Alphabet mischt mit Mega-Emission den Schweizer Markt auf
Normalerweise beschränkt sich finews darauf, das Emissionsgeschehen am Schweizer Anleihenmarkt monatlich zu kommentieren, aber diese Transaktion verdient den Titel der berühmten Ausnahme von der Regel: Am Dienstag vergangener Woche hat der US-Konzern Alphabet, zu dem auch Google zählt, in fünf Tranchen mit Laufzeiten von 3 bis 25 Jahren über 3 Milliarden Franken aufgenommen.
Es handelt sich damit gemäss dem Wochenrückblick der Zürcher Kantonalbank (ZKB) um die grösste Erstemission eines Unternehmens am hiesigen Primärmarkt und um die zweitgrösste Transaktion eines Corporate überhaupt. Nur der Pharmakonzern Roche, der 2009 gleich Obligationen im Nominalwert von 4 Milliarden Franken lancierte, liegt noch vorne.
Fünf Banken halten das Buch in der Hand
Aussergewöhnlich ist auch das Bankenkonsortium, das Alphabets Debüt begleitet hat. Es besteht aus Deutsche Bank, BNP Paribas, Goldman Sachs, J.P. Morgan und Bank of America. Von diesen fünf gemeinsamen Federführern (Joint-Bookrunners) gehören nur die zwei Europäer zu den Namen, die regelmässig Schuldner an den hiesigen Primärmarkt geleiten. Dass die drei US-Banken mit von der Partie sind, dürfte mehr dem Darlehensbuch (Loan Book), also der Kreditbeziehung zu Alphabet, geschuldet sein als ihrer lokalen Expertise.
Wenige Tage vor dem Auftritt in der Schweiz hatte Alphabet bereits im Heimmarkt zugelangt und sich am US-Bondmarkt 20 Milliarden Dollar beschafft – und darüberhinaus auch den Pfundmarkt angezapft (5,5 Milliarden), wobei die längste Laufzeit 100 Jahre betrug. Dass der Tech-Riese (der zum Klub der «Magnificent 7» gehört) auf seiner gigantischen Finanzierungsrunde (bei der die drei erwähnten US-Banken Stammplätze hatten) auch hierzulande Station machte, ist ein gutes Zeichen für den Frankenkapitalmarkt bzw. dessen internationale Reputation und Platzierungsvermögen.
Wachsender Mittelbedarf und limitierte Finanzierungsquellen
Auf den internationalen Märkten sind die Hyperscalers, zu denen neben Alphabet auch Amazon, Meta, Microsoft und Oracle zählen, schon länger aktiv geworden, nachdem andere Quellen wie Private Markets und Eigenfinanzierung langsam ausgeschöpft sind. Sie begeben Anleihen, um mit dem Erlös die wachsenden Ausgaben für die aufwendige Infrastruktur (Rechenzentren, Stromversorgung usw.) zu finanzieren, die für ihre Dienstleistungen wie Cloud Computing und Datenmanagement im Zeitalter der künstlichen Intelligenz nötig sind.
Die Schweizer Riesenemission von Alphabet hat gemäss der ZKB kurzfristig zu einem signifikanten Cash Drain und Verkäufen auf dem Sekundärmarkt in sämtlichen Segmenten geführt, ist aber laut Tim Schmucki vom ZKB-Kapitalmarktteam insgesamt gut absorbiert worden.
Vom Mangel an Corporates beflügelt
Im Vorfeld der bislang grössten Transaktion eines Auslandschuldners haben die Federführer die Nachfrage besonders gründlich abgeklärt. Gemäss Auskunft eines der Beteiligten wurde der Deal einen Tag im Voraus angekündigt.
Der Investorenkreis dürfte sich nicht signifikant von dem anderer Emissionen unterschieden haben: Pensionskassen, Versicherer und aktive und passive Asset Managers. Mit der Staffelung der Laufzeiten sei es gelungen, verschiedene Anlegerschichten zu bedienen.
«Das würde ich auch gerne wissen»
Dass das Angebot an frischen Frankenobligationen von Corporates in diesem Jahr bisher sehr übersichtlich ausgefallen ist, dürfte sich positiv auf die Aufnahmefähigkeit des Marktes ausgewirkt haben. Allerdings gelten die Alphabet-Papiere trotz des Ratings im Doppel-A-Bereich aufgrund des Domizils in den USA im Verkehr mit der Schweizerischen Nationalbank nicht als repofähig.
Ob Alphabet mit der Transaktion die Tür für baldige weitere Emissionen von Hyperscalers am Schweizer Markt aufgestossen hat und damit ein neues Schuldnersegment entstehen kann? Die ehrliche Antwort aus einer der involvierten Syndikatsabteilungen: «Das würde ich auch gerne wissen.»














