Die Sommer-Buchtipps 2025 der finews-Redaktion
Der Sommer hat Einzug gehalten – Zeit für Ferien. Redaktion und Verlag von finews haben eine Auswahl an Buchtipps zusammengestellt. Dabei liessen sich alle Mitarbeitenden ganz von ihren subjektiven Leseleidenschaften leiten.
Dominik Buholzer, Geschäftsführer und Chefredaktor
«Empire of AI: Dreams and Nightmares in Sam Altman’s OpenAI»
Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Leute Munde. Kein Panel, bei dem es nicht auch noch um KI geht. Es fallen dann oft Kalendersprüche wie: «KI ist gekommen, um zu bleiben.» Die Steigerungsform: «Die Zahnpasta ist aus der Tube und sie geht nicht mehr zurück.» Wenn es dramatisch klingen soll: «Wer heute nicht mit KI arbeitet, wird morgen von ihr ersetzt.»
Der Buchmarkt wird mit einer ganzen Reihe von – hoffentlich – gut gemeinten Ratgebern zu ChatGPT überschwemmt. Der Inhalt ist meist so lange aktuell, bis OpenAI, der Mutterkonzern, ein neues Update lanciert.
Karen Hao ist einen anderen Weg gegangen. Als die Amerikanerin im Jahre 2019 für MIT Technology Review eine erste Geschichte über OpenAI schrieb, war das Unternehmen ausserhalb der Techbranche nur wenigen ein Begriff.
Nun lässt Hao ein Buch über OpenAI folgen. In «Empire of AI – Dreams and Nightmares in Sam Altman's OpenAI» zeichnet die Tech-Journalistin nicht nur ein äusserst detailliertes Porträt des KI-Unternehmens. Sie setzt sich zudem kritisch mit dem Hype um KI auseinander. Sam Altman, die treibende Figur hinter OpenAI, soll über Haos Werk sehr erbaut gewesen sein. Genau deswegen ist Karen Haos Buch so wertvoll. Und ihre Einschätzung wird definitiv das nächste Update überdauern.
Peter Kuster, Stellvertretender Chefredaktor
«Mohammed bin Salman - der Kronprinz von Saudi-Arabien»
Nein, diese Biografie «MBS: Der Kronprinz von Saudia-Arabien» – der Titel des französischen Originals lautet übrigens «MBS: L’enfant terrible d’Arabie saoudite» –ist keine leichte Sommerlektüre, auch wenn sie im Gewand eines Comics daherkommt. Es schildert den Werdegang von Mohammed bin Salman oder kurz MBS, der als mächtigster Mann des Landes gilt, auch wenn er erst nach dem Tod seines Vaters Salman König des einzigen Staats der Welt werden kann, der nach seinem Gründer bzw. seinem dominierenden Clan benannt ist.
Ohne Skrupel oder Respekt vor Menschenrechten und mit einer Überdosis Machiavellismus katapultiert MBS sein in jahrhundertealten Traditionen gefangenes Land geschickt in die Moderne, allerdings ohne jegliche Abstriche an seinen absoluten Machtanspruch.
Der Comic erzählt auf packende und unterhaltsame Weise die hierzulande wenig bekannte Geschichte Saudi-Arabiens und ermöglicht Einblicke in eine sehr fremde Kultur. Auch die dem Leser besser vertraute internationale Politik samt dem bekannten Personal spielt eine zentrale Rolle. Sie ist das Haifischbecken, in dem sich MBS bestens zu bewegen weiss, um sein Land zu positionieren. Ein Comic wirkt immer auch über die suggestive Kraft der Bilder, die MBS ganz und gar nicht als Sympathieträger zeichnen. Aber irgendwie erscheint diese Literaturgattung heute besonders geeignet, um die wenig erbaulichen Realitäten der Geopolitik einzufangen.
York Runne, Redaktor
Der essayistische Roman von Melandri wirbelt gleich mehrere historische Staubschichten nicht nur der italienischen Geschichte auf. Das Buch ist geschrieben wie ein Brief an den verstorbenen Vater, der als «Alpini», also als Gebirgsjäger der Armee Mussolinis, im zweiten Weltkrieg am Russlandfeldzug teilnahm und auf dem Gebiet der heutigen Ukraine kämpfte. Es geht in dem Buch auch um die Abrechnung mit Lebenslügen, die des Vaters und der italienischen Linken oder den Opfermythos der faschistischen italienischen Soldaten. Es ist vor allem auch ein Buch über unsere heutige Haltung zu Krieg und Frieden, Schuld und Verantwortung.
Florian Schwab, Publishing Director
«Bankiers, Bankster und andere Begegnungen»
Der Devisenhandel bewegt gigantische Volumina, die abenteuerlich im Fahrwasser des Weltgeschehens hin- und hergleiten. Ein erfahrener Kapitän in diesen wilden Gewässern ist Fredi Lutz, der sein gesamtes Berufsleben dem Forex-Handel gewidmet hat.
In Häusern wie dem Schweizerischen Bankverein (heute UBS), Julius Bär und Sarasin bekleidete er führende Positionen. Sein neues Buch erzählt von diesem bewegten Trader-Leben, das 1974 in Basel begann und ihn an Schauplätze wie London, Paris, New York und Zürich führte — sowie mehrere Jahre nach Panama, wo er mit dem gerade geflohenen Schah von Persien auf dem Tennisplatz ein Schwätzchen hielt.
Lutz zeichnet die epochalen Umbrüche des internationalen Währungssystems in dieser Zeit nach und beleuchtet gleichzeitig die Betriebskultur des Swiss Banking. Dabei liefert er eine eigenständige Sicht auf zahlreiche Skandale, von seinen Anfängen über den Chiasso-Skandal der 1990er-Jahre bis hin zum Untergang der Credit Suisse.
Viele Banker tragen den Gedanken mit sich, nach der Pensionierung ein Buch zu schreiben — die wenigsten setzen ihn tatsächlich um. Schade, denn zumindest im Falle von «Bankiers, Bankster und andere Begegnungen» ist daraus eine äusserst lesenswerte, anekdotenreiche Zeitreise durch die Geschichte des Schweizer Finanzplatzes entstanden.
Der Autor, dem man seine praktische Erfahrung und sein lebensbejahendes Naturell von der ersten bis zur letzten Seite anmerkt, widersteht der Versuchung, schablonenhaft in Richtung «früher war alles besser» abzudriften.
Anhand eigener Erfahrungen — viele davon im Handelsraum, mindestens ebenso viele aber in Restaurants, Bars oder auf dem Golfplatz — erweckt Lutz die Schweizer Wirtschaftsgeschichte zum Leben. Und zwar so zugänglich und charmant, dass man ihn am liebsten gleich auf ein Glas Wein treffen würde.
Dina Holz, Redaktorin
Nach ihrem gefeierten Debüt «22 Bahnen» kehrt Caroline Wahl mit «Windstärke 17» zurück. Diesmal aus der Perspektive der jüngeren Schwester Ida. Gezeichnet vom Tod ihrer alkoholkranken Mutter, den sie sich selbst anlastet, flieht Ida kopflos aus Berlin und steigt in den erstbesten Zug nach Rügen. Auf der sturmumtosten Insel angekommen, findet sie unerwartet Zuflucht bei einem älteren, warmherzigen Ehepaar. Doch die raue Küstenlandschaft birgt nicht nur Trost:
Leif, ein verschlossener junger Mann mit eigener schwerer Geschichte, tritt in Idas Leben. Zwischen Einsamkeit und Nähe, Rückzug und Aufbruch, beginnt Ida zaghaft, sich ihren inneren Dämonen zu stellen. Aber die Vergangenheit lässt sich nicht einfach abschütteln und bald erkennt Ida, dass ihre Geschichte in Berlin noch längst nicht zu Ende geschrieben ist.
Windstärke 17 ist mit Abstand das emotional bewegendste Buch, welches ich dieses Jahr bisher gelesen habe. Der Autorin gelingt es, schwierige Themen, wie Verlust, Krankheit und Panikattacken glaubhaft, und mit grosser Sensibilität zu erzählen. Der Schreibstil ist eher schlicht gehalten, aber voller Gefühl und zieht einen von der ersten Seite an in Idas stürmische Innenwelt. Ihre Reise ans Meer wird zur Reise zu sich selbst. Besonders eindrucksvoll finde ich dabei Idas persönliche Entwicklung, wie sie über sich hinauswächst, kämpft, fällt und wieder aufsteht.
Das Rauschen der Ostsee, die mächtigen Wellen und die schöne Strandkulisse verleihen dem Roman eine sommerliche Atmosphäre und macht Windstärke 17 deshalb zur idealen Sommerlektüre. Es ist eine Geschichte, die Mut macht und verspricht, dass selbst der wildeste Sturm irgendwann vorüberzieht.
Lynn Seelhofer, Redaktorin
In Der Gesang der Flusskrebse von Delia Owens geht es um Kya Clark, ein Mädchen, das in den 1950er Jahren von ihrer Familie verlassen wird und allein in den Marschlandschaften North Carolinas aufwächst. Ausgestossen von der Gesellschaft, lebt sie im Einklang mit der Natur. Trotz harter Lebensbedingungen entwickelt sie sich zu einer klugen, unabhängigen jungen Frau. Trotz der Zurückweisung der Dorfbewohner freundet sie sich mit zwei Jungen an. Als aber Jahre später der beliebte Chase Andrews tot aufgefunden wird, gerät das Marschmädchen unter Mordverdacht. Ein spannender und gleichzeitig berührender Roman, über das Überleben, das Anderssein und die Kraft der Natur.
Der Gesang der Flusskrebse beschreibt die Marschlandschaft von North Carolina so lebendig und detailliert, dass man das Gefühl hat, selbst durch das Schilf zu streifen und die Natur zu spüren. Die Atmosphäre zieht einen sofort in ihren Bann. Ich bin ein Fan von Krimis. Daher fand ich es auch besonders spannend, dass die Geschichte nicht nur berührend und lebendig erzählt ist, sondern auch einen Kriminalfall beinhaltet, der sehr passend in die Geschichte eingebettet ist.
Obwohl es ruhigere Passagen gibt, wird einem beim Lesen des Buches nie langweilig und bleibt bis zur letzten Zeile spannend. Mit Kya hat die Autorin eine starke, eigenwillige Hauptfigur geschaffen, deren Weg man mit grosser Anteilnahme verfolgt. Ich empfehle das Buch allen, die eine gute Abwechslung zwischen Berührung und Spannung mögen.
Claude Baumann, Gründer
«The 100 Trillion Dollar Wealth Transfer»
Ein Wirtschaftsbuch in den Sommerferien lesen? Eher nicht. Doch wie so oft bestätigt eine Ausnahme die Regel – in meinem Fall: «The 100 Trillion Dollar Wealth Transfer» von Ken Costa. Das Buch greift ein Thema auf, das uns alle betrifft – unabhängig vom Alter: den bevorstehenden Vermögenstransfer von der Babyboomer-Generation zu den Millennials und der Generation Z.
In den nächsten zehn Jahren werden schätzungsweise 100 Billionen Dollar den Besitzer wechseln – ein Vorgang, wie es ihn in der Menschheitsgeschichte noch nie gegeben hat. Dieser gigantische Transfer hat Auswirkungen auf nahezu alle Lebensbereiche: Konsum, Arbeit, Freizeit, Vorbilder, Religion – und vor allem auf unseren Umgang mit Geld.
Es ist nicht ohne Ironie, dass Ken Costa früher Chef der Investmentbank der UBS war – jenem Ort, an dem rund um die Uhr dem nächsten «heissen» Deal nachgejagt wird. Heute aber schlägt er ganz andere Töne an. Mit viel Empathie nähert er sich der «Next Generation» und stellt Überlegungen dazu an, wie die Welt von morgen aussehen und funktionieren könnte – im Kontext grosser Megatrends wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Fake News, Langlebigkeit, Klimawandel oder Mobilität.
Costa plädiert für mehr Miteinander – gerade weil unsere Welt längst global vernetzt ist. Abschottung und Isolation hält er für den falschen Weg. Ein spannender Gegenentwurf zur Politik von Donald Trump – und ein Buch, das zum Nachdenken anregt über Fragen, die uns alle angehen.
Roger Sandmeier, Chief Operating Officer
«Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben»
«Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben» von Sogyal Rinpoche vermittelt auf eindrucksvolle Weise die Essenz buddhistischer Weisheit im Umgang mit Vergänglichkeit, Verlust und Sinnfragen. Der Autor zeigt sehr anschaulich, wie Achtsamkeit und Mitgefühl helfen können, auch in herausfordernden Phasen innere Stabilität zu bewahren. Dabei verbindet er überlieferte Lehren mit modernen Perspektiven und gibt praktische Anregungen, wie man mehr Klarheit, Gelassenheit und Präsenz im Alltag entwickeln kann.
Gerade für Menschen in Finanzberufen, die häufig unter hohem Druck stehen, ist dieses Buch ein wertvoller Begleiter. Es eröffnet den Blick auf das, was jenseits von Zahlen, Erfolgszielen und Strategien wirklich zählt. Die Lektüre unterstützt dabei, Resilienz aufzubauen, empathischer zu handeln und in hektischen Zeiten den eigenen inneren Kompass nicht zu verlieren. Wer bereit ist, sich mit den grossen Fragen des Lebens auseinanderzusetzen, kann daraus viel Kraft, Orientierung und neue Perspektiven schöpfen.
Michael Sicker, Stv. Geschäftsführer, Technik
Das Buch stellt 30 ausgewählte Kleinbrauereien, Taprooms und Bierläden in Zürich und Umgebung vor, mit Adresse, Öffnungszeiten, Hintergrundinfos zur Lokalität und Brauerei sowie einer persönlichen Bierempfehlung. Zu jedem Bier gibt es ein Bewertungsraster, mit dem Farbe, Schaum, Aroma, Mundgefühl, Geschmack und Rezenz beurteilt werden können. Es bietet zudem viel Hintergrundwissen zur Bierkultur mit interessanten Einblicken in Bierstile, Herstellungsgeschichte und Brauereikultur.
Das «Bierbuch Zürich» ist der ideale Begleiter, um Biere der Region Zürich zu entdecken und die Geschichte und Kultur des Bieres kennenzulernen. Das Buch enthält zudem Degustations-Gutscheine, mit denen in den 30 Bierlokalen ein Bier kostenlos probiert werden kann.
Paulo Laus, Digital Media Manager
In «Hudson River – Die Kunst, schwere Entscheidungen zu treffen» überträgt Peter Brandl seine Erfahrung als Pilot auf die Businesswelt. Am Beispiel der berühmten Notlandung im Hudson zeigt er, wie man in kritischen Momenten Verantwortung übernimmt, Klarheit behält und mutig entscheidet – anstatt passiv auf bessere Umstände zu hoffen.
«Hudson River» ist ein eindringlicher, praxisnaher Impuls für alle, die beruflich oder privat wichtige Entscheidungen treffen müssen. Ein Buch, das nicht nur inspiriert, sondern zum Handeln motiviert – besonders, wenn es darauf ankommt, das Steuer selbst in die Hand zu nehmen.
Ivan Schultheiss, Chief Commercial Officer
Hundert Jahre Einsamkeit ist kein Buch, das man einfach liest – es ist eine Welt, in die man eintaucht. Gabriel García Márquez erweckt Macondo zum Leben: ein Ort, der nirgends und überall liegt, flirrend vor Hitze und Geheimnissen, wie ein Traum, eingefroren in der Zeit. Über sieben Generationen hinweg begleiten wir die Familie Buendía durch Liebe und Verlust, Krieg und Wunder, Verbannung und Heimkehr. Magie und Alltag verweben sich zu Bildern, die sich für jeden Lesenden neu entfalten.
Als Sommerlektüre ist dieser Roman mehr als ein Rückzug – er öffnet einen stillen Raum jenseits des Lärms des Alltags und der digitalen Dauerpräsenz. Jede Seite lädt ein zum Nachdenken, Träumen und inneren Abschweifen. Wer sich auf den Rhythmus einlässt, erlebt eine seltene Art des Lesens: sanft, lebendig und befreiend still.
Gérard Al-Fil, Kolumnist
«A Banker's Journey: How Edmond J.Safra Built a Global Financial Empire»
Sie glauben, Ihr Berufsleben ist eine Herausforderung? Denken Sie noch einmal nach und lesen Sie: «A Banker’s Journey: How Edmond J. Safra Built a Global Financial Empire».
Die aus dem syrischen Aleppo stammende jüdische Bankiersfamilie, die einst Handelskarawanen finanzierte, sah sich in den Wirren des Zweiten Weltkriegs und ab 1948 mit dem Beginn des palästinensisch-israelischen Konflikts gezwungen, neue Wege zu gehen. Der Libanon, Italien, später Brasilien und die USA sind nur einige Stationen, die der Patriarch Edmond J. Safra durchlief. Der Lohn für die Ochsentour: eine weltumspannende Privatbank, Kontakte ins globale Establishment und sechs Fremdsprachen. Stets ging Safra mit Höflichkeit, Zuverlässigkeit, Loyalität und guten Manieren vor, um sein Netzwerk und seine Kundenbasis auszubauen.
Wer dies jetzt als «old school» abkanzelt, der wird durch das Buch von Daniel Gross eines Besseren belehrt. Es waren diese Tugenden, die den Namen Safra zu einer Legende machten. Und das Loslassen konservativer Werte führte an den Finanzmärkten stets zu irrationalen Übertreibungen und Börsencrashs (wie 1987, 2000 oder 2008).
Weshalb ich dieses Buch empfehle:
• Weil es lehrt, dass Erfolg und bleibende Werte nicht über Wochen und Monate, sondern über Jahrzehnte und Generationen kreiert werden. Dies geht in unserer heutigen Zeit mit ihrer «Click-and-order»-Mentalität oft vergessen.
• Weil es unsere Alltagssorgen («ein Fleck auf dem Sakko», «mein Flug hat Verspätung» …) belächelnd klein erscheinen lässt. Jakob Safra musste allzu oft von vorne beginnen und sich mit besagten Tugenden durchschlagen, die selbst in der Ära der Kryptowährungen und Zoom-Calls noch immer zählen.
• Weil das 307 Seiten starke, bebilderte Werk aufzeigt, weshalb auch der Chauffeur und der Concierge Respekt verdienen, warum Gold bis heute ein begehrter Wertspeicher bleibt und wie man mit pfiffigen Prämien neue Kunden lockt.
Ebenso hält «A Banker’s Journey» dem Leser vor Augen, dass sich die Weltgeschichte in Zyklen bewegt.
Mit Schlips und Charme unerforschtes Terrain (wie etwa die Golfregion) betreten und ein lebenslanges Lernen können, ja müssen, jede Firma wachsen lassen. Genau dies hat Edmond J. Safra stets getan.
Richard Otsuki, Redakteur
«The Vision of the Anointed: Self-Congratulation as a Basis for Social Policy»
Der amerikanische Ökonom Thomas Sowell setzt sich kritisch mit der Denkweise jener auseinander, die weitreichende gesellschaftliche Visionen propagieren und unterstützen – Vorstellungen darüber, was die zentralen Probleme einer Gesellschaft verursacht und wie sie zu lösen seien, oftmals unabhängig von belegbaren Fakten. Er beleuchtet verschiedene staatliche Massnahmen, die seit den 1960er-Jahren in Bereichen wie Kriminalität, Familie und Armut umgesetzt wurden, und analysiert die statistischen Entwicklungen danach. Besonders im Fokus steht dabei das Verhalten der Befürworter solcher Visionen, die – ungeachtet der tatsächlichen Resultate – eher auf Emotionen und Rhetorik setzen als auf Fakten und Logik.
Dieses Jahr wird das Buch genau 25 Jahre alt. Obwohl Sowell betont, dass die beschriebenen Muster bereits seit Jahrhunderten bestehen, sind seine Thesen heute besonders aktuell – vor allem im Westen. Er warnt davor, dass das anhaltende, gefährliche Denken jener, die er «die Gesalbten» nennt, und ihre Ignoranz gegenüber unbequemen Wahrheiten selbst die mächtigsten Reiche zugrunde richten können. Die Geschichte kennt viele Beispiele von einst starken Gesellschaften, die primär durch innere Schwächen und nicht durch äussere Bedrohungen gefallen sind.
Steigende geopolitische Spannungen können den Blick auf äussere Rivalen lenken. Doch innere Spaltungen erschweren den zivilen Diskurs und machen es verlockend, die Schuld auf andersdenkende Mitmenschen zu schieben. Trotz aller Herausforderungen gibt es aber immer die Möglichkeit, wieder an einen Tisch zurückzukehren – und das Gespräch zu suchen.