90. Masters: Das Marketing Masterpiece

Exklusivster Club

Die Zuschauer werden beim Masters stets als «Patrons» bezeichnet. Die exakte Zahl wird traditionell nicht offiziell bestätigt, laut Experten dürften es pro Tag rund 40'000 Menschen sein, die sich auf der Anlage verteilen. An den übrigen Tagen ist es auf dem exklusiven Platz mit bloss 300 Mitgliedern ruhig. Hier spielen nur Members mit ihren Gästen. In Augusta bucht man keine Startzeiten für eine Runde, man kann sich auch nicht um eine Mitgliedschaft bewerben. Der Legende nach erhält man einfach irgendwann einen Scheck in Höhe einer sechsstelligen Summe. Nicht bezahlt hat, ebenso der Legende nach, noch niemand. 

Klar gibt es keine offizielle Mitgliederliste des wohl exklusivsten Golfclubs der Welt. 2002 veröffentlichte «USA Today» eine Liste, Bloomberg legte später mit 118 Personen nach. Bill Gates und Warren Buffett gehören sicher zu den bekannten Namen. 

Was die lange unerwünschten weiblichen Mitglieder anbelangt, so weiss man inzwischen von vier Frauen, die es in den elitären Golfzirkel der Welt geschafft haben: die Ex-US-Aussenministerin Condoleezza Rice, Ginni Rometty von IBM, die Milliardärin Darla Moore sowie Diana Murphy, Ex-Präsidentin der United States Golf Association. 

Nahe beim Präsidenten

Einen Donald Trump dagegen wird man wohl nie im grünen Jackett der Mitglieder sehen. Dies ist ein Klub der leisen Töne, in dem man nicht prahlt mit Geld und Einfluss. Die Mitgliedschaft erfolgt auf Einladung, und Dwight D. Eisenhower ist bis heute der einzige US-Präsident, von dessen Mitgliedschaft man sicher weiss. Er gehörte im Augusta National fast schon zum festen Inventar: Exakt 45 Mal kam er während seiner Amtszeit von 1953 bis 1961 nach Augusta und spielte während dieser Aufenthalte 200 Runden Golf.

Clubpräsident Cliff Roberts war ein enger Freund, Vertrauter und einflussreicher Berater von US-Präsident «Ike» Eisenhower, unter anderem erfand er für ihn den «Blind Trust», um Interessenskonflikte für Politiker zu vermeiden. «Wer hat schon die Gelegenheit, einem Clubkameraden zur Präsidentschaft zu verhelfen!», schrieb Roberts in seiner Quasi-Biografie «The Story of the Augusta National Golf Club», welche 1976 zum Abschied als Chef des Turniers und als Clubpräsident erschienen ist.

Der langjährige Partner beim New Yorker Broker Reynolds&Company war damals schon schwer an Krebs erkrankt und gut 18 Monate nach seinem Rücktritt schied Roberts aus dem Leben. Er erschoss sich am 29. September 1977 beim «Ike-Bond», dem Teich auf dem Nebenplatz, den er auf Wunsch des Freundes und Staatspräsidenten Eisenhower bauen liess. «Highest standards applied even as Roberts took his life», titelte die britische Zeitung «The Telegraph» noch fast 30 Jahre später. 

clifford roberts

Der Gründer Clifford Roberts ist Augusta verewigt. (Bild zVg) 

Doch kein Tiger Woods Comeback

Vor der 90. Ausgabe des Traditions-Turnier dürften andere Schlagzeilen dominieren. Zuletzt diskutierte die Golfwelt, ob Superstar Tiger Woods im April allenfalls schon sein nächstes Comeback geben könnte. Er gewann das Turnier zum ersten Mal 1997 als 21-Jähriger. Mit einem Rekordvorsprung von 12 Schlägen und dem Rekord-Gesamtergebnis in der Turniergeschichte bis dieses 23 Jahre später zum einzigen Mal von Dustin Johnson unterboten wurde. Nach dem jüngsten Auto-Unfall unter Medikamenteneinfluss hat sich Woods nun aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Noch eine wichtige Zahl: 2025 lag das Gesamt-Preisgeld bei 21 Millionen Dollar, dieses Jahr dürfte es zum Jubiläum noch etwas mehr sein. Die genaue Summe wird jeweils erst während dem Event verkündigt. Auch dieses Detail gehört zum Mythos Masters und dem perfekten Marketing.