Vaudoise weiht sanierten «Le Cèdre» ein

«Ein ‹Meisterwerk› wird renoviert», titelte das Magazin Hochparterre schon im Januar 2018. Der bekannte Westschweizer Architekt und ETH-Professor Jean Tschumi entwickelte ab 1956 ein offenes, helles und funktionales Design, das Industriematerialien wie Beton, Glas und Aluminium vollständig integrierte. Ausserdem realisierte er beim Bau auch technische Innovationen wie Grossraumbüros, ein Personalrestaurant, eine Tiefgarage oder die aktive Deckenheizung, laut Mitteilung der Vaudoise «alles neue Konzepte für die Schweiz».

Zweite Sanierung nötig

Trotz einer ersten Sanierung in den 1990er-Jahren entsprach das Gebäude nicht mehr den heutigen Anforderungen an Komfort, Technik und Energieeffizienz. Ziel war es daher, das architektonische Erbe zu bewahren und gleichzeitig an moderne Standards sowie neue Arbeitsformen anzupassen.

Auf dieser Basis wurde 2020 ein Architekturwettbewerb mit Einladung an sieben Architekturbüros durchgeführt. Die Jury entschied sich für das Projekt «Un moment charnière» des Lausanner Büros Itten+Brechbühl AG. Unter anderem wurden auf mehreren Etagen die Innenwände auf der Südseite entfernt oder durch Glaswände ersetzt, um Transparenz, Tageslicht und Ausblicke zu verbessern.

Die Farbgestaltung orientiert sich an der von Jean Tschumi entwickelten ursprünglichen Farbpalette. Sie lassen erkennen, auf welchem Stockwerk man sich befindet und wo die Besprechungszimmer zu finden sind. Die Farben werden nach Raum und nicht nach Fläche eingesetzt, was den Innenräumen Struktur verleiht.

Möbel und Kunstwerke

In derselben Logik sind auch die Möbel ein wichtiger Bestandteil der architektonischen Identität des Cèdre. Im Rahmen der Sanierung hat die Vaudoise mehrere vom Architekten für das Gebäude entworfene Stücke neu angefertigt. Mit Unterlagen aus dem Archiv des Unternehmens wurden gewisse Möbelstücke so nah wie möglich an den Originalen nachgebaut. Anpassungen wurden lediglich gemacht, um den zeitgemässen Komfort- und Nachhaltigkeitsstandards zu entsprechen. Diese Neuauflagen sind Gegenstand einer Ausstellung: Jean Tschumi Designer. 

Die Waadtländer Künstlerin Claudia Comte schuf eine Skulptur (Big Cedar Leaf, 2025) sowie ein Wandgemälde in der Eingangshalle (Sunrise on the Lake, 2025). Die Skulptur wurde aus dem Stamm der Zeder geformt, die 2023 vor dem Geschäftssitz umgestürzt war. 

«Getreu der Vision von Jean Tschumi verkörpert das sanierte Gebäude eine lebendige Beziehung zwischen kulturellem Erbe, Architektur, Kunst und heutigen Anforderungen», heisst es zur offiziellen Einweihung.

«Geist bewahren»

«Es war für uns sehr wichtig, den Geist des Werks Jean Tschumis zu bewahren und es gleichzeitig an die aktuellen Herausforderungen anzupassen. Diese Sanierung ist ein perfektes Beispiel für unsere Fähigkeit, Kulturerbe und Modernität, Tradition und Innovation miteinander zu verbinden», sagt Philippe Hebeisen, Präsident des Verwaltungsrats der Vaudoise Versicherungen zum grossen Projekt.

«Eine Sanierung, die den zeitlosen Charakter eines Gebäudes beibehält und die Fähigkeit hat, sich anzupassen und den Bedürfnissen der Nutzer gerecht zu werden, ist ein Erfolg», ergänzt Chloé Eckert, Denkmalpflegerin im Kanton Waadt.