Iwan Deplazes: «In der Schweiz liegen wir deutlich vor Blackrock»


Herr Deplazes, das Asset Management der ZKB hat sich ambitionierte Wachstumsziele gesetzt. Wo steht es derzeit?

Iwan Deplazes: Die Zahlen lassen sich sehen: Wir verzeichnen eine durchschnittliche Wachstumsrate der Erlöse von 7,8 Prozent pro Jahr. Auch hinsichtlich der verwalteten Vermögen (Assets under Management, AuM) sind wir auf einem kräftigen Wachstumspfad. So konnten wir die Vermögensbasis seit 2019 auf 315 Milliarden Franken verdoppeln.

Wo verorten Sie sich damit im schweizerischen und europäischen Asset-Management-Markt?

Der Marktanteil unserer Swisscanto-Fonds beträgt im Schweizer Markt 11,5 Prozent. Damit liegen wir hierzulande deutlich vor Blackrock auf dem zweiten Platz. Auch international sind wir mittlerweile zu einer etablierten Grösse geworden: Wir zählen zu den 20 grössten Asset Managerinnen Europas. Und wir haben noch grosse Pläne. So ist es unsere Ambition, zum schnellst wachsenden nachhaltigen Asset Manager Europas zu werden. Eine solche Leistung ist nur in einer Organisation möglich, in der alle Kolleginnen und Kollegen bereit sind, die Extrameile zu gehen. Ich bin sehr stolz, dass uns dies gelungen ist und dass wir den Erfolgskurs gemeinsam weiter gehen.

Wie entwickelt sich der Vertrieb in den verschiedenen europäischen Märkten und in der Schweiz?

Mit dem Ausbau des Vertriebs in ausgewählten europäischen Ländern nehmen wir die Chancen mit unseren Fondslösungen wahr. Wir sind mittlerweile in Deutschland, Italien und Spanien mit Vertriebsstandorten und entsprechenden Teams vor Ort. Anfang 2024 haben wir das Office in Mailand eröffnet, im März 2025 jenes in Madrid.

«Der wichtigste Markt ist und bleibt aber der angestammte Markt in der Deutschschweiz.»

Zusammen mit Deutschland haben wir nun drei Standorte in Europa, die voll operativ tätig sind und laufend grössere Tickets gewinnen. In unserem Heimmarkt sind die grössten Wachstumschancen in der Romandie zu verorten. Der wichtigste Markt ist und bleibt aber der angestammte Markt in der Deutschschweiz.

Stichwort ETFs – im Frühling 2025 hat die ZKB vier neue ESGeneration SDG ETFs lanciert. Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung?

Wir sind sehr zufrieden. Besonders erfreulich ist, dass wir mit den ETFs über 30'000 Neukunden über Partnerschaften gewinnen konnten. Aktuell verwalten wir in den vier Fonds ein Vermögen von über 360 Millionen Franken. Diese Zahlen sind besonders bemerkenswert angesichts des herausfordernden und wettbewerbsintensiven Marktumfelds. Zu diesem Erfolg haben sowohl eine starke Vertriebsleistung als auch verschiedene Partnerschaften mit Neobanken beigetragen. Zugleich geht es mit der Entwicklung einher, dass der Markt im Bereich ETFs bei den Selbstentscheidern stark wächst – hier bieten wir eine Alternative für Anlegerinnen und Anleger, die wir über unser klassisches Offering nicht ansprechen können.

Wie war die Entwicklung bei nachhaltigen Anlagen?

Der Bereich Nachhaltigkeit und insbesondere unsere Themenfonds haben sich im vergangenen Jahr enttäuschend entwickelt. Haupttreiber dafür waren das anspruchsvolle Marktumfeld, aber auch ein politischer Wandel, in dessen Folge Nachhaltigkeit derzeit nicht mehr den gleichen Stellenwert geniesst wie in den Vorjahren.

Das ZKB Asset Management sieht Private Equity als strategisches Geschäftsfeld. Wie geht es dort voran?

Unsere Private-Equity-Lösungen für institutionelle und qualifizierte Anleger entwickeln sich sehr erfreulich. So konnten wir das First Close des auf Schweizer Wachstumsunternehmen fokussierten Private-Equity-Fonds «Schweizer Wachstumsfonds II» mit rund 170 Millionen Franken erfolgreich abschliessen. Wir sind zuversichtlich, unsere gesetzten Ziele bis zum Final Closing im vierten Quartal 2026 zu erreichen – und das in einem herausfordernden Fundraising-Umfeld.

«Durch die Erweiterung unserer Vertriebskanäle und Partnerschaften sowie die Lancierung weiterer Fonds schaffen wir die Grundlage für nachhaltiges Wachstum.»

Sind Sie auf Kurs mit der Asset Management Strategie 2028?

Hier gilt es zu differenzieren: Voll auf Kurs liegen wir mit dem Vertrieb in der Romandie sowie mit dem Vertrieb im Ausland. Produktseitig sind wir sowohl bei den ETFs als auch mit unseren Private-Equity-Lösungen erfolgreich unterwegs. Das Fundament ist und bleibt unser Bestandsgeschäft in der Schweiz, das mit einer kontinuierlich wachsenden Ertragsbasis einhergeht.

Über die Einnahmen haben wir gesprochen. Aber wie haben sich die Kosten innerhalb Ihres Asset Management entwickelt?

Durch gezielte strategische Investitionen und ein diszipliniertes Kostenmanagement agieren wir effizient und effektiv. So ist es uns gelungen, das Cost-Income-Ratio zu senken. Gleichzeitig managen wir unser Produktangebot strategisch und setzen auf eine fokussierte und pragmatische Umsetzung.

Wie sehen die nächsten Schritte für das Asset Management aus?

Die vergangenen Jahre standen im Zeichen des Aufbaus und der Entwicklung neuer Produkte innerhalb des Asset Managements, das heute massgeblich zur Diversifikationsstrategie der Bank beiträgt. Für 2026 planen wir, den Vertrieb auf nationaler und internationaler Ebene weiter zu operationalisieren und zu skalieren. Die Attraktivität unseres Geschäftsmodells fusst unter anderem auch darauf, dass es indifferent und nicht bilanzwirksam ist. Durch die Erweiterung unserer Vertriebskanäle und Partnerschaften sowie die Lancierung weiterer Fonds schaffen wir die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und eine stärkere Marktpräsenz – auch zum Nutzen des Kantons Zürich und seiner Bevölkerung.


Iwan Deplazes leitet seit 2007 das Asset Management der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Seit 2020 ist er Präsident der Asset Management Association Switzerland AMAS.