90. Masters: Das Marketing Masterpiece

Für Nichtgolfer könnte man das Masters in Augusta am ehesten mit Wimbledon vergleichen. Das erste Tennisturnier startete schon 1877 und seither wird in London auf Rasen gespielt. Der «All England Lawn Tennis and Croquet Club» als Veranstalter von Wimbledon ist bekannt für seine vielen Traditionen. Das gilt erst recht auch für den Augusta National Golf Club in Georgia, im konservativen Süden der USA. Bei beiden Events geht es weniger um das lukrative Preisgeld, sondern um das Prestige, welches mit einem Sieg verbunden ist. 

Sieben Tage: 30 Millionen Reingewinn

Während dem Masters Turnier gilt ein striktes Handyverbot, Merchandising wird ausschliesslich vor Ort verkauft – ohne Online-Shop und wer über den Rasen rennt, wird vom Platz gewiesen. Auf dem Rasen liegen ist anders, als an den meisten Golfturnieren ebenfalls verboten.

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Beim Masters geht es weniger ums Preisgeld wie ums Prestige, welches mit einem Sieg verbunden ist. (Bild: Shutterstock)

Augusta kann sich das leisten. Die Tickets sind heiss begehrt. Die meisten werden innerhalb der Familien rund um den Club weitergegeben, bei der offiziellen Lotterie liegt die Chance laut Golf-Digest bei 0,55 Prozent. 

Exklusivität über alles gilt auch im Sponsoring. Die fünf Weltfirmen Rolex, Mercedes-Benz, AT&T, die Bank of America und IBM zahlen laut Forbes rund 10 Millionen Dollar pro Jahr, sind vor Ort aber kaum sichtbar. Ebenfalls spannend: Das Masters kontrolliert die wichtigen TV-Rechte selbst. Die Veranstalter verzichten auf mögliche Millionen der Sender, dafür begrenzen sie die Werbezeit auf lediglich vier Minuten pro Stunde, statt der üblichen 20 Minuten im amerikanischen Sportfernsehen.

Der Sender CBS meldete vergangenen April die besten Golf-Quoten seit sieben Jahren: Beim ersten Sieg des Nordiren Rory McIlroy schauten bis zu 19,5 Millionen Zuschauer live am Fernsehen. Trotz «freiwilligem Verzicht»: Das US-Magazin Golf Digest schätzte den Reingewinn beim Traditions-Turnier auf zirka 30 Millionen Dollar pro Jahr.

Fast gescheitert zu Beginn

Dabei waren die Anfänge des Turniers mehr als bescheiden. Als der 38-jährige Investmentbanker Clifford Roberts 1931 mit der Mitgliederwerbung für den neuen Augusta Golfclub begann, wäre er beinahe gescheitert. In den ersten zwölf Monaten hatte er gerade einmal 66 Mitglieder gewinnen können. Nach zwei Jahren waren seine Ersparnisse praktisch aufgebraucht. Augusta National war ein Club kurz vor der Pleite.

Ein Turnier sollte den wirtschaftlichen Umbruch bringen. Bobby Jones, Amerikas Golf-Superstar der damaligen Zeit und Mitbegründer des Clubs, musste aktiv ins Geschehen eingreifen, um die Veranstaltung überhaupt national publik zu machen. Erstmals spielte man 1934 ein Turnier über vier Tage mit je 18 Löchern und baute am Schlusstag Showeinlagen der Profis ein. Die Zuschauer erhielten Geschenke, ein Programmheftchen wurde gedruckt, die Parkplätze für 10'000 Autos waren eine Sensation. Um Zuschauern ein Höchstmass an Komfort und Service zu bieten, lieh Roberts aus der örtlichen Kirche zusätzliche Stühle, um sicherzugehen, dass ausreichend Sitzplätze vorhanden waren.

Die Einnahmen von 8'011 Dollar reichten zwar nicht, um die Kosten zu decken, aber Investor Roberts hatte 20 neue Mitglieder geworben, deren Eintrittsgebühren einen Teil der Schulden deckten. Der Augusta National Golf Club war erst einmal gerettet. Das «Augusta National Invitation Tournament», wie es damals hiess findet seither immer am zweiten April-Wochenende des Jahres statt. 

Der Mythos des Turniers ist von Jahr zu Jahr gewachsen. Aus der anfänglich für jedermann zugänglichen Veranstaltung wurde mehr und mehr ein exklusives Event. Die Spielbahnen wurden für Zuschauer abgetrennt, 1962 sogar Tribünen eingeführt. Ein elektronisches Scoreboard bedeutete 1941 eine von vielen technischen Revolutionen. 

Augusta National wurde alljährlich im April zum Treffpunkt der Golfszene. Eine Pause gab es nur zwischen 1943 und 1945, da wurde der Golfplatz wegen des Zweiten Weltkrieges für die Rinderzucht genutzt. Beim zehnten Masters im April 1946 ging es um insgesamt 10'000 Dollar, gleich doppelt so viel wie bei der Ausgabe von 1942.

augusta 1948

Schon 1948 zog das Einladungsturnier viele Zuschauer an. (Bild Masters)

Billige Sandwiches, keine Pommes

Clubpräsident Roberts «unterwarf» die Fernsehsender, indem er dem TV-Riesen CBS 1956 nur einen Einjahresvertrag gab und entschied, wer dort Werbepartner wurde, wie viel Werbezeit diese Partner erhielten und wie hoch die Summen waren, die sie dafür bezahlen mussten. Der mächtige Mann von Augusta diktierte mit seinem Vorstand auch viele kleine Sachen. Traditionsgemäss darf der Sieger das berühmte Green Jacket nur ein Jahr lang mit nach Hause nehmen, danach bleibt es im Clubhaus. Jährlich richtet der Titelverteidiger zudem das berühmte Champions Dinner aus – auf eigene Kosten und mit einem Menü nach persönlichem Geschmack. 

Roberts sorgte auch dafür, dass es auf dem Gelände keine Pommes frites gibt. Er hielt sie für ungesund. Punkt. Legendär sind die speziellen Pimento-Cheese-Sandwiches, die (immer noch) bloss 1,50 Dollar kosten. Auch hier verzichten die Veranstalter bewusst auf mögliche Millionen –, man kann es sich leisten.

Das gesparte Geld wird dann vornehmlich im riesigen Fanshop ausgegeben. Laut Forbes waren es vergangenes Jahr rund 70 Millionen Dollar an den vier Turniertagen und den drei Tagen davor. Das macht 1 Million pro Stunde. Weil es keinen online Shop gibt, wird die Fanware zum exklusiven Gut. Mehr als eine Stunde Wartezeit vor dem riesigen Zelt gehört ebenfalls zum Erlebnis. 

masters merch

Typische Souvenirs, sie kann man nur vor Ort kaufen. (Bild zVg)