Investieren in KI: Wie umgeht man die « Big 7»-Falle?

Hamilton Lane, ein Private-Markets-Investor aus den USA (mit Vertriebsniederlassung in der Schweiz), der für institutionelle Kunden Vermögen von rund 1'000 Milliarden Dollar verwaltet, hat einen eigenen Zugang zum Thema: In seinem jüngsten Marktüberblick bezeichnet er KI als derzeit «die einzige Anlagefrage, die man beantworten muss».

Gleichzeitig wirft der Bericht die praxisorientierte Frage auf: Wie lässt sich ein solches Engagement in Renditen übersetzen? Der Marktzugang sei nämlich ungleich verteilt.

Die «OpenAI-Falle»

Auch wenn der Bericht diesen Ausdruck nicht verwendet, so deutet seine Argumentation doch auf eine Dynamik hin, die sich als «Falle der Big 7» beschreiben liesse: eine grosse Menge am Kapital, die sich auf eine begrenzte Zahl hoch sichtbarer und öffentlich gehandelter KI-Unternehmen konzentriert.

Für Investoren an den öffentlichen Börsen bedeutet dies häufig eine hohe Exponierung über eine Handvoll Titel mit hoher Börsenkapitalisierung. Und für Anleger im privaten Bereich kann es heissen, sich in überzeichneten Finanzierungsrunden zu hohen Bewertungen um Zuteilungen zu bemühen.

In beiden Fällen ist die Herausforderung ähnlich: Der Zugang ist begrenzt, und der Einstiegspreis spiegelt diese Knappheit wider.

Konzentration an den öffentlichen Märkten

Laut Hamilton Lane ist die KI-Exponierung an den öffentlichen Märkten stark konzentriert. Insbesondere indexnahe Anleger sind zunehmend von einer kleinen Zahl von Unternehmen – und Technologien – abhängig, die das Thema angeblich abbilden.

Diese Konzentration hat in den vergangenen Jahren zu starken Renditen beigetragen. Gleichzeitig legt der Bericht nahe, dass sie die Diversifikation einschränkt und den Spielraum für differenzierte Erträge verringern könnte, je mehr Kapital auf dieselben Anlagen trifft.

Wo Wertschöpfung entsteht

Hamilton Lane verweist auf private Märkte als breiter angelegtem Zugangspunkt. Venture-Capital- und Growth-Equity-Strategien investieren entlang einer grösseren Bandbreite von KI-bezogenen Firmen und Aktivitäten, einschliesslich Anwendungen und verwandter Technologien.

Entscheidend ist laut Bericht, dass Unternehmen heute länger privat bleiben als in der Vergangenheit. Ein erheblicher Teil der Wertschöpfung kann daher bereits vor einem Börsengang stattfinden, wodurch spätere Investoren mit einem veränderten Risiko-Rendite-Profil konfrontiert sind.

Dies bedeutet nicht zwingend höhere Renditen in privaten Märkten, deutet aber darauf hin, dass der Zeitpunkt des Einstiegs zunehmend wichtig wird.

Eine zweite Einschränkung: Liquidität

Gleichzeitig hebt der Bericht eine weitere Herausforderung hervor. Über weite Teile der privaten Märkte hinweg sind die Ausschüttungen in letzter Zeit schwach geblieben, sodass Anleger länger auf Kapitalrückflüsse warten müssen. Überraschenderweise argumentiert der Bericht, dass, in einer Phase, in der Private Credit verstärkt unter Beobachtung steht, dieses Segment im Vergleich zu anderen Bereichen der privaten Märkte konsistentere Ausschüttungsmuster aufweist.

Dies führt zu einem Spannungsfeld. Dieselben Marktsegmente, die einen breiteren Zugang zu KI-bezogenen Renditen bieten könnten, gehen auch mit einer längeren Haltedauer und geringerer Liquidität einher.

Hamilton Lane beschreibt dies als strukturelles Merkmal des aktuellen Marktumfelds und nicht als vorübergehende Verzerrung.

Eine sich wandelnde Anlagefrage

Die Schlussfolgerung des Berichts besteht weniger darin, einen einzelnen Ansatz zu bevorzugen. Es geht vielmehr darum, die eigenen  Fragestellung konsistent zu ordnen. Künstliche Intelligenz mag derzeit ein zentrales Anlage-Thema sein. Doch die Frage, wie sich daraus Renditen erzielen lassen, hängt davon ab, wo und zu welchem Zeitpunkt Anleger Zugang erhalten.

Angesichts der starken Konzentration der KI an den öffentlichen Märkten und der Verlagerung der Wertschöpfung in frühere, private Phasen legt der Bericht nahe: Viele Investoren steigen erst dann ins Thema ein, wenn ein wesentlicher Teil des Aufwärtspotenzials bereits realisiert ist.

Er verweist auf private Märkte als eine Möglichkeit, früher an dieser Wertschöpfung teilzuhaben. Dies allerdings unter Inkaufnahme längerer Bindungsfristen und reduzierter Liquidität.