BAK-Studie rechnet mit tieferer Wirtschaftsleitung wegen UBS-Regulierung

Die Veröffentlichung der Vorschläge des Bundesrates zur Anpassung der Eigenmittelanforderungen für systemrelevante Banken wird für die kommende Woche erwartet. Im Vorfeld bringen sich sowohl die UBS, die als einzig verbliebene global tätige Schweizer Grossbank ausschliesslich davon betroffen wäre, sowie mehrere Verbände gegen die Pläne in Stellung.

Das Fazit der BAK-Studie lautet, dass höhere Kapitalanforderungen für die UBS dazu führen können, dass Kredite teurer oder knapper werden — mit Folgen für Investitionen, Beschäftigung und Wachstum. Ökonomisch würde es sich nicht um einen temporären Rückgang, sondern um eine dauerhaft tiefere Wirtschaftsleitung der Schweizer Volkswirtschaft handeln.

Laut den Simulationen der Ökonomen würden sich diese Effekte über die Zeit aufbauen. Je nach Wirkungspfad würde dies zu kumulierten BIP-Verlusten von 11 Milliarden bis 34 Milliarden Franken über zehn Jahre führen. Das entspreche 1,3 bis 3,9 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Leistung eines Jahres (BIP = Bruttoinlandsprodukt).

Strukturelle Kreditverteuerung

«Anders als ein konjunktureller Zinsschock ist die regulierungsbedingte Kreditverteuerung struktureller Natur und lässt sich nicht durch geldpolitische Massnahmen kompensieren», heisst es weiter.

Die Studie bezieht sich dabei nur auf die vollständige Unterlegung ausländischer Beteiligungen mit CET1, also den Teil, von dem ausschliesslich die UBS betroffen wäre. «Mögliche makroökonomische Konsequenzen der weiteren vom Bundesrat vorgeschlagenen TBTF-Massnahmen sind hier nicht abgebildet», schreiben die Autoren weiter.

In einem Szenario wird die Überwälzung der geschätzten jährlichen Mehrkosten von 1,3 Milliarden Dollar infolge der höheren Kapitalanforderungen auf die Kosten auf Kreditzinsen modelliert. Das würde permanenten Zinserhöhungen zwischen +0,08 und +0,33 Prozentpunkten entsprechen. Im zweiten Szenario wird die regulierungsbedingten Angebotsverknappung im Schweizer Kreditmarkt gemessen.

Erosion der Standortattraktivität

Das dritte Szenario wird von den Autoren als «Standortszenario» bezeichnet. Dabei wird die «Sensitivität gegenüber einer graduellen Erosion der Attraktivität des Vermögensverwaltungsstandort Schweiz» einbezogen. Hier wird von einer Annäherung des strukturellen Schweizer Zinsbonusdurch der Nettozinsmarge (NIM) an das EU-Niveau (+0,84 bzw. +0,42 Prozentpunkte) ausgegangen.

Verband warnt vor «fatalem Eigentor»

Der Zürcher Bankenverband hat die Studie zum Anlass genommen, vor einem «fatalen Eigentor» zu warnen. Von den Auswirkungen wäre vor allem die Region Zürich betroffen. Hier würden 44 Prozent der Wertschöpfung des gesamten schweizerischen Finanzsektors erarbeitet und seien 43 Prozent der Arbeitsplätze der Branche beheimatet.

Auch der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) warnte davor, dass der Bundesrat mit «übertriebenen Regulierungsvorschriften» die Situation weiter verschlimmern würde. Bereits jetzt sei die Arbeitslosenquote im Bankensektor so hoch wie nach der Finanzkrise 2010 und steige weiter.

UBS sieht sich in der Pflicht, «Optionen zu prüfen»

Bei der UBS hatte sich bereits am Mittwoch an der Generalversammlung die Gelegenheit geboten, noch einmal ihre Position klarzumachen.

Dabei hatte vor allen Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher vor den Auswirkungen der geplanten deutlich strengeren Kapitalanforderungen gewarnt. «Wir wollen unseren Hauptsitz in der Schweiz behalten», hatte Kelleher betont. «Wir haben stets eine konstruktive Lösung gesucht und tun dies auch weiterhin.»

Die UBS habe jedoch auch «die Pflicht, geeignete Optionen sorgfältig zu prüfen, um die negativen Folgen ⁠dieser extremen Vorschläge so weit wie möglich zu begrenzen, sollten sich die Vorschläge bestätigen.» Zu den Pflichten gegenüber den Stakeholdern gehöre es auch, eine entsprechende Lobbyarbeit zu betreiben.

«Vor diesem Hintergrund und angesichts des wachsenden Drucks der Märkte und von vielen von Ihnen, unseren Aktionärinnen und Aktionären, könnten wichtige geschäftliche Entscheidungen bald unausweichlich werden», hatte der Verwaltungsratspräsident betont.