Wie die Tokenisierung die Finanzmärkte verändern wird

Die Tokenisierung von Vermögenswerten entwickelt sich rasant von einem Nischenthema hin zu einem zentralen Baustein der globalen Finanzmarktarchitektur. Für Nadine Gisdon ist klar: Es geht längst nicht mehr um Krypto-Euphorie, sondern um fundamentale Veränderungen in der Marktinfrastruktur.

«Tokenisierung bedeutet, reale Vermögenswerte als digitale Zwillinge auf der Blockchain abzubilden – und damit Prozesse im Wertpapierhandel massiv zu automatisieren», erklärt die Gründerin und CEO von Wealth3 Capital. Die Technologie fungiere dabei gleichzeitig als Register, Abwicklungsmechanismus und Reporting-Infrastruktur.

Effizienzsprung im Back-End

Der eigentliche Mehrwert liegt laut Gisdon weniger im Produkt selbst als in der Abwicklung. «Wir sprechen hier nicht über ein neues Finanzinstrument, sondern über eine neue Art, bestehende Instrumente effizienter zu verwalten», sagt Gisdon. Manuelle Abstimmungen, fragmentierte Systeme und zeitverzögerte Transaktionen könnten durch eine konsistente digitale Infrastruktur ersetzt werden.

Diese Entwicklung erinnert laut Gisdon an die Digitalisierung der Wertschriften in den 1990er-Jahren – allerdings mit deutlich grösserem Transformationspotenzial. 

 

Die Dynamik ist erheblich: Aktuell beläuft sich das Volumen tokenisierter Assets weltweit auf rund 350 Milliarden Dollar. Bis 2030 könnte dieses laut Prognosen auf bis zu 16 Billionen Dollar anwachsen.

Treiber dieser Entwicklung sind zunehmend institutionelle Akteure. «Grosse Player wie Blackrock, J.P. Morgan oder Franklin Templeton bringen bereits tokenisierte Geldmarktfonds auf den Markt», sagt Gisdon. Besonders im Bereich Private Markets eröffne die Technologie neue Möglichkeiten, etwa durch schnellere Settlement-Prozesse und verbesserte Zugänglichkeit.

24/7-Handel verändert die Marktmechanik

Ein zentraler Vorteil tokenisierter Assets liegt in der Flexibilität des Handels. «Tokenisierte Aktien können rund um die Uhr gehandelt werden – auch am Wochenende», erklärt Gisdon. Market Maker stellten dabei die Preisfindung sicher und sorgten für Arbitrage zwischen traditionellen und tokenisierten Märkten.

Langfristig werde sich die effizienteste Technologie durchsetzen. «In Zukunft wird der Nutzer gar nicht mehr wissen, ob eine Transaktion über klassische Systeme wie SWIFT oder über die Blockchain läuft», so ihre Prognose.

Regulierung: Fortschritt mit Nebenwirkungen

Die regulatorischen Rahmenbedingungen haben sich insbesondere in der Schweiz früh entwickelt. Das DLT-Gesetz erkennt tokenisierte Finanzinstrumente bereits seit 2021 an. Dennoch sieht Gisdon Handlungsbedarf.

«Die Schweiz war ein Pionier, verliert aktuell aber an Dynamik», sagt sie. Während andere Jurisdiktionen regulatorisch aufholen, entstünden zunehmend fragmentierte Märkte und Insellösungen.

Gisdon ortet dabei ein zentrales Problem –, mehr dazu im Podcast von finews. 

 

 

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