Wer gilt denn überhaupt als Schattenbank?

Um globale Risiken im Schattenbankensektor einzudämmen, müssten andere Staaten vorangehen, allen voran die USA, findet Martin Hess von der Bankiervereinigung.

Martin_Hess_119x168_2Martin Hess ist Leiter Wirtschaftspolitik bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

In einem am Montag publizierten Brief an die G20 hat das Financial Stability Board (FSB) angekündigt, die ursprünglich für Sommer in Aussicht gestellten Empfehlungen zur Regulierung von Schattenbanken bald in die öffentliche Konsultation zu schicken.

Die Erwartungen sind hoch, denn trotz scharfer Rhetorik aus der Politik gegen die weissen Flecken in der Regulierungslandschaft blieben bis anhin die Rezepte zur Eindämmung der Risiken weitgehend unverbindlich.

Viele Unklarheiten

Mit gutem Grund: Die Wirkungsweisen von verschiedenen Einflüssen im Schattenbankensektor wurden bis anhin nicht systematisch analysiert.

So ist bis heute nicht einmal klar, welche Akteure überhaupt als Schattenbanken gelten. Abb. 1 zeigt, was das EU-Parlament als Schattenbank ansieht und welche Akteure sich in deren Dunstkreis befinden.

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(Quelle: SBVg, Abb. 1: Abgrenzung von Schattenbanken)

Sollten Anpassungen der Rahmenbedingungen ins Auge gefasst werden, bedarf es aber mehr als nur definitorischer Abgrenzungen. Es braucht auch einen Blick auf die FSB-Weltkarte der Schattenbanken. Auf dieser ist die Schweiz nicht eingezeichnet (s. Abb. 2).

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(Abb. 2: Weltkarte der Schattenbanken)

Geht es darum, globale Risiken im Schattenbankensektor einzudämmen, dann müssen andere Staaten vorangehen, allen voran die USA. Vor allem aber braucht es eine robuste Ermittlung der globalen Risiken.

Sinnvolle Empfehlungen

Diese rühren gemäss FSB von Ansteckungsgefahren des regulären Bankensystems, intransparenten Strukturen und Regulierungsarbitrage. Zu letzterem stellt Axel Weber, Verwaltungsratspräsident der UBS, treffend fest, dass die Gefahr der Abwanderung in den Schattenbankensektor umso mehr zunimmt, je stärker die Banken reguliert sind.

Ich habe Vertrauen in die Fähigkeit des FSB, sinnvolle Empfehlungen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Rückstand auf die Marschtabelle dürfte zwar ein Hinweis auf nicht reibungslose Gespräche im Hintergrund sein.

Zwei Voraussetzungen

In dieser komplexen Materie dürfte es sich aber lohnen, sich nicht von den grossmundigen Forderungen politischer Exponenten zu einem Schnellschuss drängen zu lassen, sondern sich gegebenenfalls noch intensiver mit der Materie auseinanderzusetzen.

Für eine Verschärfung von Aufsicht und Regulierung der Schattenbanken müssen meiner Meinung nach zwei Voraussetzungen zwingend gegeben sein. Erstens bedarf es zwingend eines Nachweises, dass von den Schattenbanken systemische Risiken für das Finanzsystem ausgehen. Zweitens muss zudem festgestellt werden, dass in diesen Bereichen Regeln fehlen oder ungenügend sind.

Unglaublich frisch

Beim Studium der Empfehlungen des FSB werde ich auf dem Pult die «Richtlinien für Finanzmarktregulierung» als treues Referenzwerk des Eidg. Finanzdepartements aufgeschlagen haben. Angesichts der turbulenten Zeiten scheint es fast unglaublich, dass ein älteres Dokument aus dem Jahr 2005 noch heute derart frisch und treffend daherkommt.

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Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

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