Mitten im Zollstreit: Uhrenmarke lanciert gigantische US-Partnerschaft

Der Schweizer Uhrenhersteller Breitling wird offizieller Uhrenpartner der US-amerikanischen Football-Liga NFL. Für die Marke ist dies ein Prestige-Coup – kommt aber zu einem heiklen Zeitpunkt.

Wie Breitling am Mittwoch bekanntgab, geht die Firma eine mehrjährige globale Partnerschaft mit der National Football League (NFL) in den USA ein. Damit wird Breitling die erste Luxusuhrenmarke, welche offiziell mit der reichweitenstärksten Sportliga der USA zusammenarbeitet.

Zum Start wurden zwei Kollektionen lanciert, die Chronomat Automatic GMT 40 und die Endurance Pro, jeweils in Versionen für alle 32 NFL-Teams. Jede Uhr trägt die offiziellen Farben und Logos der Clubs und ist weltweit in Breitling-Boutiquen sowie online erhältlich.

Grosse Reichweite

Die Bedeutung des Deals ist hoch: American Football ist der populärste Sport in den Vereinigten Staaten, das Finale «Super Bowl» erreicht Jahr für Jahr mehr als 100 Millionen Zuschauer.

Breitling wird an zentralen Events wie dem Super Bowl LX und den NFL International Games präsent sein und verspricht sich davon eine enorme Sichtbarkeit in den USA wie auch weltweit.

Heikler Zeitpunkt

Doch die Ankündigung fällt in eine schwierige Phase: Die USA sind für Breitling mit rund 20 Prozent Umsatzanteil der wichtigste Einzelmarkt. Seit kurzem gelten jedoch Importzölle von 39 Prozent auf Schweizer Uhren – eine Belastung, die in einem preissensibleren Segment wie jenem von Breitling deutlich stärker ins Gewicht fallen dürfte als bei Patek Philippe oder Rolex.

Auf Anfrage von finews.ch erklärt Breitling, man habe die US-Lagerbestände für drei Monate im Voraus aufgefüllt und sei «auf das schlechteste Szenario vorbereitet gewesen», das jetzt eingetreten sei.

Breitling bleibt zuversichtlich

Zugleich zeigte sich die Firma zuversichtlich, dass «in den kommenden Wochen eine konstruktive Einigung zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten erzielt werden kann».

Breitling-Präsident Alfred Gantner und CEO Georges Kern gehörten zu den aktivsten Stimmen aus der Schweizer Uhrenindustrie, was die Zoll-Problematik anbelangt.

«In Geiselhaft der Pharmabranche»

Nach der Ankündigung der neuen Zölle kritisierte Kern, die Pharmabranche habe die Schweiz «in Geiselhaft» genommen. Und Präsident Gantner begleitete Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter (FDP) und Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP) auf ihrer vergeblichen Mission, die Zölle mit einer Reise nach Washington noch abzuwenden.

Der Zürcher Finanzblog Insideparadeplatz mutmasste gar, Gantner versuche, eine «Mormonen-Beziehung» zum amerikanischen Aussenminister Marco Rubio spielen zu lassen.

Druck auf Partners Group

Die neue Lage kommt auch für die Eigentümer zur Unzeit. Seit knapp vier Jahren ist das Private-Equity-Haus Partners Group an Breitling beteiligt, seit Ende 2022 mit einer Mehrheit.

Präsident des Unternehmens ist seither Mitgründer Alfred Gantner. Gemäss den Zyklen der Branche steht über kurz oder lang ein Exit an. Dieser könnte sich allerdings verzögern, sollte sich die betriebswirtschaftliche Situation durch die US-Zölle deutlich eintrüben.

Strategischer Fokus bleibt USA

Ungeachtet der Zölle bekräftigt Breitling gegenüber finews.ch die strategische Ausrichtung: «Die USA ist unser wichtigster Markt und wird auch künftig unser Fokus sein», so die Firma.

Mit der NFL-Partnerschaft habe Breitling nun ihr globales Sponsoring gefunden – so wie die grössten Konkurrenten bereits mit Golf, Tennis oder Film ihre internationalen Plattformen besetzten.