Nach der Raiffeisen-Kündigung

Geschäftsstelle Courroux der Banque Raiffeisen du Val-Terbi

Man sah es kommen. Schliesslich ging es aber doch unvermutet schnell: Eine Einschätzung zur Kündigung des Kooperationsvertrags zwischen Raiffeisen und Vontobel.

Am vergangenen Freitag wurde das Realität, was man lange Zeit vermutet hatte: Der im Juni 2004 abgeschlossene Kooperationsvertrag zwischen der Raiffeisen-Gruppe und der Zürcher Bank Vontobel läuft Ende Juni 2017 aus.

Gekündigt hat Raiffeisen, weil sich nach der Übernahme der Notenstein Privatbank im Januar 2012 eine neue Konstellation ergab respektive die Raffeisen-Gruppe in der Vermögensverwaltung damit in Konkurrenz zu Vontobel stand.

Künftig will Raiffeisen über ein Joint-Venture mit der Bankensoftware-Gruppe Avaloq eine eigene Abwicklungsplattform betreiben. Zudem verlässt Raiffeisen personell den Verwaltungsrat von Vontobel, während die Zürcher Bank die 12,5-prozentige Beteiligung, die Raffeisen an Vontobel hielt, zurückkauft. Was bedeutet das alles?

1. Die Kriegskasse leert sich
Für den Rückkauf der Aktien, die Raiffeisen bisher hielt, wird Vontobel rund 250 Millionen Franken zahlen. Der Preis errechnet sich gemäss Vereinbarung aus dem Durchschnitt der vergangenen sechzig Tage. Damit leert sich die Kriegskasse von Vontobel um mehr als ein Drittel. Bislang hiess es, dem Unternehmen stünden rund 600 Millionen Franken für Übernahmen zur Verfügung. In der weiteren Konsolidierung auf dem Schweizer Finanzplatz hat Vontobel folglich nicht mehr den selben Handlungsspielraum wie bisher.

2. Keine Grosskunden in Sicht
Durch das Ende des Kooperationsvertrags mit Raiffeisen verliert Vontobel den wichtigsten Kunden im Abwicklungsgeschäft. Denn seit 2004 lief dieses über die Infrastruktur von Vontobel, was der Auslastung dieser Plattform sehr zugute kam. Damit ist Schluss, und die Aussicht, dass ein anderer, so grosser Kunde gewonnen werden kann, ist für Vontobel wohl eher gering.

3. Ambitiöser Zeitplan
Statt mit Vontobel will die Raiffeisen-Gruppe künftig mit der Schweizer Banken-Software-Firma Avaloq zusammenarbeiten. Zu diesem Zweck wird ein Joint-Venture gegründet. Allerdings ist der Zeitplan ambitiös, bis Anfang Juli 2017 eine Plattform auf die Beine zu stellen, die gleiches leistet wie bislang Vontobel. Das räumen selbst die IT-Leute von Avaloq ein.

4. Vorbild in Luxemburg
Immerhin kann Raiffeisen bei der Entwicklung der Kooperation mit Avaloq nach Luxemburg blicken, wo das Schweizer IT-Unternehmen mit der Banque International à Luxembourg (BIL) ein ähnliches Projekt aufbaut. Ziel dieser strategischen Partnerschaft sei es, lokalen und ausländischen Privat- und Universalbanken eine Lösung zur Standardisierung und Automatisierung ihrer Back-Office-Prozesse anzubieten, heisst es in einer kürzlichen Pressemitteilung der BIL.

5. Zu viele Baustellen?
Raiffeisen muss sich schon lange den Vorwurf gefallen lassen, zu viele verschiedene Baustellen im Hause zu haben. Ausserdem kritisiert die Schweizerische Nationalbank ebenfalls seit geraumer Zeit die grosse Abhängigkeit der Gruppe vom Hypothekargeschäft. Mit der jüngsten Ankündigung will die Raiffeisen-Gruppe ihr Geschäftsmodell nun aber diversifizieren, wie Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz gegenüber der Börsenzeitung «Finanz und Wirtschaft» am vergangenen Samstag erklärte. Ob das klappt, bleibt abzuwarten – an Baustellen mangelt es der Raiffeisen bis auf weiteres aber sicherlich nicht.

6. Neue Akzente im Schweizer Markt
Mit dem angedachten Kooperationsmodell setzt die Raiffeisen-Gruppe zweifelsohne neue Massstäbe in der Schweizer Bankenlandschaft. Sie sind interessant, weil sie auf Eigenverantwortung setzen, wie das bei den 316 Raiffeisen-Banken hierzulande bereits der Fall ist, die mit einer vergleichsweise hohen Autonomie operieren, gleichwohl aber in die Verantwortung genommen werden. Je mehr die Wertschöpfungskette im Bankgeschäft aufbricht, desto eher dürften sich derlei Kooperationsmodelle durchsetzen.

7. Mehrgleisige Strategie
Im Verlauf der vergangenen Jahre hat die Raiffeisen-Gruppe ein vielgestaltiges Geschäftsmodell aufgebaut, das Beteiligungen (Helvetia, Leonteq) sowie eine Privatbank (Notenstein) mitsamt Asset Manager (TCMG Asset Management) und nun auch noch ein Gemeinschaftsunternehmen mit Avaloq umfasst. Interessant ist die Kooperation mit den Derivate-Spezialisten von Leonteq, die neuerdings ebenfalls mit Avaloq eng zusammenarbeiten. Ob insgesamt aber die kritische Ertragsgrösse erreicht wird, bleibt abzuwarten.

8. Glückliche Fügung für den Aktienrückkauf
Das Ende der Kooperation mit Raiffeisen zwingt Vontobel in die Offensive. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich die Zürcher Bank dabei verhält. Für den Rückkauf der Vontobel-Titel, die Raiffeisen bisher hielt, kommt ihr zugute, dass der Aktienkurs vergangene Woche etwas fiel, nachdem Gerüchte zirkulierten, der hochgelobte Investmentexperte Rajiv Jain wolle das Unternehmen verlassen. Vontobel beeilte sich dann, diese Vermutung zu zerstreuen.

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NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

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