World Gold Council: Geopolitik treibt und höheres Zinsniveau dämpft Goldpreis
Auch wenn es in den vergangenen Wochen um das gelbe Metall etwas ruhiger geworden ist, lohnt sich der Blick auf den am Mittwoch publizierten Bericht «Gold Demand Trends: Q1 2026» der in London domizilierten Branchen- und Lobbyorganisation World Gold Council (WGC) und die entsprechende Medienmitteilung. Denn erstmals nach einer langen Hausse korrigierte der Goldpreis im ersten Quartal dieses Jahres deutlich.
Die Nachfrage nach Gold ist gegenüber dem Vorjahresquartal gewachsen, mengenmässig um 2 Prozent auf 1'231 Tonnen. Wertmässig sieht der Zuwachs mit 74 Prozent auf 193 Milliarden Dollar dank dem Preisanstieg allerdings viel eindrücklicher aus.
Privatanleger greifen zu
Treiber der Nachfrage nach Barren und Münzen waren gemäss WCG v.a. die Privatanleger (um 42 Prozent auf 474 Tonnen), wobei das Wachstum regional über Asien, die USA und Europa breit abgestützt war. Verhalten war der Bedarf der mit Gold hinterlegten Exchange Traded Funds (ETF) auf Gold. Immerhin legten die Bestände im ersten Quartal 2026 insgesamt um 62 Tonnen (–73 Prozent) zu, wobei die Stärke der asiatischen ETF von Abflüssen in den USA überdeckt wurde.
Die Schmuckindustrie, ein weiterer wichtiger Akteur auf der Nachfrageseite, litt hingegen unter den hohen Preisen. Die Schmucknachfrage fiel um 23 Prozent auf 300 Tonnen, die Abschwächung betraf alle wichtigen Märkte (China, Indien und Naher Osten). Der WCG tröstet sich damit, dass die Nachfrage zumindest wertmässig betrachtet zugelegt hat und weist auf Marktanalysen hin, wonach insbesondere in China und Indien ein Teil der Schmucknachfrage in die Nachfrage nach Barren und Münzen übergegangen sein könnte.
Wie sich die Nachfrage nach Gold im ersten Quartal des Jahres seit 2000 entwickelt hat: In den Nullerjahren standen die Zentralbanken noch auf der Verkäuferseite. (Grafik: WCG)
Auch die Zentralbanken stockten ihre Goldbestände weiter auf, um insgesamt 244 Tonnen (+3 Prozent). Und der WCG liefert gleich auch eine Einordnung: «Die Käufe übertrafen sowohl das Vorquartal als auch den Fünfjahresdurchschnitt, trotz eines Anstiegs der Verkäufe durch einige Institutionen des öffentlichen Sektors, darunter die Zentralbank der Republik Türkei, die Zentralbank der Russischen Föderation sowie der staatliche Ölfonds der Republik Aserbaidschan.»
Obschon sich der Bericht primär auf die Nachfrageseite bezieht, enthält er auch Ausführungen zum Angebot. Das gesamte Goldangebot stieg im Jahresvergleich um 2 Prozent auf 1'231 Tonnen, die Minenproduktion habe mit 885 Tonnen (+2 Prozent) einen neuen Rekord erreicht. Dagegen stuft der WCG die Zunahme des Recyclings um 5 Prozent angesichts des hohen Preisniveaus als «moderat» ein.
Geopolitische Risikoprämie stützt Investitionsnachfrage
Louise Street, Senior Markets Analyst beim WCG, resümiert: «Gold zeigte sich 2026 deutlich volatiler: Die Preise kletterten im Januar auf über 5'400 Dollar je Unze, bevor eine merkliche, wenn auch begrenzte Korrektur einsetzte. Das Zusammenspiel aus Preisdynamik und gestiegenen geopolitischen Risiken befeuerte die Investmentnachfrage, vor allem in Asien, wo Anleger Zuflucht in physischem Gold suchten.»
Im Ausblick geht Street davon, dass die geopolitische Risikoprämie die Investmentnachfrage weiterhin stützen wird, ein längerfristig hohes Zinsniveau vor allem in westlichen Märkten hingegen als Gegenwind wirken könnte. «Auf der Angebotsseite wird ein moderates Wachstum der Minenproduktion erwartet, wobei mögliche Energieengpässe diesen Ausblick dämpfen könnten.»















