine globale Rezession zu befürchten.

Die Entwicklung im Konsumgütersektor widerspiegelt einige ganz grosse Trends, die uns die nächsten fünf bis zehn Jahren so oder so beschäftigen werden. Erstens die Urbanisation.

Bis 2030 werden rund 5 Milliarden Menschen in Städten leben, was die industrielle Produktion substanziell erhöhen und den Konsum massiv stimulieren wird. Weltweit macht der Konsum rund 50 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts (BIP) aus.

Das sind reine Spekulationen.

Nein, meine Erwartungen lassen sich statistisch untermauern. Laut der Studie «The Expanding Middle» von Goldman Sachs werden bis 2030 zwei Milliarden Menschen der Mittelklasse angehören. Jedes Jahr kommen 100 Millionen hinzu.

Das grösste Wachstum findet in den Schwellenländern statt, wo die Menschen alles daran setzen, die westlichen Kultur- und Konsumgewohnheiten zu kopieren. Während man derzeit vor allem vom Potenzial in China spricht, dürfte schon einigen Jahren die Mittelklasse in Indien am meisten wachsen.

Sind Ihre Projektionen nicht einseitig auf die Emerging-Marets ausgerichtet?

Nein. Auch in den westlichen Industrienationen erfährt der Konsum starke Impulse. In den USA beispielsweise hat der Umsatz mit biologischen Produkten (Organic Food) innert zehn Jahren von 4 Milliarden Dollar auf 16 Milliarden Dollar zugenommen.

Gesundheit und Fitness werden einen noch grösseren Stellenwert erhalten und den Konsum in neuen Bereichen massiv ankurbeln. Während heute die höchsten Ausgaben im Gesundheitssektor im Westen erfolgen, sind die Wachstumsraten im Osten höher.

Sie legen den Begriff «Konsum» sehr grosszügig aus.

Es greift zu kurz, den von mir betreuten Fonds als reinen «Konsumfonds» zu bezeichnen. Ich spreche lieber von einem globalen Fonds, der überall auf der Welt Konsumtrends aufspürt und entsprechend investiert.

Typische Länder- und Sektorenfonds haben ausgedient. Heute muss man global denken und investieren. Vor diesem Hintergrund gehören auch Firmen wie Apple, Chevron, Sanofi Aventis oder Hewlett Packard zu meinem Universum.

Sie verwalten gut 300 Millionen Dollar in der Anlagestrategie «Global Consumer Trends», wovon 109 Millionen Euro im «JP Morgan Funds - Global Consumer Trends Fund» liegen. In welche Schweizer Titel sind Sie investiert?

Mir gefallen Swatch, Richemont, Nestlé und Novartis. Diese Firmen profitieren sehr stark von den Wohlstandsfortschritten in den Schwellenländern.

Was halten Sie von Schweizer Bankentiteln?

Momentan bin ich da nicht investiert. Ich bin jedoch überzeugt, dass die UBS höher bewertet würde, wenn sie sich auf das Private Banking konzentrierte.

Sind Finanztitel generell nicht Ihr Ding?

Das würde ich nicht sagen. Gerade in Schwellenländern haben manche Banken ein enormes Potenzial, etwa im Kleinkundengeschäft (Retail-Banking) oder bei der Vergabe von Hypotheken. In Indien beispielsweise haben gerade einmal 5 Prozent der Leute einen Hypothekarkredit. In den USA sind es zwischen 80 und 100 Prozent.

Von diesen Aussichten in den Schwellenländern profitiert beispielsweise die indische Yes Bank. Sie will ihr Filialnetz bis 2015 von 200 auf 700 erhöhen.

Wo liegen die Risiken bei Ihrem Fonds?

Eine Rezession in den USA oder in Europa würde den Konsum dämpfen. Steigende Arbeitslosigkeit ist ebenfalls schlecht. Unklar ist auch, welchen Verlauf die Schuldenkrise weiter nehmen wird, welche Sparmassnahmen die Politik daraus ableitet.

Klassische Detailhandelsfirmen wie Walmart, Carrefour oder Tesco sucht man in Ihrem Fonds vergebens. Warum?

Diese klassischen Vertreter des Detailhandels sind die grossen Verlierer in der Zukunft, weil sich das Konsumverhalten fundamental verändert. Der Konsum wird mehr und mehr aufs Internet verlagert. Kommt hinzu, dass die tiefen Preise, die wir dank der günstigen Produktionskapazitäten in China in den letzten Jahrzehnten hatten, allmählich verschwinden.

Konsum_2

Mit dem zunehmenden Wachstum im Reich der Mitte wird auch dort alles teurer. Dadurch verlieren die klassischen Detailhändler im Westen ihren bisherigen Kostenvorteil. Entsprechend investieren wir in Internet-nahe Firmen wie MTN, HTC, Cisco, Lam Research oder Emerson.

Was ist Ihr Ziel?

Fondsmanager sind in der Regel allzu Index-hörig. Anstatt Alpha zu generieren, orientieren sie sich an einem Benchmark und passen die Gewichtung in ihrem Fonds entsprechend an. Davon hat der Anleger aber wenig, vor allem, wenn der Fonds im Minus ist.

Mein Ziel ist eine Mehrrendite. Darum will ich auch keinen reinen Konsumgüterfonds bewirtschaften, sondern Investmentideen anwenden, bei denen ich das Konsumverhalten in der Zukunft vorweg nehme.


Peter_Kirkman_qDer Brite Peter Kirkman (Bild) ist Manager im Global Equities Team von J.P. Morgan Asset Management, wo er den im April 2008 lancierten «JPMorgan Funds - Global Consumer Trends Fund» betreut. Seit September gibt es auch eine Anlageklasse in Schweizer Franken. Kirkman arbeitet von Boston aus.

Vor seiner Zeit beim amerikanischen Finanzkonzern baute er sich ein breites Know-how im japanischen Aktienmarkt auf. Dabei arbeitete er als Portfoliomanager für die Trust Company of the West (TCW) sowie für Prudential in Grossbritannien. Peter Kirkman hat einen Buchhaltungsabschluss von der Universität East Anglia und einen Master von der Cambridge University.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Erfindungen, die Leben retten
  • So sehen die Innovations-Labs der Banken aus
  • Die geschrumpften Banken auf einen Klick
  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

Auf diese zehn Leute sollten Sie 2016 achten

Das sind die Vertreter des Schweizer Finanzplatzes, die in diesem Jahr für Furore sorgen werden.

Selection

Selection

Die schlimmsten Prognosen 2016

Was Anlage-Profis für 2016 prophezeien.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut dem Bericht ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

weitere News