Columbia Threadneedle geht mit zwei ETFs an die SIX
Columbia Threadneedle tritt neu als Emittent von Exchange Traded Funds (ETFs) an der Schweizer Börse SIX auf. Zunächst wurden aktive ETFs für US- und europäische Aktien gelistet, die jeweils in zwei Währungen handelbar sind. ETFs für globale Aktien und Schwellenländeraktien sollen folgen.
Über die Details der Produkte und die Pläne in der Schweiz sprach finews.ch mit dem Head of Research Chris Lo sowie mit der Länderchefin Schweiz Eva Maria Hintner.
Frau Hintner, an welche Kunden richtet sich Columbia Threadneedle hier in der Schweiz?
Zur Zielgruppe gehören vor allem Banken, Family Offices, Finanzintermediäre und unabhängige Vermögensverwalter. Das sind die grösseren Kunden, die wir betreuen. Und darüber hinaus versuchen wir auch, institutionelle Kunden wie Pensionskassen und Versicherungen abzudecken. Das sind unsere Zielgruppen. Dabei gibt es aber natürlich grosse Unterschiede in der Affinität, die diese zu unseren Angeboten haben. Am bedeutendsten sind Banken und wichtige Wealth Manager. Und es kommt auch darauf an, welche Bedürfnisse die Kunden haben.

Eva Maria Hintner. (Bild: zVg)
Viele Fondsgesellschaften und Institutionen bieten ETFs an, auch aktiv verwaltete. Womit können Sie hier punkten?
Unser Produktangebot ist sehr vielfältig. Durch die verschiedenen Ausrichtungen nach Währungen, Regionen oder Zusammensetzung ist eine sehr präzise Vermögensallokation möglich, je nachdem, was der Vermögensverwalter oder die Kundinnen und Kunden möchten. Auch nach Risiko und Kosten lassen sie sich gut in Portfolios einbauen, damit die angestrebten Parameter erreicht werden. Wir passen also perfekt zur Allokation einer Bank oder eines diskretionären Managers. Diese Art von Produkten ist in Europa noch relativ neu. In den USA werden sie bereits länger genutzt.
Herr Lo, Sie arbeiten seit bald 30 Jahren bei Columbia Threadneedle. Wie lange befassen Sie sich bereits mit ETFs?
Ich bin seit 27 Jahren bei Columbia Threadneedle Investments. Seit zehn Jahren arbeite ich im Bereich ETFs. Ich habe also die Entwicklung von den früheren passiven Instrumenten, die starr die zugrundeliegenden Indizes und Benchmarks abbilden, hin zu den aktiv verwalteten Produkten mitgemacht.
Worin liegt der Unterschied ihrer Produkte zu anderen aktiven ETFs?
Der Unterschied liegt in unserem eigenen quantitativem und fundamentalen Research. Wir bewerten die einzelnen Titel selbst und unterteilen sie in fünf Kategorien: Strong Buy, Buy, Hold, Sell und Strong Sell. Wenn man sich die Bewertungen externer Analysten anschaut, sind dort die Kauf-Empfehlungen überrepräsentiert. Bei uns ist die Verteilung gleichmässiger und besser durchdacht, und nur rund 15 Prozent werden als Strong Buy und 20 Prozent als Buy eingestuft. Und das sind die Titel, die wir in den ETF aufnehmen.
Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?
Normalerweise bekommen sie mit einem ETF alles, was in einem Benchmark-Index vertreten ist, und zwar nach Marktgewichtung. Das bedeutet, dass die Top-10-Werte meist hoch gewichtet sind. Wenn sie etwa 2001 einen ETF auf den Russell 1000 oder den S&P 500 gehalten hätten, hätten sie nach dem passiven Ansatz einen grossen Anteil in Enron-Aktien gehabt.
Mit unserem Ansatz entfernen wir sofort zwei Drittel des Index auf der Grundlage des Research. Warum sollen wir Aktien von Unternehmen halten, von denen wir nicht überzeugt sind? Einige dieser Firmen gehören zu den Top-Namen. Und wir scheuen uns nicht, sie auszuschliessen, wie das Beispiel Tesla zeigt. Aktuell fehlen aufgrund der hohen Bewertungen auch Microsoft and Amazon. Die sind in unserem US-ETF nicht enthalten.
Das bedeutet aber auch eine grössere Abweichung zur Benchmark.
Das stimmt. Wir bezeichnen das als benchmarkbewusst, aber nicht benchmarkgebunden. Das Tracking-Error-Risiko ist bei uns etwas höher als auf dem Markt für aktive ETFs üblich. Es liegt nicht im Bereich von 1 Prozent, wie bei vergleichbaren Anbietern, sondern bei etwa 2 bis 4 Prozent.
Wie oft nehmen Sie Anpassungen vor?
Das Portfolio wird halbjährlich neu gewichtet, aber wir überwachen es täglich und greifen bei Bedarf auch zwischendurch aktiv ein. Wenn sich beispielsweise die fundamentalen Ratings oder das makroökonomische Umfeld ändert oder Ereignisse eintreten, die zu einer Herabstufung führen, warten wir nicht auf eine Neugewichtung. Wir monitoren tatsächlich täglich und reagieren dann darauf. Und das wird auch transparent gegenüber den Investoren dargelegt.
Die Gebühren sind bei ETFs ein gewichtiges Argument gegenüber direkten Aktieninvestitionen. Wie gross ist der Abstand bei Ihnen zu passiven Produkten?
Aktuell liegen die Gebühren bei den US-ETFs bei 20 Basispunkten und für die Europa-ETFs bei 25 Basispunkten. Angesichts der Menge an Research in der Zusammenstellung unserer aktiven Portfolios sind solche Gebühren im Vergleich zu passiven Produkten sehr wettbewerbsfähig. Wir haben ein Team von über 200 Research-Analysten in den USA, Europa und Asien.
Was uns wirklich abhebt, ist unser eigenes quantitatives und fundamentales Research. Damit ist unser Angebot einzigartig – und am Ende ist es dieses ausgewiesene Erfolgselement am Markt, das den Unterschied ausmacht.














