CEOs von Schweizer Unternehmen backen kleinere Brötchen

Der Corporate-Governance-Dienstleister Swipra Services hat zur Halbzeit der Saison der Generalversammlungen (GV) eine Zwischenbilanz gezogen. Ein doch eher überraschender Befund: Bei den Vergütungen üben sich die Chefs von Schweizer Unternehmen in Zurückhaltung – zumindest, wenn man den Anstieg mit demjenigen ihrer Kollegen im Ausland vergleicht.

Die Stichprobe von Swipra umfasst die 100 grössten Unternehmen im Swiss Performance Index (SPI). Die Analysen zu den Vergütungen stützen sich auf die Daten der 73 Unternehmen, die bis zum 15. April ihrer Jahreszahlen publiziert haben. Die Auswertung der Abstimmungsergebnisse wiederum basiert auf den GV der 31 Unternehmen, die bis zu diesem Datum stattgefunden haben.

Zunahme der Vergütungen nur im einstelligen Prozentbereich

Die Gesamtvergütung der CEOs stieg im Geschäftsjahr 2025 im Durchschnitt um 4,3 Prozent auf 4 Millionen Franken. Das Grundgehalt nahm um 3,8 Prozent zu, die langfristige Aktienbeteiligung um 5,2 Prozent. In Relation zum Grundgehalt rückläufig waren die Boni (–5,7 Prozent auf 90 Prozent), was gemäss Swipra «einen niedrigeren Zielerreichungsgrad gegenüber dem Vorjahr suggeriert».

Durchschnittlich deutlich stärker zugelegt haben die Chefgehälter in Deutschland und Grossbritannien. Dort betrugen die Zuwachsraten 12,9 Prozent (auf 6 Millionen Franken) und 18 Prozent (auf 6,3 Millionen Franken), wobei sich die Zahlen auf die Unternehmen im Dax beziehungsweise FTSE 100 beziehen.

Zufriedenheit mit dem Vergütungsbericht hat zugenommen

Zugenommen hat auch die Zustimmung zu den Vergütungsberichte. Die Quote stieg um 2,5 Prozentpunkte auf 87,2 Prozent, der höchste Wert seit 2021. Gemäss Swipra prüfen die Investoren die Berichte aber weiterhin kritisch, was sich darin zeigt, dass Unternehmen mit steigenden Boni generell sinkende Zustimmungsraten verzeichnen. Bei den Verwaltungsratswahlen bleibt die Zustimmung an der GV mit 95,2 Prozent generell hoch, allerdings nahm sie bei 72 Prozent der Unternehmen ab. Leicht rückläufig waren auch die Ergebnisse für das Verwaltungsratspräsidium.

Bewegung gibt es bei der Thematik Nachhaltigkeit bzw. Nachhaltigkeitsberichte. Hier entwickle sich der Fokus langsam weg vom formalistischen «Tick-the-box«-Ansatz. Bei fast zwei Dritteln der Unternehmen sank die Zustimmung zum Nachhaltigkeitsbericht. Bei jedem siebten Unternehmen lag der Wert unter 90 Prozent; 2024, als erstmals obligatorisch über dieses Traktandum abgestimmt werden musste, war das nur bei 3,4 Prozent der Unternehmen der Fall.

Intensiverer Aktionärsdialog zahlt sich aus

Gemäss der Umfrage 2025 (über die finews im Dezember 2025 berichtete) vermissten institutionelle Anleger oft eine klare Zielsetzung oder materielle Relevanz in den Offenlegungen im Nachhaltigkeitsbereich, hält Swipra fest.

Swipra-Partner Christoph Wenk Bernasconi interpretiert: «Die bisherigen GV-Ergebnisse deuten darauf hin, dass der intensivere VR-Aktionärsdialog das gegenseitige Verständnis zu wichtigen Governance-Fragen und der strategischen Ausrichtung des Unternehmens erfolgreich verbessert. Wenn Verwaltungsräte diesen Dialog aktiv nutzen, um Offenlegungen und Vergütungsstrukturen gezielt zu verbessern, steigert dies auch das Vertrauen der Investoren in die VR-Arbeit.»