Wie ING seine Position in der Schweiz ausbauen will
Geopolitische Unsicherheit und handelspolitische Verwerfungen sind schon fast zur neuen Normalität geworden. ING versucht dies zu nutzen, um ihre Wachstumsambitionen in der Schweiz voranzutreiben. Der Fokus liegt bei exportorientierten Unternehmen, Private Markets und Finanzinstitute. Dabei legt das Institut die Latte hoch: Das Geschäft mit Finanzinstituten will ING bis 2032 verdoppeln.
Gregory Lambillon, CEO und Country Manager von ING in der Schweiz, zeigt sich optimistisch. «Wir sehen Wachstumspotenzial selbst in reifen Märkten und bauen unsere Expertise in zahlreichen Sektoren hierzulande aus», sagt er. Dazu zählen unter anderem Gesundheitswesen und Pharma, Energie und Versorger sowie Finanzinstitute. In letzterem Bereich berät ING Private-Market-Akteure bei internationalen Transaktionen, etwa in den Bereichen Infrastruktur, erneuerbare Energien und Immobilien.
Exportwirtschaft unter Druck
ING geht davon aus, dass Unsicherheit, Disruptionen und technologische Transformationen die globale Wirtschaft strukturell prägen werden – auch über die aktuelle US-Politik hinaus. «Wir müssen agil sein und uns an eine Welt des kontinuierlichen Wandels anpassen», sagt Lambillon. Die Bank sieht darin eine Chance, Schweizer Unternehmen zu unterstützen, deren Geschäftsmodelle stark vom Export und funktionierenden Lieferketten abhängen.
«Die Antizipation und Absicherung von Handelsrisiken, Störungen in den Lieferketten, Regionalisierungstendenzen sowie Stresstests und Notfallplanungen gewinnen zunehmend an Bedeutung», sagt Lambillon. Genau hier will ING ihre Beratungsrolle gezielt stärken. «Mit unserem globalen Netzwerk und lokaler Sektorexpertise helfen wir unseren Schweizer Kunden, sich weltweit besser zu positionieren», betont er und verweist auf die Agilität der Schweizer Wirtschaft.
Private Markets: Vorteil Schweiz
Ein weiterer Schwerpunkt von ING liegt auf Dienstleistungen für Private-Market-Gesellschaften und institutionelle Investoren. «Mit zahlreichen Asset Managern, der weltweit führenden Vermögensverwaltungsindustrie und einer breiten Basis institutioneller Investoren ist die Schweiz in diesem Bereich sehr gut aufgestellt», sagt Marc Schweizer, Head of Financial Institutions bei ING Schweiz.
ING will sich zudem stärker an grenzüberschreitenden Projekten beteiligen, insbesondere in den Bereichen Infrastruktur und Energie. Dabei setzt die Bank auf Sektorexpertise in Kombination mit lokalem Knowhow in den jeweiligen Jurisdiktionen – etwa bei der Finanzierung von Photovoltaikprojekten in Spanien, Rechenzentren in Italien oder Windparks in Nordeuropa. Gleichzeitig ist bei Schweizer Projekten wie der Wasserkraft spezifisches Wissen über lokale regulatorische Rahmenbedingungen entscheidend. «Hier macht die Präsenz vor Ort in Verbindung mit Sektorexpertise den entscheidenden Unterschied», sagt Lambillon.
Finanzinstitute: hohe Ambitionen
Laut ING rücken auch Zahlungsverkehrsdienstleistungen stärker in den Fokus des Bankensektors – insbesondere vor dem Hintergrund der angekündigten Einstellung bestimmter Euro-SEPA-Services per Ende 2027. «Instant Payments werden auch für Schweizer Institute zunehmend relevant, um einen reibungslosen Zugang zum europäischen Markt zu sichern», sagt Marc Schweizer.
Ein weiterer Trend ist die verstärkte Nutzung des Euromarkts für Kapitalmarktfinanzierungen. «Wir beobachten, dass Schweizer Finanzinstitute vermehrt Euro-denominierte Emissionen über die gesamte Kapitalstruktur hinweg platzieren», hält Schweizer fest.














